Handball : Kurtz-Schluss

Verloren und doch gewonnen: Ein Siebenmeter 27 Sekunden vor dem Abpfiff eines nervenzerfetzenden Spiels rettete den GHTC vor dem Abstieg. Die Gladbacher jubelten über eine Niederlage.

Noch 27,2 Sekunden, zeigt die Spielzeituhr an der Wand der GHTC-Halle. Krefeld führt 8:5 — und dieses Ergebnis bedeutet: Gladbach steigt ab. Doch da ist noch eine Chance: Siebenmeter. Wird der verwandelt, ist der GHTC gerettet, wissen die Gladbacher. Aber: Wer hat die Nerven, mit einem einzigen Schuss alles zu entscheiden? Thommy Krauß und Oliver Kurtz sind als Siebenmeterschützen vorgesehen. Beide sind nicht sicher, ob sie nach einem unglaublichen Spiel die nötige Ruhe haben. Dann nimmt Kurtz dem Kameraden den Ball aus der Hand, tritt an — und verwandelt. Die Halle tobt, die Spieler können es kaum fassen, erleben wie in Trance die allerletzte Szene des Spiels, als eine Flanke durch ihren Kreis rollt und ein Krefelder den Ball nur hauchdünn verpasst. Dann der Abpfiff. 6:8 verloren — aber gerettet!

Punkte und Tordifferenz gleich

In Düsseldorf war eine Minute vorher Schluss, das Ergebnis in Gladbach schon bekannt: Blau-Weiß Köln hat 5:8 verloren. Nach zehn Spieltagen in der Gruppe West der Ersten Hallen-Bundesliga stehen Gladbach und Köln punktgleich und mit derselben Tordifferenz am Tabellenende. Doch Gladbach hat fünf Tore mehr geschossen — und das entscheidet den Abstieg. "Ich bin so lange dabei. Doch so etwas habe ich noch nie erlebt", sagt GHTC-Trainer Heino Knuf. Knapper geht's nicht.

Der Crefelder HTC, der schon vorher als klarer Gruppenmeister und Viertelfinal-Teilnehmer feststand, schenkte dem Niederrhein-Nachbarn nichts. 5:1 führte Krefeld kurz nach der Pause — und Köln hatte in Düsseldorf zum 4:4 ausgeglichen. "Da waren wir schon so gut wie erledigt", wusste Gladbachs Team-Manager Micki Hilgers. Doch der GHTC, der stark begonnen hatte und durch Kapitän Christoph Menke im Führung gegangen war, nach dem 1:1 eine Viertelstunde später aber nicht mehr viel zustande brachte, kam noch einmal zurück. Johannes Purps tankte sich zweimal durch, Stefan Menke traf ebenfalls zweimal, und es hieß 5:5. Die 450 Fans hofften wieder, Hallensprecher Philipp Molitor jubelte ins Mikrofon: "Der GHTC lebt!" Denn Köln lag in Düsseldorf 4:6 zurück. Doch dann kam Krefeld noch einmal, führte 8:5 — und Gladbach wäre damit abgestiegen. Bis zur 27. Sekunde vor dem Abpfiff ...

"Ich habe mich noch nie über eine Niederlage gefreut. Heute schon", sagt Kapitän Chrissi Menke glücklich. "Die Mannschaft hat bis zuletzt an sich geglaubt", freut sich Heino Knuf. "Und Torwart Filip Neusser uns im Spiel gehalten", bedankt sich Christoph Menke.

Das große Zittern ist vorbei.

(RP)