Sportbildungswerk: Barabara Stand über die Projekte 2020

Interview mit Barbara Stand : „Wir haben mehr innovative Angebote“

Die pädagogische Leiterin des Sportbildungswerks über den Umzug in das Haus des Sports und die neuen Kurse im Jahr 2020.

Die Cafeteria im Haus des Sports ist ein gemütlicher, lichtdurchfluteter Raum. Für Barbara Stand, pädagogische Leiterin des Sportbildungswerks, ist es der ideale Platz in der neuen Heimat des Stadtsportbundes Mönchengladbach, um über die künftigen Projekte zu berichten.

Frau Stand, im Frühjahr ist der Stadtsportbund in das Haus des Sports an der Aachener Straße umgezogen. Wie wichtig war dieser Umzug für das Sportbildungswerk?

Stand Es war immens wichtig. Wir haben schon seit langer Zeit nach besseren Räumlichkeiten gesucht, in denen wir unsere Ideen besser umsetzen können. Denn wir wollen mit unseren Angeboten eine Vorreiterrolle spielen. Das heißt, dass wir auch Vereinen aufzeigen wollen, was gut ankommen könnte. Wenn wir nur Angebote machen würden, die es schon gibt, dann tun wir nichts Neues oder Innovatives mehr. Und mit unseren vorherigen Möglichkeiten waren wir ausgelastet, sowohl in Bezug auf den Platz als auch auf den Inhalt. Denn nicht jede städtische Halle ist für das ausgestattet, was wir uns vorgestellt haben.

Das bedeutet, das Sportbildungswerk konnte sich ganz neu aufstellen.

Stand Absolut. Das hatte auch personelle Auswirkungen. So ist Heike Scholten dazugekommen, die zuvor Mitarbeiterin beim Sport für betagte Bürger war. Dessen Kursangebot sollten wir ja auch komplett übernehmen, was mit unserem Personal gar nicht möglich gewesen wäre. In Heike Scholten haben wir eine sehr kompetente und arbeitsfreudige Persönlichkeit dazubekommen, die viele Teilnehmer und alle Übungsleiter schon kannte, die wir übernommen haben. Das war für uns eine Riesenerleichterung und auch für die Kursteilnehmer angenehm, zumindest ein bekanntes Gesicht zu sehen, wo sich sonst doch so viel verändert hat. Viele sind auch zunächst aus dem Verein für betagte Bürger ausgetreten, aber mittlerweile haben wir viele Rückkehrer. Wir sind mit 300 Leuten gestartet, jetzt sind wir bei über 800. Die Resonanz ist wirklich großartig.

Haben auch die Vereine die neuen Möglichkeiten schon für sich entdeckt?

Stand Ja, die Vereine haben das neue Angebot im Haus des Sports schon registriert, zudem hatten wir einen Tag der offenen Tür unter dem Motto „Nachbarn treffen Nachbarn“. Was wir noch ausweiten und den Vereinen zur Verfügung stellen wollen, ist der Gesundheitszirkel nach Dr. Wolff, weil das eine wissenschaftlich fundierte Methode ist, mit dem auch Leistungssportler gewisse Defizite im Beweglichkeits- und Faszien-Zirkel beheben können. Da sind zukünftig mit Sicherheit richtig gute Kooperationen mit Vereinen möglich. Bis dahin ist es noch ein weiter Weg, aber wir haben schon viele Ideen im Hinterkopf.

Wie viele neue Ideen und Innovationen wird es bereits im neuen Jahr geben, in dem der Stadtsportbund sein 45-jähriges Bestehen feiert?

Stand Was das Sportbildungswerk betrifft, wird es schon ein paar neue Angebote geben, auch erstmals im Präventionsbereich. Zum Beispiel das Funktional Studio Kit, bei dem auf drei gummierten Mattenbahnen funktionelle Übungen aufgezeichnet sind. Im Grunde ist das ein mobiles Zirkeltraining. Was uns auch am Herzen liegt, ist Abenteuer Aufwind, ein Angebot für junge MS-Patienten. Denn unsere Erfahrungen sind, dass jene, die Sport treiben, sehr gut mit der Krankheit umgehen können. Wir wollen deswegen Neuerkrankte davon überzeugen, dass das Leben mit ihrer Diagnose nicht zu Ende ist, und spannende Dinge mit ihnen machen. Das ist für die Psyche sehr wichtig.

Und dann gibt es Angebote wie „Ukulele bewegt“, die sich zunächst nicht unbedingt nach Sport anhören.

Stand Ja, aber „Ukulele bewegt“ präsentiert tatsächlich ein Sportlehrer, der in seinem Kurs auch viele Hintergrundinformationen liefert, warum Musik und Bewegung für unsere Gehirnentwicklung so wichtig sind. Und die Teilnehmer kommen in der Regel aus der Altenpflege, aus Kindertagestätten oder sind Übungsleiterinnen, es sind aber auch private Leute dabei. Auch „Tough Mudder“, sogenannte Hindernis-Schlamm-Läufe, sind ein so niederschwelliges Angebot, dass es ganze Familien machen können. Für Kinder ist es grandios, mit Mama und Papa durch den Schlamm zu robben. Da werden alle angesprochen. Zudem bieten wir im kommenden Jahr Barre an, eine Kombination aus Ballett und Fitness. Das ist im Moment der totale Renner, in Mönchengladbach kenne ich aber kein Studio, das Barre bereits anbietet.

Wie wichtig ist es, dass diese neuen Angebote auch einen konkreten Namen bekommen?

Stand Ganz wichtig. Ein gutes Beispiel ist „Funktional Fitness“. Das ist das, was wir früher im Turnverein gemacht haben, mit Medizinball und Zirkeltraining. Auf einmal war das angestaubt, keiner wollte das mehr. Inzwischen geht der Trend zurück – weg von den großen Geräten und wieder hin zum Training mit dem eigenen Körpergewicht. Nur brauchte es dafür einen neuen Namen.

Also ist Innovation sehr wichtig, um die Leute für sein Angebot zu gewinnen.

Stand Jein. Auf der einen Seite gibt es bei uns die Gruppe der Traditionalisten. Das sind überwiegend die Sportler der Altersklasse 60 plus, die bei uns gut ein Drittel aller Teilnehmer ausmachen. Aber etwa ein Drittel setzt sich auch aus 16- bis 40-Jährigen zusammen. Worauf wir verstärkt unser Augenmerk richten müssen, ist der Kreis der Hedonisten. Das sind die Leute, die mitten im Leben stehen, berufstätig sind und zumeist schon Kinder haben. Das ist in unserem Umfeld auch die stärkste Bevölkerungsgruppe, die zudem gerne innovative, neue Dinge ausprobiert.

Wird demnach auch die aktive Nachfrage nach Angeboten bei Ihnen konkreter?

Stand Ja, ich hatte hier schon Leute stehen, die nach ganz bestimmten Fitnessangeboten gefragt haben, die sie aus einem Fitnessstudio kannten. Noch hinkt da unser Angebot hinterher, weil wir zunächst schauen mussten, dass wir unsere traditionellen Teilnehmer versorgen. Und jetzt haben wir die Zeit, um uns um die Hedonisten zu kümmern. Und das sollen vernünftige Angebote sein, die man auch nicht an jeder Ecke bekommt.

Wie würden Sie in wenigen Sätzen die Projekte beschreiben, die für 2020 angedacht sind?

Stand Auf jeden Fall ist es für uns positiv aufregend. Denn jetzt können wir Dinge umsetzen, die uns als Sportpädagogen natürlich unter den Nägeln brennen, weil wir davon überzeugt sind, dass die Angebote gut sind und den Teilnehmern Spaß bereiten. Das ist ein ganz entscheidender Faktor.

Wie groß ist die Steigerungsrate bei den Angeboten durch das Haus des Sports?

Stand Im Moment haben wir uns schon um ein Drittel vergrößert im Vergleich zu dem, was vorher möglich war. Aber wir sind noch am Anfang. So haben wir nun einen Gymnastikraum, der noch lange nicht ausgelastet ist. Wir sollten uns also im Volumen fast noch einmal verdoppeln können.

Wie sieht es bei diesem Zuwachs bei der Suche nach Referenten aus?

Stand Das ist ein wichtiger Punkt. Zunächst einmal waren bereits sehr gute Referenten hier im Haus, die wir gerne übernommen haben. Wir haben auch ein paar Referenten wie Svetlana Fröhlich – die sowohl Barre als auch Tough Mudder anbieten wird –, die auf uns aufmerksam geworden ist. Das wäre früher so wohl nicht passiert. Aber da jetzt alles so schnell wächst, brauchen wir wirklich noch Unterstützung. Und da reicht mir im Moment auch nicht unbedingt der frisch ausgebildete Übungsleiter, sondern wir brauchen vor allem Spezialisten. Das ist die Aufgabe des nächsten Jahres, verlässliche Leute zu finden, die zu uns passen und denen der organisierte Sport nicht fremd ist.

Es verändert sich also viel im Sportbildungswerk?

Stand Ja, es gibt viel frischen Wind. Doch fast 100 Prozent davon wäre nicht möglich gewesen ohne den Umzug. Dabei habe ich vor etwa anderthalb Jahren schon gedacht, dass ich mit meiner Weiterentwicklung am Ende bin. Aber mit dem Haus des Sports hat sich ein neuer Weg aufgetan. Ich bin der Stadt dankbar, dass wir dieses Haus jetzt nutzen können. Nicht jede Stadt kann sich rühmen, ein solches Kleinod zu haben, auch wenn es in einem ganz anderen Zusammenhang entstanden ist.