Landesligist sucht „Flucht nach vorne“ So will Mennrath den MSV Duisburg vor Probleme stellen

Niederrheinpokal · In der Mennrather Kull empfängt die Victoria am Donnerstagabend den MSV Duisburg zum Knaller im Nieder­rheinpokal. Schon 2018 verkaufte sich das Team von Coach Simon Netten beim 0:1 im Pokal gegen Rot-Weiss Essen teuer. Die Partie soll Motivation und Mahnung zugleich sein.

 Noah Kubawitz und Victoria Mennrath freuen sich auf das Duell gegen MSV Duisburg.

Noah Kubawitz und Victoria Mennrath freuen sich auf das Duell gegen MSV Duisburg.

Foto: Tom Ostermann

Als Willi Landgraf die Kugel mit dem MSV Duisburg aus dem Lostopf zog, waren die Bilder von 2018 bei den Mennrathern sofort wieder im Kopf. Schon vor vier Jahren durfte sich die Victoria in der ersten Runde des Niederrheinpokals über einen attraktiven Gegner freuen: 700 Zuschauer kamen im August 2018 dicht gedrängt auf der kleinen Mennrather Platzanlage „De Kull“ zusammen, um die knappe 0:1-Pleite des damaligen Bezirksligisten gegen Rot-Weiss Essen zu verfolgen. Dank einer großen Kraftanstrengung des gesamten Dorfvereins schafften es die Mennrather, dass dieser Pokalknaller auf dem heimischen Kunstrasen stattfinden konnte. Die Mannschaft bedankte sich in hitziger Atmosphäre mit einer kämpferisch einwandfreien Leistung. Der große Favorit aus Essen kam erst in der 54. Spielminute zum Siegtreffer.

Schon 2018 traf Mennrath in „der Kull“ auf einen attraktiven Gegner im Niederrheinpokal: Damals war Rot-Weiss Essen zu Gast.

Schon 2018 traf Mennrath in „der Kull“ auf einen attraktiven Gegner im Niederrheinpokal: Damals war Rot-Weiss Essen zu Gast.

Foto: Dieter Wiechmann

Ein einzigartiges Erlebnis, das aber nicht einmalig bleiben wird – so viel steht fest. Denn die Partie gegen den MSV – momentan Tabellenfünfter in der 3. Liga – wird der nächste große Kracher für die Mennrather (Anstoß: Donnerstag, 19.30 Uhr). Die Erinnerungen an das knappe Duell gegen RWE – bei dem sieben Akteure des heutigen Kaders und Coach Simon Netten dabei waren – sollen Motivation sein, dass die Mannschaft auch gegen klassenhöhere Teams bestehen kann. Gleichzeitig sei die Erinnerung an 2018 aber auch eine Mahnung, wie Netten erzählt. „Das RWE-Spiel fand – ähnlich wie jetzt auch – kurz vor dem Saisonstart statt. Zum Auftakt in der Bezirksliga sind wir dann direkt mit einer 0:5-Pleite gestartet und haben auch die nächsten beiden Spiele verloren. Da sind wir nach der guten Leistung gegen Essen ein wenig über den Wolken geschwebt.“

Simon Netten, Coach von Victoria Mennrath

Simon Netten, Coach von Victoria Mennrath

Foto: FuPa

Diesen Fehler wollen sie in Mennrath nicht erneut machen: Auch deshalb betont Netten, dass der Fokus in der Vorbereitung zuletzt auf der Landesliga-Partie am Sonntag gegen den VfB 03 Hilden II lag. „Unser Auftakt in die Landesliga steht definitiv im Mittelpunkt. Die Pokalpartie gegen den MSV ist ein Bonusspiel.“ Ein Bonusspiel, das Mennrath aber selbstverständlich mit dem nötigen Ehrgeiz angehen wird. „Duisburg ist der klare Favorit, aber wir wollen einen heißen Fight abliefern. Ein Drittligist muss auf unserem engen Kunstrasenplatz und bei der Kulisse erst einmal bestehen.“ Das habe die Partie gegen Rot-Weiss Essen gezeigt.

Dennoch – und auch das ist eine Lehre, die Netten aus der Pokalpartie 2018 gezogen hat – wird der Coach seine Mannschaft anders einstellen, als er es damals gegen RWE getan hat. „Vor vier Jahren haben wir sehr defensiv agiert und hatten selbst kaum Chancen oder Offensivaktionen. Gegen Duisburg wollen wir unser Spiel machen, um den Zuschauern auch etwas bieten zu können. So gesehen, treten wir die Flucht nach vorne an.“

Dass die Offensive das Prunkstück der Mennrather ist, die in der Aufstiegssaison in 24 Bezirksligaspielen beachtliche 94 Tore erzielten, wissen auch die Verantwortlichen beim MSV Duisburg. „Mennrath schießt viele Tore, das fällt auf. Sie werden auf ihre Offensive setzen. Das wollen wir aber unterbinden und das Spiel schnellstmöglich in unsere Richtung drehen“, sagt MSV-Trainer Torsten Ziegner im Gespräch mit unserer Redaktion.

MSV-Trainer Torsten Ziegner (l.) trifft mit seinem Team im Niederrheinpokal auf Victoria Mennrath.

MSV-Trainer Torsten Ziegner (l.) trifft mit seinem Team im Niederrheinpokal auf Victoria Mennrath.

Foto: IMAGO/Revierfoto

Der 44-Jährige hat die Zebras zuletzt wieder auf Kurs gebracht. Zunächst verhinderte er in der abgelaufenen Spielzeit, als er das Team kurz vor dem Saisonende übernahm, mit vier Punkten aus zwei Spielen den Absturz in die Viertklassigkeit und steht nun nach fünf Spieltagen auf dem fünften Tabellenplatz in Liga drei. Auch im Niederrheinpokal sollte es aus Sicht von Ziegner wieder besser laufen als in den vergangenen zwei Jahren, in denen der MSV die Qualifikation für den DFB-Pokal jeweils verpasste. „Der Niederrheinpokal ist wichtig. Es ist der kürzeste Weg in den DFB-Pokal. Und Duisburg hat zuletzt in dieser Hinsicht Federn gelassen. Unser Ziel ist es, den Niederrheinpokal zu gewinnen“, so der Duisburger Coach.

Wie ernst der Drittligist schon die erste Aufgabe in Mennrath nimmt, zeigt die Tatsache, dass der MSV zuletzt einen Scout zum Landesliga-Aufsteiger schickte. „Die Gegnervorbereitung ist natürlich schwieriger als in der Meisterschaft. Dort gibt es Videomaterial. In Mennrath mussten wir vor Ort scouten.“ Eine Erkenntnis daraus: In der „Kull“ wird auf Kunstrasen gespielt. Ziegner lässt seine Mannschaft daher am Mittwoch und Donnerstag auf eben diesem Belag trainieren, um sich an den Untergrund zu gewöhnen. „Der Ball springt und rollt anders. Kunstrasen hat seine eigenen Tücken“, sagt Ziegner.

Und dann wäre da ja auch noch die Atmosphäre in der Mennrather Kull, für die alle 700 Tickets vergriffen sind. Dabei scheint auch das Interesse aus Duisburg groß zu sein. Der MSV wird mit 250 Fans anreisen. Nach den Ankündigungen beider Trainer dürfen sich die Zuschauer auf ein ansehnliches Spiel freuen.

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