Mönchengladbach: Yvonne Cremer im Interview

Interview mit Yvonne Cremer : „Der Fußballkreis ist solide aufgestellt“

Die Vorsitzende spricht über die Situation des Amateur-Fußball in Mönchengladbach.

Wie haben Sie die Sommerpause überstanden? Nach der sicher stressigen Phase der Amtsübernahme war das doch sicher mal gut, um ein wenig abszuschalten, oder?

Cremer Ich bin froh, dass der Spielbetrieb jetzt wieder startet. Für die meisten Funktionäre, insbesondere im Verein, gibt es keine Sommerpause, im Gegenteil: Die Vorbereitung der neuen Saison ist arbeitsintensiv mit Kaderplanung und An- und Abmeldungen der Spieler, Mannschaftsmeldungen, Organisation von Test- und Freundschaftsspielen und auf Kreisseite Spielplanerstellung, Schiedsrichteransetzungen und Durchführung von Arbeitstagungen, nicht selten mit Vermittlung und Umsetzung neuer Durchführungsbestimmungen. Ich denke, alle sind froh, wenn der Ball im normalen Spielbetrieb wieder rollt.

Mit dem Kreispokal und den höheren Spielklassen startet die Saison dann ja am Wochenende. Wie sehen Sie den Kreis insgesamt aufgestellt?

Cremer Der Kreis ist wie in den Vorjahren solide aufgestellt. In Zahlen haben wir im Vergleich zum Ende der vorigen Saison sieben Mannschaften mehr. Wir hoffen mit der Umstellung der Kreisliga C und den neuen Regularien auf weniger Rückzüge. Es freut mich, dass wir im Ü32-Kreispokal in diesem Jahr erstmalig mit einem 16er-Feld starten können. Der Kreispokal wird wieder seinen Höhepunkt mit dem Endspieltag am Ostermontag, 13. April, finden, die Veranstaltung in diesem Format in Neersbroich hat sich sehr gut etabliert.

Der 1. FC war ja trotz einiger Probleme recht lange nah dran am Aufstieg in die Oberliga. Wie wichtig wäre es, da vertreten zu sein?

Cremer Für den Kreis wäre ein Oberligist wünschenswert, sicherlich bringt diese Klasse aber auch einen entsprechend höheren Aufwand mit sich. Ich bin sehr gespannt, wie sich die Saison in der Landesliga entwickelt und ob es Aufstiegsambitionen aus dem Kreis gibt.

Mit dem Umstand, dass es dre SpVgg Odenkirchen in der Landesliga noch erwischt, hatten sicherlich auch Sie nicht gerechnet, oder? Was ist nun Giesenkirchen aus Ihrer Sicht in der Landesliga zuzutrauen?

Cremer Der Abstieg von Odenkirchen war ganz bitter für den Kreis, aber besonders für den Verein, der sich dadurch einer Zäsur gegenübersah und die Mannschaft komplett neu zusammenstellen musste. Wir drücken die Daumen für einen guten Start in die Bezirksliga. Giesenkirchen hat in den vergangenen Spielzeiten eine gute Rolle in der Bezirksliga gespielt und mit dem neuen Kunstrasenplatz hervorragende Bedingungen geschaffen für eine Etablierung in der Landesliga.

Die Bezirksliga wird mit acht Vertretern aus dem Kreis und vielen Derbys sicher auch spannend werden. Wer ist in der Liga für Sie der Favorit?

Cremer Ich freue mich besonders auf die Derbys. Eine Einschätzung vor der Saison ist immer Lotterie. Ich kann nur meine Hoffnungen teilen: Nach dem Orientierungsjahr aufgrund des Abstieges hoffe ich, dass der 1.FC Viersen wieder oben mitspielen kann. Der Sieg in der ersten Runde des Niederrheinpokals in Unterzahl und nach Rückstand ist ein guter Saisonstart. Ich wünsche mir, dass Mennrath die Leistungen aus der Vorsaison wiederholt. TDFV Viersen und Kleinenbroich ebenfalls, die beiden Teams haben nach dem Aufstieg sehr gute Platzierungen ganz oben im mittleren Drittel erreicht. Ich bin gespannt, wie Neuwerk und Odenkirchen sich in der neuen Liga orientieren. Die Platzierungen des SV Lürrip entwickeln sich in den vergangenen drei Jahren stetig positiv. Aus der Historie ist der RSV und ich hoffe, die ein oder andere Mannschaft, auch noch für eine Überraschung gut.

In der Kreisliga C wird wie zuvor schon in Düsseldorf und Moers jetzt im Winter neu gemischt und die besten Teams in einer Aufstiegsrunde gebündelt. Wie ist die Resonanz darauf bisher?

Cremer Im Vorfeld wurde durchaus kontrovers darüber diskutiert. Wir haben aus dem Kreis aber durchweg positive Resonanz erhalten. Die Situation ist für uns alle neu und die Praxis wird zeigen, ob das neue Spielkonzept für unseren Kreis aufgeht. Den Ansatz, so die Liga interessanter zu gestalten, halte ich für richtig. Wir werden nach der ersten Saison ein Resümee ziehen.

Seit vielen Jahren wird spekuliert, dass es in Zukunft mehr Fusionen geben könnte, um das Überleben der Vereine zu sichern. Ist so etwas im hiesigen Kreis zu erwarten, und wie stehen Sie dazu?

Cremer Es wird seit Jahren über Fusionen gesprochen, in der Praxis kommt es immer häufiger dazu. Die Umsetzung ist oft noch schwierig, da die Vereinsstrukturen, Plätze, Historien und Werte unter einen Hut gebracht werden müssen. Kompromisse sind schwierig, wenn gewachsene Strukturen zusammengelegt werden, zumal dies oftmals nicht proaktiv, sondern aus einer Not heraus erfolgt. Fusionen sind aktuell vorm Vereinssterben das letzte Mittel. Im Kreis möchten wir mittel- und langfristig versuchen, Synergien zwischen den Vereinen besser zu nutzen. Das hilft jedem, man kann ein besseres Verständnis füreinander erzeugen und jeder Verein bleibt dabei autark.

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