Polizei SV: Bogenschießen in der Halle erfordert viel Präzision

Bogenschießen in der Halle : Kein Wind, geringere Distanzen, mehr Präzision

Der Wechsel in die Halle stellt die Bogenschützen des Polizei SV vor andere Aufgaben. Das Wintertraining ist aber auch für die Freiluftsaison wichtig.

Wenn alles normal läuft, benötigt Bernd Beier drei Pfeile, um sich auf die neuen Gegebenheiten einzustellen. Dann hat der erfahrene Bogenschütze den Übergang von der Freiluft- auf die Hallensaison bewältigt. „Für mich geht es vielmehr darum, meinen Compound-Bogen für das Training und die Wettkämpfe in der Halle auszurichten, denn beispielsweise sind die Pfeile in der Halle viel dicker. Das Training an sich ändert sich für mich dann nicht groß“, sagt der 54-Jährige, der beim Polizei SV seit 16 Jahren Bogensport betreibt – und nun wie alle Mitglieder der Abteilung für die Wintermonate wieder in die Halle gewechselt ist.

Beiers ziemlich problemlose Umstellung kann aber nicht darüber hinwegtäuschen, dass das Bogenschießen in der Sporthalle sich deutlich von jenem an der frischen Luft unterscheidet. „Der gravierendste Unterschied liegt in der Distanz. Während der Freiluftsaison zielen wir auf bis zu 90 Meter entfernte Ziele, in der Halle sind es bei Wettkämpfen maximal 25 und in der Regel nur 18 Meter“, sagt Gudrun Kremer, Abteilungsleiterin beim PSV. Was in der Halle zudem wegfällt, sind ungünstige Wetterverhältnisse wie etwa starker Wind oder Regen. „Aber auch in der Halle kann es Herausforderungen geben, wenn Sonnenlicht hereinfällt oder die Beleuchtung generell ungünstg ist“, sagt Kremer.

Der erfahrene Compound-Schütze Bernd Beier begutachtet sein Trefferbild während des Trainings. Foto: Thomas Grulke

In zwei Mönchengladbacher Hallen und an vier Terminen in der Woche kann sie in den Wintermonaten Trainingszeiten anbieten. Dienstagsabends trainieren die Erwachsenen und die Kinder und Jugendlichen gemeinsam, so dass die Schützen zumeist dicht nebeneinander stehen und auf die unterschiedlichen Auflagen zielen. „Mich stört das aber nicht in der Konzentration. Wenn ich mich an die Startlinie stelle, bin ich im Tunnel und voll auf meinen Bewegungsablauf fokussiert“, sagt Ömer Haris Özger. Der 18-Jährige betreibt den Sport seit zweieinhalb Jahren und schießt mit dem beim PSV wesentlich häufiger genutzten Recurve-Bogen. Für Özger besitzen die Wettbewerbe in den Wintermonaten denselben Stellenwert: „Ich mache da keinen Unterschied.“ Allgemein hat die Freiluftsaison aber eine weitaus größere Bedeutung.

„Die Hallensaison dient mir als Übergangszeit. Das Training ist dennoch enorm wichtig, sonst würde ich zu viel Kondition für die längeren und wesentlich anstrengenderen Wettbewerbe im Sommer verlieren“, sagt Beier. Im Winter gehe es auf Wettkämpfen dagegen um reine Präzisionsarbeit. „Bei der geringen Distanz von 18 Metern muss ich optimalerweise das Zentrum in der Größe eines Zwei-Cents-Stücks treffen. Da habe ich draußen mehr Spielraum bei Wettbewerben mit 144 Pfeilen“, sagt Beier.

Ömer Haris Özger hat seinen Recurve-Bogen gespannt, um den nächsten Pfeil abzuschießen. Foto: Thomas Grulke

Grundsätzlich unterscheide sich das Training in der Halle aber eigentlich nicht von jenem auf der Außensportanlage. „Allerdings bieten sich die Monate in der Halle an, um das Techniktraining etwas in den Vordergrund zu stellen. Wir machen dazu auch mal Aufnahmen vom Bewegungsablauf. Denn kleinere Korrekturen müssen auch routinierte Schützen immer wieder vornehmen“, erklärt Gudrun Kremer.

Dass Nuancen mitunter entscheidend sind, kann auch Beier bestätigen. „Ich habe schon Hallen-Wettkämpfe erlebt, bei denen aufgrund ungünstiger Lichtverhältnisse die ersten beiden Versuche misslangen. Da war der Sieg schon unerreichbar.“ Das Bogenschießen in der Halle hat eben seine eigenen Herausforderungen.

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