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Revival der Olympia-Rallye: 50 Jahre später – Walter Prüser wieder dabei​

Revival der Veranstaltung von 1972 : 50 Jahre später – Prüser wieder bei Olympia-Rallye dabei

Die Olympia-Rallye 72 erlebt in diesem Jahr ihr Revival. Seit Montag geht es wie damals von Kiel nach München. Walter Prüser (72) war schon vor 50 Jahren am Start – konnte das Rennen allerdings nicht beenden. Sein Co-Pilot ist nun Hans Hintzen (73).

Raffinierte Sonderprüfungen, anspruchsvolle Hotels in den Etappenorten bis nach München – die Neuauflage der Olympia-Rallye steht dem Original von vor 50 Jahren in nichts nach. Entsprechend ließen sich auch dieses Mal 197 gemeldete Teams aus sechs Nationen zur Teilnahme locken, die bei 44 Marken 175 unterschiedliche Fahrzeugtypen an den Start bringen. Die Aussage eines Motorsportfans trifft es genau: „Ein rollendes Oldtimer-Museum.“

Dafür stehen auch zehn Starter, „die schon 1972 Lust auf das Olympiagefühl verspürten“, wie es Walter Prüser aus Mönchengladbach ausdrückt. Er gehört zu diesem kleinen Kreis, der auch ein halbes Jahrhundert später wieder dabei ist – und dem von den Kollegen Respekt und Hochachtung gezollt wird, denn eine Kaffeefahrt wird das Revival 2022 nicht.

Damals wie heute saß und sitzt der nun 72-jährige Prüser am Steuer eines BMW, sein Beifahrer 1972 war Udo Starck, der inzwischen 82 Lenze zählt, die den Verzicht auf das Cockpit nicht schwerfallen ließen. Vor 50 Jahren führte die Rallye zwar auch von Kiel nach München, aber über mehr als 3.300 Kilometer, wogegen es 2022 „nur“ 2.100 Kilometer sind.

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Die Nachtfahrten und die harten Sonderprüfungen machten 1972 ebenfalls den Unterschied aus: Der 72er BMW-HIT 1600 aus der 2002er Serie wurde damals in der Lüneburger Heide und im Harz auf Schotter geprüft, aber auch auf der Motorcrosspiste in Bielstein und auf den 22,8 Kilometern des Nürburgringes. Da zahlte es sich aus, dass Prüser wohl hunderte Rennrunden in der „Grünen Hölle“ auf dem Buckel hatte. Im Parc ferme auf dem Gelände des Opelwerkes in Rüsselsheim brach dann die Nacht des Service-Teams an, das einen Kotflügel reparierte und einen Vorderachskörper wieder richtete. Dass Walter Prüser stets alles im Auge hatte, versteht sich von selbst.

Aber auch seinem Meisterohr blieben „seltsame Geräusche“ nicht verborgen. So waren die berüchtigten Schotterprüfungen im Fichtelgebirge noch zu chauffieren, ehe dem Hammer-BMW bei der Austragung 1972 auf der berühmten Porzellanstraße bei Marktredwitz die Puste ausging.

Die Rheinische Post, die vor 50 Jahren auf Teilstücken im Servicewagen mitfuhr, titelte „Olympia-Aus 700 Kilometer vor dem Ziel“. Walter Prüser vor Ort: „Ich bin sehr enttäuscht, denn es war nur ein kleiner Schaden, aber mit großer Wirkung. Eine Ölablassschraube war durch Steinschlag gerissen.“

Prüser hat schon einiges erlebt, stest in einer Sitzschale eines BMWs. Da kommt schnell eine Liste mit unzähligen Rennen zustande: ein Jahr in der DTM, Rennen mit Prototypen, 24-Stunden-Rennen, Langstreckenpokalrennen – und, und, und. Für die vielen Pokale und Trophäen musste ein extra Raum geschaffen werden. Bleibt die Gretchenfrage – und wer poliert sie auf? „Ich natürlich“, sagt Walter Prüser, „ich bin ja auch schuld, dass sie hier stehen.“

Ob das auch bei Hans Hintzen, Prüsers neuem Teamkollegen, in Rheydt der Fall ist? Denn auch dort ist in den vergangenen 50 Jahren ordentlich was zusammengekommen in Gold, Silber oder Bronze. Der gelernte Fleischermeister hat sich allerdings mehr auf dem Rallyegelände ausgetobt, fuhr kleine und große Events, startete sogar bei WM-Läufen in Schweden und Finnland. Eigentlich verrückt, denn gerade das 1972er Olympiarennen von Walter Prüser und Udo Starck hat Hans Hintzen über die Zuschauerbarriere auf die Fahrerseite springen lassen.

Ab Montag gibt nun der 73-jährige Hintzen vom Startort der Olympiarallye in Kiel den Takt für Prüser vor, denn der Beifahrer sagt dem Fahrer die Tempi an, schließlich geht es nicht um Höchstgeschwindigkeit, sondern um Gleichmäßigkeit. Hintzens Werkzeuge sind dann Tripmaster und Wegstreckenzähler sowie Stoppuhren. In den fünf Tagesetappen sind 25 Prüfungen, die längste über 30 Kilometer, die kürzeste nur 50 Meter in sieben Sekunden, zu absolvieren.

Die Durchschnittsgeschwindigkeit liegt nie höher als 50 km/h. Ob am Ende der Olympia-Woche ein nennenswertes Resultat, vielleicht sogar ein Pokal herausspringt, „das nehmen wir gerne mit“, sagt Hans Hintzen, für den die Treffen mit langjährigen Motorsportfreunden ganz wichtig sind. Er kann sich aber auch in den olympischen Gedanken vertiefen: „Dabei sein ist alles“. Allerdings nicht umsonst, weil Startgeld und Hotelkosten locker 5.500 Euro ausmachen.

Übrigens, die Frage, wer die Pokale bei Hans Hintzen putzt, wird auch hier durch das Verursacherprinzip geregelt.