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Mönchengladbach: Die Schwimmer der SG Mönchengladbach stehen beim Neustart vor einigen Hürden.

Interview Dieter Sofka : „Die Schwimm-Zeiten sind noch bescheiden“

Für die Schwimmer der SG Mönchengladbach beinhaltet der Neustart nach dem Corona-Lockdown einige Hürden. Cheftrainer Dieter Sofka spricht im Interview über die Schwierigkeiten, zusätzliche Ticketkosten und was er Positives aus der Zeit mitnimmt.

Seit drei Jahren ist der Tiroler Dieter Sofka Cheftrainer der SG Mönchengladbach. Seitdem hat sich einiges bei den Schwimmern entwickelt. Corona brachte diesen Aufschwung jedoch vorerst zum Stopp. Über zwei Monate war kein Training im Wasser möglich. Im Interview spricht Sofka über die Schwierigkeiten beim Neustart, er kann der Zeit aber auch etwas Gutes abgewinnen.

Herr Sofka, seit wann ist das Training wieder möglich?

Dieter Sofka Das erste Training war am 2. Juni. Anfangs durften wir zweimal in der Woche ins Wasser. Das haben wir uns erkämpfen müssen.

Inwiefern?

Sofka Schwimmbäder werden in Deutschland – auch in der Corona-Verordnung – nicht unter Sport-, sondern unter Freizeiteinrichtungen geführt. Somit wird zwischen Leistungs- und Freizeitschwimmern nicht unterschieden. Das ist ein Dilemma. Im Moment mischen wir uns in unserer eigentlichen Trainingsstätte, dem Vitusbad, einmal pro Woche unter das normale Badepublikum und zahlen 3 Euro Eintritt. Immerhin darf ich dank des Personals mittlerweile wieder am Beckenrand stehen.

Sie müssen aktuell Eintritt zahlen?

Sofka Ja. Vorher haben wir nur eine Bahnmiete gezahlt. Die Tickets gehen auch zulasten der Familien. Wir haben natürlich auch Beiträge. Warum wir jetzt unser Trainingsbad nicht als Solches, sondern nur als zahlender Badegast nutzen dürfen, wurde uns nicht klar kommuniziert. Es hat vermutlich einen wirtschaftlichen Hintergrund, da nicht so viele Leute ins Schwimmbad dürfen.

Wie oft gehen Sie in „normalen“ Zeiten trainieren?

Sofka In der Regel trainieren wir neunmal in der Woche. Inzwischen sind wir teilweise bei annähernd 55 Prozent der Wassereinheiten, überwiegend in Rheindahlen.

Wie lange fiel die Pause aus?

Sofka Zehn bis elf Wochen ungefähr. Normalerweise hat ein Schwimmer nie mehr als drei Wochen Trainingspause am Stück.

Welche Folgen befürchten Sie?

Sofka Die langfristigen Folgen kann ich noch nicht abschätzen. Einigen merkt man die Pause weniger an, andere sind nun schlechter als vorher unterwegs. Die Schwimm-Zeiten sind noch bescheiden. Jetzt geht es primär um das Gefühl, wieder reinzukommen.

Was ist nun anders beim Training?

Sofka Der größte Unterschied: Nach jeder Einheit in Rheindahlen müssen wir Trainer die ganze Halle putzen – jeweils rund 45 Minuten. Das geht dann bis zu sechsmal am Tag. Sobald die Leute aber schwimmen, ist es fast wie sonst. Eine Maske muss ich zum Glück nicht in der Halle tragen. Nur vom Eingangsbereich bis zu den Umkleiden.

Wie war der Kontakt während des Lockdowns zu den Sportlern?

Sofka Ich habe Trainingspläne verschickt und die Leute haben teilweise zehn oder mehr Stunden pro Woche alternativ trainiert. Die haben das wirklich durchgezogen. Das Ganze hatte auch etwas Gutes: Die Leute wissen nun, in welche Richtung sie wollen. Einige haben aufgehört, andere dagegen gemerkt, dass Schwimmen genau ihr Ding ist. Die Motivation ist zumindest groß. Am vergangenen Samstag hatten wir zwar kein offizielles Training, dennoch wurde ich von meinen Schwimmern gefragt, ob wir ins Wasser gehen. Das fand ich toll.

Die Deutsche Jahrgangsmeisterschaft (DJM) fiel im Mai aus. Im Vorjahr schnitt die SG mit Finalteilnahmen und Medaillen sehr erfolgreich ab. Wie schmerzhaft ist die Absage aus sportlicher Sicht?

Sofka Ab Anfang der Saison hat man diesen Wettkampf im Auge. Natürlich ist die Absage schmerzhaft. Man muss dann schauen, wie man die Leute bei Laune hält – jeder Sportler möchte Wettkämpfe bestreiten. Die DJM ist nun auf Mitte Dezember verschoben. Wir werden dabei sein. Ich kann aktuell aber nicht abschätzen, wie wir dort abschneiden werden.

Wie sieht es derzeit generell mit Wettkämpfen aus?

Sofka Aktuell sind noch alle potenziellen Veranstalter verunsichert. Kein Verein möchte etwas falsch machen. Für etwas Wettkampfgefühl werden wir im Spätsommer Open-Water-Wettkämpfe bestreiten. Es ist nicht das gleiche wie im Becken, aber besser als nichts.

Welche Möglichkeiten sehen Sie in Zukunft für den Mönchengladbacher Schwimmsport?

Sofka Wir haben zwei sehr starke DMS Mannschaften, mit den Mädels in der 2. Bundeliga und Jungs in der Oberliga. Wir befinden uns aber noch in einem Entwicklungsprozess. Ich habe nach wie vor das Gefühl, mit unserem motivierten Trainerteam und der Vereinsführung hier etwas bewegen zu können. Auch in der Nachwuchsarbeit wollen wir neue Wege gehen. Ob wir uns in der 2. Bundesliga etablieren oder mehr Medaillen holen, das hängt natürlich von vielen Faktoren ab. Die Weichen dafür sind aber gestellt.