Schwimmen: Trainer Dieter Sofka über die Ziele der SG Mönchengladbach

Mönchengladbacher Schwimmtrainer Dieter Sofka : „Landesstützpunkt? Nicht um jeden Preis“

Der Cheftrainer der Startgemeinschaft Mönchengladbach spricht über die Ziele und Herausforderungen der Leistungsschwimmer.

Dieter Sofka hat dieser Tage viel zu organisieren, trotzdem hat er sich etwas Zeit freigeschaufelt: Während seine Athleten bereits das Aufwärmprogramm selbständig absolvieren, spricht der Cheftrainer der Startgemeinschaft (SG Mönchengladbach) über die Ziele und Herausforderungen der Leistungsschwimmer im Jahr 2020. Ein erstes Highlight steht bereits am Samstag und Sonntag an, wenn die SG ihren ersten Heimwettkampf ausrichtet.

Herr Sofka, am Wochenende veranstaltet die SG Mönchengladbach das NEW-Langstreckenmeeting. Insgesamt vier Veranstaltungen richten Sie im Jahr 2020 aus. Welche Bedeutung haben solche Wettbewerbe für die SG?

Sofka Wir können uns mit solchen Veranstaltungen in der Region präsentieren und zeigen, dass wir das können. Es gibt in der Umgebung unglaublich viele Vereine und Schwimmbäder, die alle ihren eigenen Wettkampf machen wollen. Kommendes Wochenende sind im Gebiet Rhein-Ruhr noch mindestens zwei weitere Veranstaltungen, zudem hat der Bezirk Aachen Meisterschaften. Trotzdem sind wir auf die Meldezahlen des vergangenen Jahres gekommen. Insgesamt wollen wir unsere Events überregional bekanntmachen. So wird im März auch ein Team aus Österreich bei uns zu Gast sein. Ich habe auch schon in Luxemburg und Italien Werbung gemacht.

Wie ist generell das Standing der SG in der Saison 2019/20?

Sofka Auf jeden Fall sind wir seit einigen Jahren auf dem Weg nach oben. Derzeit überzeugen in der Breite vor allem die Mädchen, während die SG zuvor auch schon starke Jahre bei den Jungen hatte. Wir werden auf jeden Fall wahrgenommen, auch vom Landestrainer Jürgen Verhölsdonk, der kürzlich zu Besuch war. Wir sind auf unserem Weg aber sicherlich noch nicht am Ende. Wie weit es noch nach oben gehen kann, weiß ist nicht. Das hängt von sehr vielen Faktoren ab, die ich auch nicht alle beeinflussen kann.

2016 hatte die SG das Ziel, Landesstützpunkt zu werden, damals klappte dies jedoch nicht. Peilt das die SG langfristig noch an?

Sofka Wir sind zuletzt noch vom Landestrainer konkret gefragt worden, ob wir uns als Landesstützpunkt bewerben möchten. Ich sehe das als ein großes Kompliment und die Bestätigung unserer Arbeit an. Aber wir wollen das nicht um jeden Preis machen. Denn als Stützpunkt müssen wir Kadermaßnahmen anbieten und externen Kaderschwimmern Platz bieten. Um da adäquate Qualität bieten zu können, müssen wir noch ein paar Rahmenbedingungen verbessern. Da geht es auch um Trainingsflächen, doch so einfach ist das nicht. Das Schwimmbad wächst nicht einfach so um zwei Bahnen. Deswegen muss man das realistisch betrachten und vielleicht davon absehen, wenn die Qualität noch nicht reicht.

Trotzdem hat die SG in den vergangenen Jahren einiges bewegt. Was waren in dieser Zeit die größten Herausforderungen?

Sofka Erstens galt es, sehr um Sponsoren zu kämpfen. Denn wenn man über Rahmenbedingungen und Strukturen spricht, spricht man automatisch auch über Geld. Wir haben glücklicherweise einige Sponsoren gefunden, die unserem Verein fest zur Seite stehen. Da sind wir aber auch noch lange nicht am Ende. Zweitens arbeiten wir daran, unsere Umfeldbetreuung zu verbessern. Ich möchte auch eine sportwissenschaftliche Betreuung sowie ein Medical-Team aufbauen, bei dem die Rädchen zum Beispiel nach einer Verletzung von der Diagnose bis zum Wiedereinstieg ins Training eng miteinander verzahnt sind. Da geht es beispielsweise auch darum, einen Physiotherapeuten mit zu einem Wettkampf zu nehmen, der die Sportler auch im Training betreut. Wir wollen eben so professionell aufgestellt sein wie möglich.

Die SG hat in der Spitze zuletzt einige Erfolge gefeiert und hatte vier Athleten bei den Deutschen Kurzbahnmeisterschaften im Einsatz. Wie sieht es in der Breite aus?

Sofka Insgesamt haben wir etwas über 100 Schwimmer, davon sind 16 Kaderathleten. Das ist sicher für uns der Bestwert der letzten Jahre. Damit können wir uns mit den derzeitigen Landesleistungszentren durchaus messen. Und Nina Holt hat es nun sogar in den Bundeskader geschafft. Ganz an der Basis haben wir allerdings momentan relativ wenig Nachwuchs. Das hat sicherlich verschiedene Gründe. Einer ist, dass die Zeit der geburtenreichen Jahrgänge vorbei ist, zudem gibt es so viele Freizeitmöglichkeiten für die Jugend. Wir müssen also um den Nachwuchs kämpfen. Insofern war es für uns Gold wert, Torsten Polensky wieder in unser Trainerteam zurückholen zu können, denn er hat sich in Mönchengladbach ein großes Netzwerk aufgebaut. Und seine Aufgabe ist es bei uns vor allem, an der Basis die Weichen zu stellen.

Wie wichtig sind Ihnen in diesem Zusammenhang Kooperationen mit den anderen Mönchengladbacher Vereinen, die noch Schwimmen anbieten?

Sofka Klar ist: Wenn einer in Mönchengladbach wirklich Schwimmen auf der Leistungsebene betreiben möchte, muss er früher oder später zu uns kommen. Deswegen finde ich es persönlich schade, dass die kleineren Vereine der Stadt nicht in der SG sind. Denn ich bin ein großer Befürworter davon, Synergien gut zu pflegen. Deswegen würde ich mich grundsätzlich freuen, wenn die Zusammenarbeit etwas enger wäre und man sich nicht als Konkurrenz sehen würde, sondern als logische Ergänzung. Wir sind eben in der Hierarchie schon ein bisschen weiter oben angesiedelt. Und für alle sollte es darum gehen, dem Sportler das ermöglichen zu können, was er erreichen möchte. Das gilt auch für mich, wenn einer meiner Athleten einmal zu einem Stützpunkt wechseln will.

Gibt es beim Thema Wasserzeiten noch Wachstumspotenzial?

Sofka Das ist schwer zu beantworten. Ich glaube, dass wir intern noch etwas verschieben und uns die Bahnen noch besser organisieren können. In den Ferien sind die Wasserzeiten aber knapp, ohne das 25-Meter-Becken in Rheindahlen würden wir ganz schön alt aussehen. Vielleicht geht auch in anderen Bädern noch etwas, nur brauche ich dafür ja auch Trainer. Und die wachsen bei uns nicht auf den Bäumen. Parallel am Nachmittag drei Trainer an drei verschiedenen Standorten im Einsatz zu haben, ist schwierig. Vielleicht können wir Schule und Sport noch besser verzahnen und grundsätzlich in der Planung noch flexibler werden – in welchem Zusammenspiel auch immer. Ich bin auch positiv gestimmt, dass da etwas möglich ist. Wir Schwimmer werden bei der Stadt schon wahrgenommen, da gehören wir schon zu den führenden Sportarten in Mönchengladbach.

Welche Ziele hat die SG für die zweite Saisonhälfte?

Sofka Zunächst geht es in einer Woche zum Deutschen Mannschaftswettbewerb DMS, in dem wir voriges Jahr in die Zweite Bundesliga aufgestiegen sind. Und da wollen wir jetzt auch drinbleiben und möglichst nichts mit dem Abstiegskampf zu tun haben. Und dann wollen wir zum Sommer hin ein Rekordteam zu den Deutschen Jahrgangsmeisterschaften schicken. Das wäre mir noch wichtiger als ein Spitzenergebnis eines einzelnen Athleten bei Meisterschaften. Ein Ziel ist es aber auch, möglichst nahe an die Qualifikation zur Junioren-Europameisterschaft zu kommen. Da wäre eine Teilnahme der SG durch Nina Holt oder Bianca Wettel sicherlich das i-Tüpfelchen.