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Mönchengladbach: René Donné bliebt Chef des Schiedsrichterkreises

Interview mit Schiri-Chef des Kreises René Donné : „Kameradschaft spielt eine wichtige Rolle“

Der Kreis-Schiedsrichter-Obmann erklärt im Interview, was es attraktiv macht, zur Pfeife zu greifen.

Beim Kreistag der Schiedsrichter des Fußballkreises Mönchengladbach/Viersen wurde René Donné für drei weitere Jahre als Vorsitzender im Amt bestätigt. 2016 wurde der Mann von der DJK/VfL Giesenkirchen Nachfolger von Rolf Göttel, nachdem dieser das Amt zur Verfügung gestellt hatte. Karsten Kellermann und Sascha Köppen sprachen mit Donné über den Zustand des Schiedsrichterwesens in hiesigen Fußballkreis, über den Anreiz für den Nachwuchs, zur Pfeife zu greifen, und  seinen Masterplan für die nächsten drei Jahre.

Herr Donné, wie wichtig ist personelle Konstanz im Schiedsrichterkreis?

Donné Ich denke, die ist schon sehr wichtig, weil man die Zukunft planen und auf Vergangenes zurückblicken kann. Das hilft oft, Dinge besser zu machen.

Zum Beispiel?

Donné Das gibt es derzeit nichts Bestimmtes, aber in der Entscheidungsfindung gibt es da immer mal wieder etwas. Wir haben etwa seinerzeit den Förderkader gegründet und gesagt, dass Nachwuchsleute nur in die Bezirksliga aufsteigen können, wenn sie daran auch teilnehmen. Das werden wir wohl wieder revidieren. Denn warum soll man es einem talentierten Schiedsrichter verbauen, diesen Schritt zu machen, nur weil er vielleicht zu bestimmten Uhrzeiten nicht kann.

Wie schwierig ist es, als Schiedsrichter eine Entscheidung zurückzunehmen?

Donné Im Ausschuss haben wir ja keinen Videobeweis (lacht), auf den Plätzen in der Kreisliga ja auch nicht. Aber wenn man auf dem Platz bemerkt, dass man falsch gelegen hat, muss man die Größe haben, dazu auch zu stehen.

Gibt es irgendeinen Plan aus den vergangenen drei Jahren, der besonders gut gelungen ist?

Donné Wir haben uns eingangs das Ziel gesetzt, die Zahl der aktiven Schiedsrichter in jedem Jahr um zehn Prozent zu steigern. Ausgangspunkt waren 144 Aktive, 70 neue Schiris haben wir dazu bekommen, das hätte also locker gereicht. Aber es gibt natürlich immer auch Abgänge, so haben wir zumindest geschafft, insgesamt mehr als zehn Prozent auf 161 zuzulegen.

Gerade von den jungen Neu-Schiedsrichtern springen im Alter von 14 bis 20 Jahren viele schnell wieder ab. Ist es heute schwieriger geworden, den Nachwuchs zu halten, als das vor 20 Jahren noch der Fall war?

Donné Ja, weil die sozialen Medien dazu führen, dass jeder von außen meint, sich freien Lauf lassen zu können. Wie will ich einen 16-Jährigen vom Weitermachen überzeugen, der im Internet auf das Übelste beschimpft wird? Ich kann da auch nur an die Vereine appellieren, auch die Berichterstatter darauf etwas zu sensibilisieren.

Ist es mittlerweile auch ein Teil der Ausbildung, darauf vorzubereiten?

Donné Wir haben jetzt vier Tutoren beim Verband gemeldet, die junge Schiedsrichter begleiten sollen. Das soll nicht nur für ein paar Spiele laufen, wie derzeit schon das Paten-System, sondern über einen längeren Zeitraum. Aus den Neulingslehrgängen haben sich aber auch sehr oft Freundschaften gebildet. Wir legen als Ausschuss viel Wert darauf.

Wie wichtig ist die Ankerfunktion der Leuchtturm-Schiedsrichter aus dem Kreis wie Mark Borsch oder Markus Wollenweber?

Donné Das ist schon wichtig. Beide sind zwar viel unterwegs, versuchen aber immer, bei den Schulungen hier vor Ort zu sein. Wichtig dabei ist, dass beide trotz ihrer Erfolge dennoch ganz normal sind, Späßchen bei den Veranstaltungen machen. Das sind hier nicht ,die da oben’.

Wenn man sich Spesensätze der Schiris ansieht, stellt man fest, dass die in den unteren Amateurligen nicht einmal den Mindestlohn erreichen. Wäre es ein Anreiz, wenn sich daran etwas tun würde, leichter neue Schiedsrichter zu gewinnen?

Donné Geld ist natürlich nicht das einzige Mittel, aber sicher wird es den einen oder anderen interessieren, wenn es mehr zu „verdienen“ gibt. Über eine Erhöhung der Sätze wird gerade diskutiert, aber bei aktuell 17 Euro für ein Kreisligaspiel plus 30 Cent pro gefahrenem Kilometer, da bleibt nicht viel, wenn man bedenkt, dass man eigentlich eine Stunde vor Spielbeginn da sein sollte.

Warum werden die Leute denn dann Schiedsrichter?

Donné Der Grund, Schiedsrichter zu werden, ist bei vielen erstmal der, dass sie als aktive Fußballer nicht so erfolgreich sind. Viele erkennen dann bei uns, dass die Gemeinschaft hier echt in Ordnung ist, da haben sich schon viele Freundschaften gebildet.

Wie haben es die Schiedsrichter im Kreis Mönchengladbach/Viersen geschafft, ein Plus an Schiedsrichtern zu haben, während es in anderen Kreisen Rückgänge gibt?

Donné Die Kameradschaft spielt da eine wichtige Rolle für mich. Der Begriff hört sich heute etwas altbacken an, vielleicht spricht man da heute eher von einer Community. Aber damit bin ich als junger Schiedsrichter groß geworden, man kann dann an die höheren Spielklassen immer mal heranschnuppern. Vielleicht liegt es daran, dass wir besonders gut geschafft haben, die Jungs zu nehmen, wie sie sind, aber dennoch eine gewisse Grundordnung vermitteln. Man muss als Schiedsrichter ja Vorbild sein.

Den Schiedsrichtern im Kreis Mönchengladbach/Viersen geht es aktuell sehr gut. Aber es gehen kaum noch Leute zum Amateurfußball. Bei den drei Landesligaspielen am Wochenende waren addiert rund 120 Zuschauer vor Ort.

Donné Natürlich macht es allen Beteiligten mehr Spaß, wenn viele Zuschauer am Platz sind. Aber in den Kreisligen, die ja unser Kerngebiet sind, waren natürlich nie sonderlich viele Leute bei den Spielen. Man muss dafür schon ein wenig positiv verrückt sein, als Fußball-Fan und als Schiedsrichter.

Am Sonntag gab es einen massiven Sturm, der auf den Plätzen für Abbrüche oder aber zumindest irreguläre Verhältnisse sorgte. Sollte man in einer solchen Lage lieber generell absagen oder ist es in Ordnung, die Entscheidung dem Schiedsrichter zu überlassen?

Donné Hier hätte ich mir schon eine Absage über den Verband oder den Kreis vorstellen können. Es hat ja Spiele gegeben, die keine zehn Minuten gedauert haben, das macht ja wenig Sinn. Für einen Schiedsrichter ist das oft schwer zu entscheiden.

2010 gab es eine große Krise der Schiedsrichtervereinigung. Jetzt ist der Kreis in ruhigem Fahrwasser. Wie wichtig war damals die Person Rolf Göttel? In dieser schwierigen Phase, als es zwei Lager bei den Schiedsrichtern gab, hat er ja noch einmal die Position als Obmann übernommen.

Donné Das war schon sehr wichtig. Da haben wir ihm als Vereinigung für diese beiden Amtszeiten doch sehr viel zu verdanken. Das hat uns viele Wege geebnet.

Können Sie Ihren Masterplan für das Schiedsrichterwesen für die nächsten drei Jahre beschreiben?

Donné Bei der nächsten Klausurtagung im Sommer werden wir uns wieder konkrete Ziele vornehmen, und ich hoffe, dass diese kontinuierliche Arbeit zwischen Ausschuss, Schiedsrichtern und Vereinen weiter Fortbestand hat. Das ist die Basis für alles andere.