1. NRW
  2. Städte
  3. Mönchengladbach
  4. Sport

Leichtathletik: So läuft das Training in der Corona-Krise

Neue Methoden in der Krise : Corona ist eine Herausforderung für Leichtathleten und Trainer

Die Leichtathleten trainieren während der Corona-Krise für sich allein im Park, im Wald oder zu Hause. Doch es fehlt ein konkretes Ziel, weil nicht klar ist, ob und wann es Wettbewerbe gibt.

Die Leichtathleten aus der Region hatten in vielen Trainingseinheiten nach der Wintersaison die Grundlagen für die Sommersaison gelegt. Die Ziele waren gesteckt. Anschließend sollte gemeinsam mit den Trainern der Weg zu Landes- und Deutschen Meisterschaften angegangen werden. Dann kam die Corona-Krise, der Shutdown. Sportstätten sind seit Wochen gesperrt, es gibt ein Kontaktverbot, all das machte normale Trainingsarbeit unmöglich. Von jetzt auf gleich standen auch der Gladbacher LAZ-Trainer Johannes Gathen und seine jungen Talenten vor dem Problem, sich nicht wie gewohnt bis zu fünfmal in der Woche zum Training treffen zu können.

„Für meine Athleten war direkt klar, sie wollen weitertrainieren, dann eben jeder alleine für sich auf der Straße, im Park, im Wald und zu Hause“, sagt Gathen, der auch Geschäftsführer des Mönchengladbacher Stadtsportbundes (SSB) ist.

Nach wie vor haben die Athleten sportliche Ziele, auch wenn keiner weiß, wann überhaupt in diesem Sommer der Wettkampfbetrieb wieder aufgenommen werden kann. Für Johannes Gathen ist dies eine ganz besondere Herausforderung.

„Das Training ist normalerweise auf die Saisonhöhepunkte ausgerichtet. Wir wissen, wann diese sind, und die Trainingssteuerung ist darauf abgezielt, um genau dann auch die bestmögliche Leistung abzurufen. Ich sehe meine Athleten beim Training und kann dadurch gut einschätzen, wie ihre Belastung ist“, sagt er.

Durch die Corona-Pandemie sind nun Meisterschaften abgesagt, verschoben oder es werden Alternativ-Termine gesucht. So wären die Deutschen U23-Junioren-Meisterschaften am 15./16. August im Grenzlandstadion gewesen. Die Folge laut Gathen: „Es fehlt zurzeit das konkrete Ziel. Daher plane ich das Training erst einmal so, als ob wir im Sommer Wettkämpfe bestreiten dürfen.“ Bis Ostern stand noch einmal ein großer Grundlagenblock auf dem Trainingsplan,

Schwieriger als sonst wird es für Gathen bei der Einschätzung der Belastung seiner Athleten. Hier ist er stark auf die Kommunikation mit seinen Athleten über WhatsApp und per Telefon angeleitet. Dabei kann sich Gathen auf seine Aktiven verlassen. Zwanzig sind es an der Zahl, für die er wöchentlich individuelle Trainingspläne schreibt und sie bei Bedarf in Absprache mit den Athleten an die Tagesform anpasst.

„Alle sind motiviert und arbeiten ihr Programm zu Hause fleißig ab. Sie geben mir regelmäßig ein Feedback. Im Freien lässt sich Lauftraining, egal ob im Ausdauer- oder Schnelligkeitsbereich, ganz gut für eine Zeit auch ohne Laufbahn und wachsames Trainerauge durchführen“, sagt Gathen.

Die Hammerwerferin Sina Mai Holthuijsen (LAV Bayer Uerdingen/Dormagen), NRW-Winterwurfmeisterin und Dritte der Deutschen Winter-Bestenliste, hält sich als Technikerin in der Zeit, in der die Sportstätten geschlossen sind, ebenfalls in Form. Die Hetzeratherin und dem SC Myhl zugehörige Werferin trainiert mit dem Vier-Kilogramm-Gerät weiter im Freien.

„Meine Tochter und ich sind dabei alleine und sorgen dafür, dass die Würfe sicher geworfen werden. Dazu gehören auch ihre schnellen Drehungen, an denen weiter gearbeitet werden muss“, sagt der ehemalige zehnfache niederländische Zehnkampfmeister Peter Holthuijsen, der seine Tochter konditionell betreut.

Die 23-Jährige, die ein Doppel-Startrecht für Deutschland und die Niederlande besitzt, trainiert durch. „Krafttraining machen wir zu Hause“, sagt Peter Holthuijsen. „Wir können da Gewichte bis 120 Kilogramm auflegen.“ Auch die Schnellkraft kommt dabei nicht zu kurz. „Dafür gingen wir normalerweise auf die Millicher Himmelsleiter mit 20 Metern und 400 Stufen in 70 Metern Höhe, aber das erledigte sich durch die momentane Situation“, sagt Sina Mai Holthuijsen. „Wir fanden eine andere Lösung: einen Notausgang über eine Treppe zum Brandschutz.” Die Krise macht kreativ. Holthuijsen und alle Leichtathleten hoffen aber, dass sich ihre Trainingsbedingungen durch Lockerungen der Corona-Bestimmungen schnell wieder verbessern.