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So geht Kampfsport in Mönchengladbach und der Region während Corona

Judo, Ringen und Taekwondo : So arrangieren sich Kampfsportler mit Corona-Regulierungen

Ob Judo, Ringen oder Taekwondo: An einen normalen Sportbetrieb ist derzeit nicht zu denken. Das Training konnten die Vereine in der Region aber wieder steigern.

Not macht erfinderisch. Als die Jahnhalle aufgrund der Corona-Pandemie noch geschlossen war, verlegten die Judokas des 1. Judoclub Mönchengladbach ihr Training beim Neustart kurzerhand nach draußen und nahmen ihre Matten mit auf die Rasenfläche gleich neben dem Parkplatz. Mittlerweile können die Sportler wieder in der Halle trainieren, die neue Corona-Schutzverordnung erlaubt nun gar Kontaktsport mit bis zu 30 Personen. Dennoch mussten gerade Kampfsportler lang warten, ehe sie ihren Sport wieder ausüben konnten. Und Normalität ist noch lange nicht erreicht, wie die Beispiele aus der Region zeigen.

Judo „Für unseren Sport ist es nun einmal unabdingbar, dass wir einen Gegner oder auf das Training bezogen einen Partner haben. Doch lange Zeit war nicht viel mehr drin, als dass sich die Sportler individuell fit gehalten haben“, sagt Peer Radtke. Er ist beim 1. JC einer der Team-Kapitäne der Ersten Mannschaft, die sich gerade auf ihre Saison in der Zweiten Bundesliga vorbereitete, als nicht nur die Sportwelt aufgrund der Pandemie zum Stillstand kam. Und derzeit ist noch völlig unklar, ob die Mannschaft im laufenden Jahr überhaupt noch in der Meisterschaft aktiv werden wird.

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„Für die Erste Bundesliga ist eine Lösung in Turnierform im Herbst gefunden worden. Das könnte es auch bei uns noch geben, aber eine klare Aussage fehlt bislang“, sagt Radtke. Diese Ungewissheit sei auch nicht gut für das Training. „Es ist dann schwierig, stets die richtige Intensität und Härte reinzubringen“, fügt er hinzu. Zumal es im Klub genug Sportler gibt, die auch bei ihren persönlichen Zielen ausgebremst worden sind. Radtke nennt als Beispiel Alexander Wegele, der die Berufung in die Junioren-Nationalmannschaft vor Augen hatte. Immerhin könne nun aber wieder sportartspezifisch trainiert werden. „Der Wiederbeginn hat schon einen kleinen Schwung in den Trainingsbetrieb gebracht. Alle haben sich gefreut, wieder auf die Matte zu dürfen“, sagt Radtke.

Ringen Ganz ähnlich ist die Stimmung bei den Ringern des TKV Hückelhoven. Auch der Verein aus dem Kreis Heinsberg hat die Möglichkeit, während der Sommerferien die Halle für Trainingseinheiten zu nutzen – und macht davon ordentlich Gebrauch. „Die trainieren alle wie die Wilden“, sagt Geschäftsführer Paul Sieben zur Euphorie nach Monaten der Tatenlosigkeit. Dabei sollte 2020 ein besonderes Jahr für den Verein werden, hatte die Erste Mannschaft doch im Winter nach mehr als 20 Jahren die Rückkehr in die Landesliga geschafft.

„Für die Sportler ist es jetzt leider ein verlorenes Jahr, denn in Nordrhein-Westfalen wird es keine Wettkämpfe geben. Doch der Aufstieg in die Landesliga bleibt ja auch für 2021 bestehen“, sagt Sieben. Ebenfalls beruhigend war die Nachricht, dass Kai Imanbekov und David Stresler, die sich im Vorjahr für die Deutschen Meisterschaften qualifiziert hatten, dann bei den kommenden nationalen Titelkämpfen ein Startrecht erhalten. Bis dahin gilt es, sich fit zu halten. „Beim Ringen müssen gewisse Züge und Schwünge von den Sportlern immer abrufbar sein. Deswegen ist es wichtig, diese Automatismen ständig zu trainieren“, erklärt Sieben. Zumindest ein Teil der Trainingszeit, die im Frühling durch Corona verloren ging, kann nun immerhin im Sommer nachgeholt werden.

Taekwondo Im Grenzland war neben der TG Jeong Eui Nettetal mit ihrer Spitzenathletin Madeline Folgmann auch die KSG Oh-Do-Kwan Dülken von den Auswirkungen der Corona-Krise betroffen. Dülkens Vorsitzender Thomas Schneider, der zugleich Landesbildungsreferent im Verband und Trainerausbilder ist, sieht indes auch die Vorteile der Wettkampfpause. „Die Turnierdichte war zuletzt schon enorm hoch. Die Zeit und die Energie, die die Trainer dort hineinstecken mussten, können wir nun in die Basisarbeit und die Ausbildung investieren. Das kann sich langfristig sowohl im Breiten- als auch im Leistungssportbereich positiv auswirken“, sagt Schneider. Und da war selbst in den vergangenen Wochen relativ viel möglich, da Taekwondo eine Kampfkunst ist, die mehr bietet als den – derzeit verbotenen – Zweikampf.

„Mit genügend Abstand konnten die Sportler Schattenkämpfe an unseren Spiegelwänden trainieren oder an den Sandsäcken arbeiten. Zudem konnten sie Angriffs- oder Verteidigungstechniken einüben. Und die Formenläufer hatten die Möglichkeit, an Online-Wettkämpfen teilzunehmen, bei denen sie Filme ihrer Übung einreichen mussten“, sagt Schneider. Kein Mitglied habe sich durch die Pandemie vom Verein, der 2020 sein 45-jähriges Bestehen feiert, abgemeldet. Neben Trainingseinheiten in den Sommerferien bietet der Klub im August auch einen Workshop an, in dem das richtige Rollen, Fallen und Werfen erlernt werden kann.