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Schwimmen: Wie die Corona-Krise dem Schwimmsport geschadet hat

„Viele mussten wieder bei null anfangen“ : Wie die Corona-Krise dem Schwimmsport geschadet hat

Sieben Monate saßen die Leistungsschwimmer auf dem Trockenen. Einige verloren in dieser Zeit die Lust, der Nachwuchs wurde weit zurückgeworfen. Auf die SG Mönchengladbach kommt viel Aufbauarbeit zu. Das Thema Landesstützpunkt möchte man aber keineswegs aufgeben.

Wuppertal, Bochum und Neuss, um nur einige Beispiel zu nennen, lauteten vor zwei Wochen die Reiseziele der SG Mönchengladbach. Mit drei Gruppen war die Startgemeinschaft an jenem Wochenende für Wettkämpfe in NRW unterwegs. So wie inzwischen fast jeden Samstag und Sonntag. Denn das Leistungsschwimmen ist wieder möglich, es geht wieder um Startplätze, Bestzeiten und Meisterschaften. Dieter Sofka freut das. Es ist aber auch viel auf einmal. „Es wird viel angeboten. Oft aber sehr kurzfristig. Die Veranstalter sagen dann, sie hätten eine Genehmigung von der Stadt für einen Wettkampf in drei Wochen, bräuchten dafür aber schon bis morgen eine verbindliche Anmeldung. Das ist sehr alles spontan und chaotisch“, sagt der Cheftrainer der Startgemeinschaft. Logistisch sei das alles eine Herausforderung – und auch für die Eltern schwierig, betont er. „Die kurzfristigen Entscheidungen verlangen allen viel ab.“

 Dieter Sofka ist Cheftrainer bei der SG Mönchengladbach.
Dieter Sofka ist Cheftrainer bei der SG Mönchengladbach. Foto: SG Mönchengladbach

Über allem steht aber: Wettkämpfe sind wieder möglich. Und das ist das, worauf der Schwimmsport viele Monate warten musste. „Wettkämpfe sind genau das, was die Schwimmer nun brauchen“, sagt Sofka. Und deswegen tourt er bereitwillig mit seinen Sportler Wochenende für Wochenende von Wettkampf zu Wettkampf.

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Dabei ist für den Großteil das Training in den Mönchengladbacher Schwimmhallen erst seit Mitte Mai wieder erlaubt. Nur für die Kaderathleten bestand bereits ab März die Möglichkeit, zweimal die Woche in Krefeld zu trainieren. Das sei aber nur eine „Seelenmassage gewesen, um mal wieder ins Wasser zu können“, sagt Sofka, nichts, um Leistung zu erhalten oder aufzubauen. Immerhin: Inzwischen sind wieder 90 Prozent des Trainingsumfangs von vor der Pandemie im Wasser möglich. Mit Beginn des zweiten Lockdowns ab November 2020 saßen die Sportler trotzdem sieben Monate auf dem Trockenen. Üblicherweise bleibt ein Schwimmer sonst für maximal drei Wochen ohne Schwimmeinheit. Gerade die jungen Sportler, die sich kurz vor der Pandemie der SG anschlossen, wurden enorm zurückgeworfen. „Bei vielen mussten wir feststellen, dass wir wieder bei null anfangen müssen“, sagt Sofka.

Über langfristige Folgen lässt sich nur spekulieren. Aber möglicherweise sind in dieser Pandemie dem Schwimmsport vielerorts Jahrgänge für den Leistungssport verloren gegangen – auch in Mönchengladbach. Einerseits, da Entwicklungen stagnierten, anderseits aber auch, da einige in der Zeit die Lust auf den Schwimmsport verloren haben und gleichzeitig keine Kinder im Jugendbereich nachkamen. Die Altersklassen der sieben- bis neunjährigen sucht man laut Sofka nun vergebens bei der SG. Auch insgesamt ist der Aderlass seit der Pandemie unübersehbar: Von 115 Leistungsschwimmern sind nur 79 im Verein geblieben. „Etliche sind weggebrochen, auch aus psychischen Gründen. Mit Schule und Sport waren die einfach überfordert, weil sie ein Jahr nur zu Hause gesessen haben“, sagt Sofka.

Während des Lockdowns hatten er und sein Trainerteam versucht, ihre Sportler bestmöglich bei Laune und Fitness zu halten. Mit Übungsplänen. Und durch Videotraining mehrmals die Woche. „Teilweise hat man da gestanden und auf immer leerer ausschauende Kinder geguckt. Die dann bei Laune zu halten, obwohl man selbst auch kaum noch Zuversicht hatte, das war harte Arbeit. Wir haben es aber durchgezogen. Großes Kompliment an unsere Trainer. Vielleicht haben wir dadurch mehr Kinder halten können“, sagt Sofka.

Umso mehr freut es ihn, dass einige Schwimmer inzwischen wieder Bestzeiten schwimmen. Allerdings seien es Zeiten, die bereits für das vergangene Jahr anvisiert waren. „Für die Psyche ist das aber wichtig, den alten Status wieder zu erlangen“, sagt Sofka, der aber auch feststellt: „Wir sind mit allen Mannschaften mit einem Jahr im Verzug, auch mit den Kaderleuten.

Auch die Entwicklung des gesamten Vereins ist aufgehalten worden. Der Tiroler Sofka war vor vier Jahren als Cheftrainer zur SG gekommen und hatte seitdem mit seinem Team einiges angeschoben und respektable Ergebnisse erzielt. Darauf konnte man coronabedingt vorerst nicht weiter aufbauen. „Wir müssen nun überlegen, wie kommen wir wieder rein in die Rekrutierung von Schwimmern und Sponsoren“, sagt Sofka. Die langfristigen Ziele bleiben aber unverändert: Man möchte weiterhin auf Augenhöhe mit den Vereinen sein, die Landesstützpunkt sind – und bestenfalls selbst einer werden. „2024 ist eine neue Möglichkeit dazu und wir arbeiten daran, dass wir unter den Kandidaten sind“, sagt Sofka, „dafür benötigt es aber das passende Angebot und die Infrastruktur. Das muss auch die Stadt wollen. Wir können nur die sportliche Basis bilden.“

Dafür braucht es Wettkämpfe wie die Deutsche Kurzbahn-Meisterschaft am Wochenende in Wuppertal. „Das ist unser Signal, dass wir wieder da sind“, sagt Sofka. Mit vier Teilnehmern für die Einzel-Wettbewerbe und die Mixed-Staffel geht die SG an den Start: Nina Holt, die als Bundeskaderathletin während der Pandemie durchgängig trainieren durfte, Alice Bianca Wettel sowie Adrian Bierewitz und Bennett Gingter. „Das Ziel ist, ins Finale zu kommen. Und mit der Staffel ein Top-sechs-Ergebnis. Es geht aber vor allem darum, zu zeigen, dass wir nicht so schlecht geworden sind, dass wir da nichts zu suchen hätten“, sagt Sofka. Im Oktober folgt dann noch die Deutsche Jahrgangsmeisterschaft in Berlin. Sofka und sein Team sind also weiterhin viel unterwegs. Für den Schwimmsport ein gutes Zeichen.