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Niederrheinpokal: So erlebte Neuwerk das Pokalspiel gegen Rot-Weiss Essen

Vor Ort bei Neuwerks Spiel gegen Rot-Weiss Essen : Eine unvergessliche Niederlage

Die Sportfreunde Neuwerk verlieren ihr Pokalspiel gegen Rot-Weiss Essen – und erleben trotzdem die Partie ihrer Vereinsgeschichte. Ein Abend mit dem 1. Vorsitzenden, lauten Fans und Hells Bells von ACDC, der sich auch finanziell lohnte.

Stefan Effenberg konnte leider nicht kommen. Er habe andere Termine. Aber eine Grußbotschaft hinterließ er, mit dem Versprechen, „von Herzen“ die Daumen zu drücken. Und nicht nur er. Ein Dutzend solcher Videos füllten in den vergangenen Tagen die Facebook-Seite der Sportfreunde Neuwerk, von weiteren Ex-Borussia-Spielern wie Jörg Neun oder Steffen Korell, Torsten Knippertz, lokalen Sponsoren und Ballermann-Sängern mit Namen Monchi und Matty Valentino, die ihre Videos gleich vor dem Bierkönig auf Mallorca aufnahmen. Dazu ein täglicher Countdown und ein längeres, beatlastiges Motivationsvideo à la David gegen Goliath. Man kann Neuwerk nun wirklich nicht vorwerfen, im Vorfeld nicht alles aus diesem Pokalspiel rausgeholt zu haben.

Geholfen haben alle im Verein, koordiniert hat vieles Roger Neumann, 42, im Verein der 1. Vorsitzende. Seit einer Woche dreht sich bei ihm alles um dieses Spiel. „Wenn Sie meine Frau fragen, wird sie ihn sagen, dass es gut ist, wenn es vorbei ist“, sagt er irgendwann im Laufe des Abends. Seine Gefühlswelt nun eine Stunde vor dem Anpfiff? „Langsam geht es. Mir war wichtig, dass die Stände laufen“, sagt er. Sein Mund redet, sein Blick fliegt aber schon wieder über die Anlage. Läuft alles? An seiner Hand klebt an diesem Abend ein Funkgerät, es steht unter Dauerempfang. Normalerweise besuchen 150 Zuschauer die Spiele in der Bezirksliga. An diesem Tag sind es rund 1200 Leute, in mehreren Reihen um den Platz aufgestellt, dazu mehrere Essensbuden und Getränkestände. Ein Trubel, den diese Anlage so bislang nie gesehen hat.

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Aus Essen sind jedoch nur rund 100 Fans gekommen. „Ich sehe es von zwei Seiten. Mehr Fans aus Essen hätten auch mehr Stimmung bedeutet. Aber es gibt eben auch diese sogenannten Problemfans“, sagt Neumann. Diese sind dem Spiel aber ferngeblieben. Die aktive Fanszene würde selten zu den Partien der ersten Pokalrunden aufbrechen, sagt Essens Pressesprecher. So bleibt der mit Sperrgittern abgetrennte Gästebereich in der einen Ecke der Anlage übersichtlich gefüllt.

Um 18.40 Uhr marschiert ein Neuwerker Fanzug auf die Anlage. Fahnen, Trommel, rund 40 Leute haben sich zusammengefunden. Neumann marschiert weiterhin die Anlage rauf- und runter, schüttelt Hände, regelt Probleme, Ketchup, Senf, wie der Grill angeht, häufig mit blau-weißen Fanschals oder Caps unter dem Arm, um die Stände mit Nachschub zu versorgen. Zehn Euro der Schal, 15 Euro die Cap. Für geplante Sondershirts war die Zeit zu knapp.

Der Gegner, Rot-Weiss Essen, Bundesligist aus den 1970er-Jahren, 1994 noch im DFB-Pokalfinale, spielt zwar inzwischen nur noch in der viertklassigen Regionalliga. Dort liegt die Mannschaft aber an der Tabellenspitze. Und der Name zieht immer noch. Das hat auch Neumann erkannt. 20 lokale Sponsoren hat er für diesen Abend zusätzlich gewinnen können. Einige davon haben den Verein auch gelegentlich zuvor schon mal unterstützt, die Hälfte ist aber erstmals an Bord. Und Neumann hofft, einige auch über das Spiel hinaus halten zu können. Die meisten hatte der Verein aktiv angesprochen, zwei Sponsoren seien aber auch durch die eifrigen Facebook-Aktivitäten aufmerksam geworden. „Wir werden auf jeden Fall einen Gewinn aus diesem Spiel erzielen“, sagt Neumann.

Zum Anpfiff um 19.30 Uhr hat die Dämmerung eingesetzt. Vom Band läuft Hells Bells von ACDC. Es ist nicht das Millerntor auf St. Pauli, es ist die Bezirkssportanlage in Neuwerk. Ein Moment für die Ewigkeit ist es trotzdem. Handys werden rundherum gezückt. „Das ist Gänsehaut pur. Die Anlage voll, die Gesänge, die Trommeln. Einfach schön für alle“, sagt Neumann.

Eine halbe Stunde hält Neuwerk die Partie torlos, dann fällt das 0:1, das 0:2 und vor der Halbzeit auch das 0:3 für Essen. „Schade, dass es dann so schnell ging. Ein 0:0 zur Halbzeit wäre klasse gewesen“, sagt Neumann, erneut unterwegs. Nach der Halbzeit fällt ein viertes und ein fünftes Tor für die Gäste. Die aktive Neuwerker-Fangruppe, die vom Fanmarsch, bleibt trotzdem dran. Per Megafon, mit Gesängen, auch per Banner an der Spielfeldbande: „In Neuwerk, Rot-Weiss, nur mit Pommes.“

Für viele ist das Spiel aber irgendwo auch Anlass, einfach zusammenzukommen, eine gute Zeit zu haben, wie ein Dorffest, mit Programm nebenbei. Man muss einfach dabeigewesen sein. Da fallen auch zwei weitere Gegentreffer der Essener nicht weiter ins Gewicht. Und so bleiben viele bei Musik und Bier auch nach Schlusspfiff noch. Denn Neuwerk hat sich gegen den um drei Spielklassen höher spielenden Favoriten teuer verkauft. Trotz eines 0:7 als Endergebnis.

„Es war trocken, friedlich, nur gewonnen haben wir nicht. Aber zwei von drei Sachen haben sich erfüllt. Ich bin zufrieden“, sagt Roger Neumann nach Spielende. Ob er viel vom Spiel gesehen hat? „Nur ein bisschen. Aber das ist an so einem Abend halt so. Es war trotzdem für alle ein tolles Erlebnis.“