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Mönchengladbach: Stephan Houben spricht über den Wechsel aus der Regionalliga in die Kreisliga

Interview Stephan Houben : „Das Schiff war überhaupt nicht auf Kurs“

Der neue Trainer und Sportliche Leiter von Blau-Weiß Wickrathhahn, Stephan Houben, spricht über seinen Wechsel in die Kreisliga A und seine Ansätze beim neuen Klub.

Es ist der Sensationstransfer dieses Winters: Stephan Houben ist neuer Trainer des A-Ligisten Blau-Weiß Wickrathhahn. Houben, der früher Trainer des SV Lürrip und des 1. FC Mönchengladbach war, kehrt somit sportlich in seine Heimatstadt Mönchengladbach zurück. Er übernimmt mit sofortiger Wirkung als Interimstrainer und Sportlicher Leiter die Geschicke beim Aufstiegsanwärter. Im Interview mit Horst Höckendorf erklärt Houben seine Beweggründe für den überraschenden Wechsel vom Regionalligisten SV Straelen in die Gladbacher Kreisliga.

Herr Houben, willkommen zurück in ihrer Heimatstadt. Wie kam es zu diesem, man muss es fast sagen, spektakulären Wechsel? Sie sind vom SV Straelen losgeeist worden.

Houben Das ist nicht so ganz richtig. Vor etwa zwei Monaten trat der Verein an mich heran und fragte, ob ich mir vorstellen könne, ab Sommer als Sportlicher Leiter die Zukunft des Vereins mit zu beeinflussen. Mein Vertrag als Sportlicher Leiter in Straelen wäre sowieso zum Ende der Saison ausgelaufen und ich werde ihn auch erfüllen. Eine Verlängerung dort hatte ich bereits frühzeitig abgelehnt.

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Sie bekleiden somit drei Posten gleichzeitig in zwei verschiedenen Vereinen? Ist das neben Ihrer beruflichen Tätigkeit und dem Privatleben unter einen Hut zu bekommen?

Houben Als Sportlicher Leiter in Straelen bin ich nur in die Kaderplanung der kommenden Saison involviert. Ansonsten hat jeder dort sein festes Aufgabengebiet. Und Wickrathhahn ist nur gefühlte drei Minuten von meiner Arbeitsstätte entfernt. Frische Luft tut bekanntlich gut. Und für zweieinhalb Monate kann ich mir die Belastung auch antun.

Was wollen Sie ändern? Sie sind ja mehr oder weniger ins kalte Wasser geworfen worden mit dem Traineramt.

Houben Über die Hintergründe der Trennung mit Holger Rütten kann ich nichts sagen. Zunächst konnte ich mir nicht vorstellen, hier ein Amt zu übernehmen. Die Außendarstellung des Vereins ist nicht konform mit den Motiven, das ist wie schwarz zu weiß. Gewisse Dinge haben ihre Eigendynamik bekommen, die die Vereinsverantwortlichen so nicht gewollt haben. Das war Grund genug zu sagen, das würde mich reizen. Zusammengefasst fährt das Schiff nicht in die falsche Richtung, es war überhaupt nicht auf Kurs. Unter der Zielsetzung, fortan auch wieder auf eigene Jugendliche zu bauen in allen Seniorenteams habe ich für drei Jahre zugesagt, weil wir nun dringend Ruhe und Kontinuität brauchen.

Viele Spieler haben den Verein in der Winterpause verlassen. Bei einem Kader von 14 Spielern wird der Rest der Saison unheimlich schwer. Wie wollen Sie dem entgegenwirken? Und lassen Sie im neuen Klub alte Kontakte wieder aufleben?

Houben Das Bild der ersten Bestandsaufnahme, das ich vorgefunden habe, war desaströs. Trainiert wurde überhaupt nicht mehr und Testspiele fanden nicht statt. Somit hat die Wintervorbereitung mit meinem Antritt als Trainer begonnen. Wir haben jetzt angefangen viele A-Junioren in das Training einzubauen, um das eigentliche Ziel zu verfolgen. Was war, können wir nicht mehr ändern. Aber wir können die Zukunft heute schon beeinflussen. Mit Fabian Vitz, den ich seit gemeinsamen FC-Zeiten kenne, steht mir ein hervorragender Juniorentrainer zur Seite. Spieler aus Straelen zu holen, kommt durch die Nähe zum Profitum in der Regionalliga nicht in Betracht. Alles weitere wird man sehen.

Ist damit auch das Thema Aufstieg vom Tisch?

Houben Die einzigen, die letzte Woche vom Aufstieg gesprochen haben, waren Fabian Vitz und ich. Mein sportlicher Ehrgeiz sagt: Wer punktgleich mit dem Tabellenführer die Liga anführt, kann nicht das sportliche Ziel verleugnen. Daran ist auch die Außendarstellung schuld, denn wer die Interna nicht kennt, sieht, da will jemand mit viel Geld den Durchmarsch in welche Liga auch immer erkaufen. Das ist nicht das, was hier gelebt werden soll und auch faktisch falsch. Wir denken jetzt von Spiel zu Spiel. Amateurfußball in dieser Liga ist Hobby und Hobby soll Spaß machen. Alle Teams sollen in Zukunft wieder Spaß an ihrem Hobby haben.