Paula Schneiders vom LAZ Mönchengladbach holt den EM-Titel in Boras

Leichtathletik : Paula Schneiders ist Europameisterin über 3000 Meter Hindernis

Die 18-Jährige vom LAZ Mönchengladbach steigert ihre persönliche Bestzeit auf 10:08,66 Minuten und läuft kontrolliert zur Goldmedaille. Die Bürde als eine der Favoritinnen meistert die vorab zweitschnellste Europäerin mit Bravour. Nun stehen ein paar Tage Entspannung in Schweden an, bevor es ins Berliner Olympiastadion zu den Deutschen Meisterschaften geht.

Die Sensation ist ihr gelungen: Paula Schneiders vom LAZ Mönchengladbach/Turnerschaft Neuwerk hat bei den Europameisterschaften der Jugend U20 im schwedischen Boras den Titel über 3000 Meter Hindernis geholt. Sie war auf den Punkt topfit. Die 18-Jährige holte souverän in persönlicher Bestzeit von 10:08,66 Minuten die Goldmedaille. „Als ich bei 600 Metern vorbeiging, habe ich mir gedacht, hoffentlich mache ich jetzt das Richtige. Man weiß ja nie, was passiert. Dann habe ich alles gegeben. Ich habe vorher an eine Medaille gedacht, mit Gold habe ich nicht gerechnet. Dadurch, dass ich jetzt Abitur gemacht habe, hatte ich viel Zeit zum Training“, sagte Schneiders glücklich.

Hochkonzentriert und -motiviert stand sie an der Startlinie. Die Favoritenbürde – sie zählte als bisher zweitschnellste Europäerin zum engeren Kreis der Medaillen-Kandidaten – schien nicht schwer auf ihr zu lasten: „Ich wusste, dass im Feld der 18 Läuferinnen die beiden Französinnen, eine Britin und eine Polin nicht zu unterschätzen waren“, sagte Schneiders. Hinzu kam noch Europas Schnellste, Josina Papenfuß, aus dem eigenen Team. Mit ihr sollte die Vitusstädterin das Rennen nach den taktischen Vorgaben von Bundestrainer Georg Lehrer und der beiden Vereinstrainer von der Spitze gestalten.

Doch vom Start weg drückte Papenfuß mächtig aufs Tempo. Dabei lief sie die erste Runde in 72 Sekunden. Das war viel zu schnell, anvisiert waren 81 bis 82 Sekunden. Schneiders ließ sich von dem hohen Tempo nicht mitreißen und lief in der Spitzengruppe kontrolliert an Position zwei und drei. Während Papenfuß sich um fast 15 Meter absetzte, lief die LAZ-lerin dahinter konstant das angepeilte Renntempo.

Mit Beginn der letzten 1000 Meter setzte sich die Gladbacherin langsam von den anderen ab. Durch die leichte Tempoverschärfung zog sich das Feld leicht auseinander. Sie verkürzte den Abstand zur führenden Teamkollegin. Gut 700 Meter vor dem Ziel schloss sie zu ihr auf. Sie merkte, dass sie noch genügend Kraft hatte und zog an, Papenfuß hatte große Mühe, ihr zu folgen. Auf der Schlussrunde erhöhte Schneiders noch einmal ein wenig das Tempo und setzte sich Schritt für Schritt von ihrer Verfolgerin ab. Am letzten Wassergraben lag ihr Vorsprung bei gut 30 Metern. Eingangs der Zielgeraden sah sie mit einem Blick auf die Video-Leinwand den sicheren Vorsprung. Somit ging sie das letzte Hindernis konzentriert, aber nicht mit vollem Risiko an, und lief sicher zum erträumten Gold. Hinter ihr rundete Papenfuß knapp hinter der Französin Claire Palou mit Bronze den deutschen Triumph ab. Schneiders freute sich über die Zeit von 10:08,66. Damit verbesserte sie ihre Bestzeit aus Wetzlar gleich um fünfeinhalb Sekunden.

Nachdem sie zahlreiche Interviews gegeben hatte, fiel sie ihren Eltern und ihrem Trainer Johannes Gathen überglücklich in die Arme. Gathen kommentierte: „An diesem Tag war sie im Rennen vielleicht die Stärkste, aber mit Sicherheit auch die Coolste, die ihr Rennen optimal gestaltete und somit der Konkurrenz keine Chance ließ. Sie spürte nach dem Rennen keine allzu große Ermüdung und hatte immer noch lockere Beine.“ Bei der Siegerehrung hörte Schneiders zum ersten Mal für ihre Leistung die deutsche Nationalhymne. Sie war dann eine ganze Weile damit beschäftigt, den vielen Gratulanten auf WhatsApp und Instagram zu antworten. Zeit zum Feiern mit ihren Eltern hatte sie am Abend nicht. Beim Deutschen Verband stand das Feiern seiner Medaillengewinner an.

Schneiders bleibt mit ihren Eltern noch eine Woche zum Entspannen in Schweden. Dann fahren sie Richtung Potsdam. Die frisch gebackene U20-Europameisterin bereitet sich auf ihren Saisonabschluss vor. Im Berliner Olympiastadion stellt sie sich den starken deutschen Hindernisläuferinnen im Rahmen der Deutschen Meisterschaft.

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