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Mertens vom ASV Süchteln: „Ich wusste, dass es keinen Sinn macht, weiterzuspielen“

Kevin Mertens vom ASV Süchteln : „Ich wusste, dass es keinen Sinn macht, weiterzuspielen“

Der 28-jährige Kevin Mertens musste seine aktive Fußball-Karriere wegen eines Knorpelschadens im Knie beenden. Für den Mann vom ASV Süchteln ist das aber kein Grund den Kopf in den Sand zu stecken, wie er im Interview erzählt.

Die Landesliga-Fußballer des ASV Süchteln werden seit dieser Spielzeit von Kevin Mertens (28) als Physiotherapeut betreut. Der gelernte Mittelfeldspieler spielte zu seiner aktiven Zeit insgesamt über zehn Jahre für den 1. FC Mönchengladbach. Der SC Viktoria 04 Rheydt und zuletzt Landesligist DJK/VfL Giesenkirchen gehören zu seinen weiteren Stationen. Seine Fußballschuhe musste er verletzungsbedingt in den Schrank räumen. Dem Fußball ist er allerdings weiter treu geblieben. Im großen RP-Interview spricht er unter anderem darüber, wie sein Berufswunsch entfacht wurde und wie man selber auch Verletzungen vorbeugen kann.

Herr Mertens, warum haben Sie die Fußballschuhe in Ihrem noch jungen Alter an den Nagel gehangen?

Kevin Mertens Ich habe mich vor zweieinhalb Jahren, nach dem Aufstieg als Spieler mit Giesenkirchen, am Knie verletzt. Ich hatte im folgenden Sommerurlaub Knieschmerzen, die ich so noch nie hatte. Es hat sich relativ schnell herausgestellt, dass ich einen Knorpelschaden habe. Das hat sich dann innerhalb eines Jahres so verschlimmert, das ich operiert werden musste. Da ich als Physio vom Fach bin, wusste ich natürlich, dass es keinen Sinn macht mit einem Knorpelschaden im Amateurfußball weiterzuspielen. Ich hätte mir mein Knie nur noch mehr kaputt gemacht. Fußball ist meine Leidenschaft Nummer eins, aber ich wusste mit dem Hintergrundwissen als Physio, dass ich aufhören muss.

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Wie wurde ihre Begeisterung für den Beruf des Physiotherapeuten entfacht?

Mertens Das ist durch den Fußball entstanden. Ich habe die meiste Zeit meiner aktiven Laufbahn über zehn Jahre beim 1. FC gespielt. Dort wurden wir auch physiotherapeutisch betreut. Die Arbeit der Therapeuten hat mich total begeistert. Ich war von der Arbeitsweise so angetan, dass ich mir vorstellen konnte diesen Beruf selber auszuüben. Ich bin bis heute mit Leidenschaft dabei. Der Job macht mir Spaß.

Ist es von Vorteil, für die Aufgabe als Physio, dass Sie früher selber aktiv gespielt haben?

Mertens Ich würde sagen ja, da ich den Körper gut kenne und weiß auf welche Zeichen man hören sollte. Gerade wenn der Muskel zumacht und ein Gelenk Schmerzen bereitet, kann ich natürlich gewisse Dinge anders angehen. Gerade als Physio eines Fußballvereins habe ich zum Trainer eine andere Sprache, weil ich genau weiß, wie ein Fußballer denkt. Manchmal ist es für mich aber schwierig mehr den Physio raushängen zu lassen, und zu sagen, dass eine Woche Pause mehr doch besser ist.

Wie sieht die physiotherapeutische Betreuung der Spieler in Süchteln aus?

Mertens Ich bin dienstags und freitags jeweils eine Stunde vor dem Training da. Die Spieler lassen mir im Vorfeld eine Nachricht zukommen, welche Beschwerden sie haben. Dann kann ich mich dementsprechend vorbereiten. Bei den Spielen am Wochenende bin ich auch dabei. Zudem haben die Spieler die Möglichkeit mit Rezepten zu mir in die Praxis zu kommen. Ansonsten bekommen die Spieler auch Übungen von mir an die Hand, die sie dann im Fitnessraum des ASV ausführen können.

Hat man durch die zweimalige Saisonunterbrechung nun als Mannschafts-Physio mehr zu tun als sonst üblich?

Mertens Ja, weil durch die lange Pause der Körper gewisse Bewegungsmuster nicht mehr so effizient umsetzen kann. Die Spieler sind jetzt natürlich auch vorsichtiger und lassen mich auch bei leichten Beschwerden schon einmal eher draufgucken. Trotzdem nimmt das keine Überhand.

Hat sich die Vorbereitung im Winter im Gegensatz zum Sommer geändert, wo dann die Pause doch recht lang war?

Mertens Nein, viel hat sich da nicht geändert. Die Spieler gehen laufen und machen auch für sich etwas. Die Vorbereitung an sich ist die Gleiche, bis auf die kalten Temperaturen. Ich kann hier nur empfehlen, dass die Spieler sich warm anziehen sollen und Funktionsunterwäsche tragen sollen, um muskuläre Verletzungen vorzubeugen. Ein kalter Muskel neigt nämlich zu höherem Verletzungsrisiko.

Gab es aufgrund der Pandemie spezielle Corona-Fortbildungen, weil sich möglicherweise die Art der Verletzungen im Fußball zuletzt geändert hat?

Mertens Tatsächlich nicht. Da greife ich auf viele Dinge aus der Grundausbildung und Fortbildungen zurück. Natürlich haben wir interne Fortbildungen. Ansonsten kann ich das, was für die Praxis wichtig ist, auch beim Sport anwenden.

Kann man bestimmten Verletzungen ein Stück weit aus dem Weg gehen?

Mertens Ja, absolut! Gerade was den Fußball angeht ist eine gute Muskulatur enorm wichtig. Ich gebe den Jungs Übungen mit an die Hand, damit diese gezielt ihren gesamten Bewegungsapparat trainieren. Dazu zählt vor allem auch den Rücken, den Bauch und das Becken zu stabilisieren, um Verletzungen vorzubeugen. Aber auch Beweglichkeits- und koordinative Übungen, in denen man den Kopf einschalten muss, sind wichtig.