Vom Rennfahrer zum Ingenieur Diese neue Rolle spielt Etienne Ploenes jetzt im Motorsport

Motorsport · Motorsportler Etienne Ploenes aus Süchteln mischt aktuell nicht als Fahrer ganzer Rennserien mit. Der zeitliche und finanzielle Aufwand ist einfach sehr hoch. Hinter den Kulissen fungiert er als Techniker. Warum das aber gerade genau das Richtige für ihn ist.

DTM-Fahrer Etienne Ploenes (r.) kennt sich sowohl in der fahrerischen als auch in der technischen Komponente des Rennfahrer-Business aus.   Foto: FDX

DTM-Fahrer Etienne Ploenes (r.) kennt sich sowohl in der fahrerischen als auch in der technischen Komponente des Rennfahrer-Business aus. Foto: FDX

Foto: FDX/Ivan Tarantsov

Frankfurt, Portimão, Amsterdam, Shanghai – in Orten dieser Güteklasse verbringt Motorsportler Etienne Ploenes zurzeit auch mal sein Wochenende. Dass Reisen im Motorsport Gang und Gäbe sind, ist klar – dass es gerade bei Ploenes so extrem zugeht, hängt mit dem neuen Beruf des 24-Jährigen zusammen. Neben seiner Leidenschaft als Fahrer ist der ehemalige Student des Wirtschaftsingenieurwesens nun auch als Ingenieur für das Team 75 Motorsport vom ehemaligen Top-GT-Fahrer Timo Bernhard im Einsatz. So ging es vom Flughafen in Frankfurt für Testfahrten nach Portugal, um dann mit der Zwischenstation Amsterdam in Shanghai als Ingenieur an der Rennstrecke zu stehen.

Ploenes Leidenschaft für den Motorsport ist nicht neu: Seine Kindheit und Jugend verbrachte der Süchtelner schon im Kart, bis er zu Beginn seines Studiums eine Pause einlegte. „Ich habe schnell gemerkt, dass es mir extrem fehlt“, sagt Ploenes, der zuerst mit seinem eigenen Auto auf der Nordschleife fuhr bevor er vom Mönchengladbach Rennteam RN Vision STS eingeladen wurde, ein Rennen in Portugal zu fahren. Das Rennen gewann Ploenes auf Anhieb, fuhr in der folgenden Saison in einer GT4-Rennserie mit und verpasste eine umfangsreiche Förderung im GT3-Auto – der nächsthöheren Klasse - nur knapp. 2023 folgte der Schritt in die Benelux-Version des Porsche Carrera Cups.

Nachdem Ploenes in den vergangenen Jahren viel Energie in seine Fahrerlaufbahn gesteckt hat, schwingt das Pendel in diesem Jahr eher in Richtung der Ingenieurstätigkeit aus. „Es ist mein erstes Jahr im Job – deswegen hat das erstmal Priorität“, betont der 24-Jährige, der sich im Studium auf Fahrzeugtechnik spezialisierte. Eine fertigen Saisonplan hat der Süchtelner zum aktuellen Zeitpunkt noch nicht. „Mit meinen beruflichen Verpflichtungen bin ich nicht mehr so flexibel und habe mich deswegen dagegen entschieden, eine vollständige Rennserie zu fahren. Wenn man nur an einem Wochenende nicht kann, hat man schon einen großen Nachteil in der Meisterschaft“, erklärt Ploenes. Ein frühes Ende seiner Fahrerlaufbahn bedeutet das aber natürlich nicht. „Ich versuche so viel wie möglich im Auto zu sein, um top vorbereitet zu sein und jederzeit Rennen fahren zu können.“

In Frage kämen etwa einzelne Starts im bekannten Carrera Cup, dem Sports Cup Deutschland, der Nürburgring Langstrecken Serie oder dem GT Cup. „Grundsätzlich würde ich wieder im gleichen Team wie letztes Jahr an den Start gehen. Aber da kommt es auch immer auf das Budget an“, sagt Ploenes. Im Motorsport ist das finanzielle Thema enorm wichtig, auch deshalb ist der 24-Jährige weiterhin auf der Suche nach Sponsoren neben dem Porsche Zentrum Willich, das die Partnerschaft auch in diesem Jahr weiterführt. „Ohne Sponsoren geht das Ganze leider nicht“, betont der Rennfahrer, der bisher noch keinen Vollzug in seinen Planungen vermelden kann.

Unabhängig von den Planungen auf der Fahrerseite wird Ploenes in den kommenden Monaten einige Tage an und auf Rennstrecken verbringen. In seiner Rolle als Ingenieur im Team 75 Motorsport ist der Süchtelner für die Technik der Autos verantwortlich, hilft den Fahrern aber auch mit fahrtaktischen Ratschlägen. „Zu schauen: Ist das Arbeitsmittel optimal, an welchen Stellschrauben können wir beim Auto noch drehen – das macht mir einfach extrem Spaß. Dazu die Möglichkeit viele neue Orte zu sehen. Aktuell kann ich mir nichts besseres vorstellen, ich bin glücklicher denn je“, sagt Ploenes.

Ganz auf das Fahren wird der junge Motorsportler auch in Zukunft nicht verzichten. „Ich möchte weiterhin fahren. Durch das Fahren bin ich zum Motorsport gekommen, das eine geht für mich aktuell nicht ohne das andere – für mich ist das eine perfekte Symbiose“, sagt Ploenes.

Auch wenn sein Rennkalender noch nicht steht, beruflich geht es für den Ingenieur wieder auf die Reise: Die nächsten Stationen heißen Japan, Thailand, Malaysia und Singapur.

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