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Rettungssport: Nina Holt steigt bei den World Games in die Weltspitze auf

19-jährige Nina Holt dominiert bei den World Games : Ein kometenhafter Aufstieg in die Weltspitze der Rettungssportler

Mit 19 Jahren fährt Nina Holt zu ihren ersten World Games und schwimmt im amerikanischen Birmingham die Konkurrenz beim Rettungssport in Grund und Boden: Vier Gold- und eine Bronzemedaille sammelt die Erkelenzerin bei dem internationalen Sportevent, stellt mit der Staffel obendrein einen neuen Weltrekord auf. Überrascht hat sie damit vor allem eine Person – sich selbst.

Ein ungläubiger Blick nach oben, und gleich noch ein zweiter in Richtung Anzeigetafel. Erst dann hat Nina Holt Gewissheit und reißt die Siegerfaust in die Luft. Gleich in ihrem ersten Wettkampf bei den World Games – den Olympischen Spielen für nicht-olympische Sportarten – gewinnt die Rettungssportlerin in der Disziplin 200-Meter-Hindernis die Goldmedaille.

Dass die 19-jährige Erkelenzerin beim Anschlag zunächst selber nicht glauben kann, was da auf der Anzeigetafel aufleuchtet, verwundert bei einem Blick auf ihre zuvor erreichten Zeiten kaum: 2:05,51 Minuten benötigt Holt bei ihrem Goldlauf für die Strecke, auf der pro Bahn zwei 70 Zentimeter tiefe Hindernis untertaucht werden müssen. Damit unterbietet sie den von ihr aufgestellten deutschen Rekord um fünf Sekunden. „Zwischendurch hatte ich ein bisschen Angst, dass mich im Endspurt doch noch jemand überholt“, sagt Holt, die bei der letzten Wende eine Sekunde in Führung liegt und der chancenlosen Konkurrenz auf den 50 Metern bis zum finalen Anschlag eine weitere Sekunde abnimmt. „Für mich ist diese Medaille die größte Überraschung, damit hatte ich nicht gerechnet“, so Holt.

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Mit dem Wunsch, eine Medaille zu gewinnen, ist das Nachwuchstalent zu den World Games in die USA gereist. Und gleich in der ersten Disziplin, bei der sie aufgrund der Qualifikationszeiten im Vorfeld gar nicht zum Favoritenkreis zählte, geht dieser Wunsch für Nina Holt in Erfüllung. Es ist der optimale Auftakt in die Rettungssport-Wettkämpfe bei den World Games, die über beide Tage von den deutschen Athleten dominiert werden. Und fast immer steht Nina Holt, die mit insgesamt sechs Starts das größte Pensum im deutschen Team abspult, im Mittelpunkt.

Nach ihrer überraschenden Goldmedaille gewinnt die Erkelenzerin am ersten Tag noch die Bronzemedaille über 100-Meter-Retten mit Flosse, darf sich bei der Siegerehrung gemeinsam mit Mannschaftskollegin Undine Lauerwald über deren Goldmedaille freuen. Schon zu diesem Zeitpunkt ist die Stimmung bei den 14 deutschen Athleten hervorragend, weil auch die Männer für einige Medaillen sorgen.

Und die Erfolgssträhne von Team Deutschland setzt sich auch am zweiten Wettkampftag im Natatorium des Birmingham CrossPlex fort. Zum Auftakt gewinnt Nina Holt in der Disziplin 50-Meter-Retten ihre zweite Goldmedaille, stellt mit 33,77 Sekunden einen neuen Rekord bei den World Games auf. In der direkt folgenden Staffel (4x25-Meter-Retten) legt die 19-Jährige gemeinsam mit Undine Lauerwald, Vivian Zander und Kerstin Lange die nächste Goldmedaille nach.

  Neuer Weltrekord in der Gurtretterstaffel: Kerstin Lange, Vivian Zander, Nina Holt und Undine Lauerwald (v.l.) zeigen ihre Goldmedaillen.
Neuer Weltrekord in der Gurtretterstaffel: Kerstin Lange, Vivian Zander, Nina Holt und Undine Lauerwald (v.l.) zeigen ihre Goldmedaillen. Foto: obs/Denis Foemer

Die Krönung gelingt dem deutschen Team zum Abschluss der Wettkämpfe: Die 1:35,82 Minuten in der Gurtretterstaffel bedeuten nicht nur Gold bei den World Games, sondern sind gleichzeitig neuer Weltrekord – fast zwei Sekunden ist das Team um Nina Holt schneller als die bestehende Bestmarke. „Wir waren im vergangenen Jahr bei der WM schon nah am Weltrekord dran. Dass wir ihn jetzt unterbieten konnten, ist unglaublich“, sagt Holt.

Vier Gold- und eine Bronzemedaille stehen für die 19-Jährige bei ihren ersten World Games zu Buche. Damit gehört sie nach nur einer Teilnahme bereits zu den zehn erfolgreichsten Rettungssporlern bei den World Games aller Zeiten. Realisiert hat Nina Holt auch zwei Tage nach den Wettkämpfen diesen Erfolg noch nicht. „Es ist für mich noch schwer zu begreifen, was da genau passiert ist. Alles ging so schnell, es waren auf jeden Fall zwei unglaubliche Tage“, sagt Holt.

Für die Erkelenzerin geht es Ende September bei der Rettungssport-WM im italienischen Riccione weiter. Mit ihren fünf Medaillen bei den World Games und den zwei Weltrekorden, die sie hält (4x50-Gurtretterstaffel und 100-Meter kombinierte Rettungsübung), wird sie dort sicherlich wieder zum Favoritenkreis gehören. Nina Holt ist mit gerade einmal 19 Jahren in der absoluten Weltspitze des Rettungssports angekommen.