1. NRW
  2. Städte
  3. Mönchengladbach
  4. Regionalsport

Mönchengladbach: Wie eine Fußballschule in der Region nach Talenten sucht

Fußballschule Grenzland : Wie eine Fußballschule in der Region nach Talenten sucht

Die Fußballschule Grenzland bringt Profi-Trainer zu den Amateurklubs – als kurzweiliges Ferienangebot, aber auch, um Talente zu entdecken. Wie das funktioniert – und wie es danach weitergeht.

Wenn Ferien sind, dann hat Robert Pinior besonders viel zu tun. In der vergangenen Woche sah seine Reiseroute an einem Tag beispielsweise Abstecher nach Düsseldorf, Mülheim, Voerde, Wesel, Krefeld und Willich vor. Denn überall dort fanden Fußballcamps statt, überall dort schaute Pinior als Geschäftsführer vorbei. Insgesamt 40 solcher Camps organisierte seine Fußballschule Grenzland in den Herbstferien – auch in Viersen, Erkelenz und in Mönchengladbach. Eines davon fand auf der Sportanlage in Lürrip statt. Auch dort war Pinior anwesend.

In drei Trainingsgruppen sind die Kinder an jenem Tag in Lürrip verteilt: eine für Sechs- bis Siebenjährige, eine für Acht- bis Neunjährige sowie eine Gruppe für die Zehn- bis Zwölfjährigen. Schussübungen stehen an. Bei den Acht- bis Neunjährigen hebt ein Junge im schwarzen Gladbach-Trikot den Ball aus zwölf Metern sehenswert in den Winkel. Ein anderer Junge zeigt schon Probleme bei der Ballmitnahme. Sein Schuss kommt flach und mit Picke geschossen aufs Tor zu.

  • Stürmer Iker Bravo steuerte zum 3:1-Erfolg
    Fußball, A-Jugend-Bundesliga : U19 weist Fortuna-Talente in die Schranken
  • Grundschüler mussten am Montag einen Lollitest
    Corona im Kreis Mettmann : Nur wenige Schüler nach Ferien positiv getestet
  • Babelsbergs Torjäger Daniel Frahn.
    DFB-Pokal : RB Leipzig verzichtet zu Gunsten von Babelsberg auf Pokal-Einnahmen

„Das Leistungsgefälle ist schon sichtbar. Das ist auch die Herausforderung für die Trainer, die einen Kinder nicht zu überfordern, andere aber auch nicht zu unterfordern“, sagt Pinior. Für ihn gibt es drei Arten von Kindern, die an den Camps teilnehmen: Die, die Fußball spielen wollen und können, die, die wollen, aber nicht können, und die, die beides davon nicht möchten, aber von ihren Eltern angemeldet werden. Aber auch diese Kinder bekomme man integriert. „Es gibt auch Eltern, die bleiben die ganze Zeit in den Camps, stehen am Spielfeldrand und fragen regelmäßig die Trainer zu ihren Kindern aus“, sagt Pinior. Das sei aber die Ausnahme. Rund drei Viertel der Kinder nehme laut ihm mehrfach teil. Denn in seinen Camps gehe es nicht primär um Leistung, betont er, es sei in erster Linie ein Ferienangebot. Und offen für alle zwischen sieben und 13 Jahre, egal ob Junge oder Mädchen, egal ob im Verein oder nicht. „Trotzdem spielen 95 Prozent der Kinder in einem Verein“, fügt Pinior an.

 Jedes Feriencamp ist anders: Mit speziellen Übungsformen werden die Kinder über mehrere Tage von Profi-Trainern betreut.  Foto: Theo Titz
Jedes Feriencamp ist anders: Mit speziellen Übungsformen werden die Kinder über mehrere Tage von Profi-Trainern betreut. Foto: Theo Titz Foto: Theo Titz

2012 begann er das Projekt zunächst mit einem Freund als Nebenjob zum Studium. Inzwischen finden an 90 Standorte jährlich Camps seiner Schule statt, neuerdings auch in Berlin, Brandenburg und Bremen. Sein Geschäftsmodell: Den Profi- und Amateurbereich miteinander verbinden. „Wir haben versucht, eine Nische zu finden. Wir bringen die besten Jugendtrainer der Profi- mit den Kindern der Amateurvereine zusammen.“ Denn oft gebe es bei Fußballschulen nur das eine: Entweder glanzvolle Trainingstage auf dem Gelände eines Profivereins oder Camps mit den immer gleichen Trainern in den kleineren Klubs.

119 Euro kosten die vier Tage pro Kind in Lürrip. Dafür gibt es Training durch Ex-Profis und Trainern aus den Nachwuchsleistungszentren (NLZ) der Profiklubs. Und es gibt die Möglichkeit, bei aller Betonung auf den Spaß, den die Kinder haben sollen, fußballerisch auf sich aufmerksam zu machen – intern für die Fußballschule, aber auch extern durch die teilnehmenden Jugendtrainer der Profiklubs.

„Während des Trainings dürfen die Jugendtrainer die Spieler allerdings nicht ansprechen“, sagt Pinior, „das ist verboten.“ Was jedoch im Anschluss an die Camps passiert, darauf habe er keinen Einfluss. Es sei ein Geben und Nehmen: Für die Profivereine ist es attraktiv, ihre Trainer für die Talentschau abzustellen, das Camp profitiert wiederum von deren Reputation. Pinior ist es jedoch wichtig zu betonen: „Wir betreiben keine Akquise für Vereine. Wir haben keine Verbindungen zu Klubs und scouten auch nicht für diese.“

Er fährt mit seiner Fußballschule sein eigenes Modell. Nach jedem Camp erstellen die Trainer für ihn eine Liste mit Kindern, die sich hervorgetan haben. Deren Eltern bekommen dann die Möglichkeit, ihre Kinder für ein weiterführendes Talente-Training anzumelden. Worauf dabei geachtet wird? „Ist das Kind schnell und wendig mit dem Ball, ist es bei den Übungen aufnahmefähiger als andere. Es geht um physische und koordinative Elemente“, sagt Pinior. An neun Standorten bietet er inzwischen kostenpflichtige Talente-Trainings in NRW an, einmal wöchentlich in der ferienfreien Zeit. 250 Kinder nehmen daran teil. Im Vorjahr hätten es elf dadurch in ein NLZ geschafft, 2019 sogar 14, sagt er.

Seine Schule fördert Kinder aber nur bis 13 Jahre. Denn ab diesem Alter würden die besten Spieler zumeist schon bei professionellen Amateurvereinen spielen, in denen viermal wöchentlich Training anstehe. „Ein zusätzliches Training wäre dann eine zu hohe Belastung“, sagt Pinior. Entsprechend fällt dann die Zielgruppe für seine Schulen weg.

Beim Feriencamp in Lürrip haben sich sechs Kinder für das Talente-Training empfohlen. Für den Rest war es ein ereignisreiches Ferienangebot. Und darum geht es Pinior. „Ich werde kein Kind in vier Tagen zu einem Messi machen. Das ist nicht unser Anspruch und das kann kein Anbieter. Keiner wird durch das Camp automatisch ein besserer Fußballer, aber man kann neue Impulse mitnehmen“, sagt er. In den Winterferien stehen die nächsten Feriencamps an, dann in Halle – unter anderem in Mönchengladbach und Schwalmtal.