Motorsportlerin steigt in die Euro-Nascar-Serie ein

Motorsport : Lohr beendet ihren Rennsport-Ruhestand

Die gebürtige Rheydterin startet in der Euro-Nascar-Serie und ist damit erst die zweite Frau überhaupt, die das in der Division Elite 1 in Vollzeit tut. Sie hat für ihre Debütsaison direkt hohe Ziele formuliert: „Unser Ziel kann nur sein, auf das Podium zu fahren“, sagt sie. Mitte April geht es mit der Saison los.

Ellen Lohr ist nahezu in der ganzen Welt unterwegs – doch obwohl ihre Wahlheimat Monaco ist, ist die gebürtige Rheydterin ihrer Heimat weiter verbunden. „Ich bin ein Rheydter Mädschen“, sagt die 53-Jährige lachend.

Lohr ist weiterhin die einzige Frau, die bei der Deutschen Tourenwagen-Meisterschaft (DTM) ein Rennen gewonnen hat – am 24. Mai 1992 in Hockenheim. Vor zwei Jahren war sie nach 31 Jahren im Profi-Motorsport ursprünglich in den sportlichen Ruhestand gegangen, doch kurz vor dem Jahreswechsel beendete sie diesen: Beim Filterspezialisten Dexwet unterschrieb Lohr einen Vertrag für die „Nascar Whelen Euro Series“, den europäischen Ableger der berühmten Rennserie aus den USA. Die Rheydterin ist damit nach Nathalie Maillet erst die zweite Frau, die in der Euro-Nascar in der Elite-1-Division in Vollzeit einsteigt.

Die Rennserie gibt es seit 2009, seit 2012 steht sie unter dem Banner des Motorsportverbandes Nascar. Gefahren werden Stockcars, die von einem V8-Motor mit rund 400 PS angetrieben werden. Eine zusätzliche Besonderheit ist das Vier-Gang-Getriebe mit einer manuellen H-Schaltung. Lohr soll ihre Debütsaison in einem Chevrolet Camaro mit der Startnummer 99 absolvieren, die ersten Tests in diesem Gefährt sind für Februar angesetzt. „Diese Art von Motorsport macht mich einfach an“, sagt Lohr und erklärt damit das Ende ihres sportlichen Ruhestands. „Hier muss man noch richtig hart im Auto arbeiten, und das gefällt mir richtig gut.“

Die Rheydterin hatte sich im vergangenen Jahr ein Euro-Nascar-Rennen im belgischen Zolder angeschaut. „Als ich gesehen habe, wie 30 Autos mit dicken V8-Motoren beim fliegenden Start an mir vorbeidonnerten, war mir eigentlich klar, dass ich das machen möchte“, erinnert sich Lohr. „Das Rennsport-Gen und die Leidenschaft sterben ja nie. Und das ist die Chance, Old-School-Rennsport auf hohem Niveau zu betreiben“, ergänzt sie. Ihre weiterhin lodernde Begeisterung für den Sport war dann wohl auch Norbert Walchhofer nicht entgangen, denn der Motorsportchef von Dexwet-df1-Racing kam nach ihrem Erlebnis in Zolder auf sie zu und fragte an, ob sie nicht für sein Team fahren wolle. Es folgten die Unterschrift und die Rückkehr aus dem Ruhestand. „Ich freue mich ganz besonders, dass Ellen bei uns unterschrieben hat. Wir kennen uns schon seit vielen Jahren, deshalb ist es noch einmal etwas Besonderes, sie bei uns im Team begrüßen zu dürfen“, sagt Walchhofer.

Lohr wiederum, die nicht nur bei der DTM unterwegs war, sondern auch im Rallye-Sport und Truck-Racing, hat sich für ihre Debütsaison in der Euro-Nascar viel vorgenommen: „Unser Ziel kann nur sein, auf das Podium zu fahren“, sagt sie und ergänzt: „Ich werde mit Sicherheit nicht von Anfang an an der Spitze mithalten können – das wäre ein Wunder. Aber der Ehrgeiz, vorne hinzukommen, ist natürlich da. Sonst würde ich das auch nicht machen, und deshalb wurde auch ein mehrjähriger Vertrag geschlossen.“ Die erfahrene Rennfahrerin weiß aber natürlich auch: „Was wir erreichen, hängt von mehreren Faktoren ab. Das Team wird aber alles geben, das zeigt es jetzt schon. In der Winterpause waren die Autos auf dem Prüfstand, wurden komplett zerlegt und jetzt neu aufgebaut. Das Team hat mich überzeugt und mir gezeigt, dass es mich wirklich will“, sagt Lohr. Ihr Debüt wird es dann voraussichtlich am Rennwochenende 13./14. April im spanischen Valencia geben.