Kohlschreiber steuert zum 3:3 des Gladbacher HTC zwei Punkte bei

Tennis : Kohlschreiber rettet dem GHTC das Remis

Der Spitzenspieler holt zwei Punkte beim 3:3 gegen den TC Weinheim bei der Heimpremiere in dieser Saison.

Viel besser können die Vorzeichen einer Heimpremiere nicht sein. Beim ersten Bundesligaspiel „An den Holter Sportstätten“ scheint durchgehend die Sonne bei knapp 30 Grad, Hunderte Zuschauer kommen vorbei, und der Gladbacher HTC hat mit drei Top-50-Spielern, angeführt von der deutschen Nummer zwei Philipp Kohlschreiber, das „vom Papier her beste Team aller Zeiten“ am Start, wie Teamchef Henrik Schmidt vorab gesagt hat. Und dann sieht es um 12.06 Uhr ganz bitter aus für die Hausherren: Nachdem Schmidt wenige Minuten zuvor dem TC Weinheim bereits zur 1:0-Führung durch Luca Vanni gegen Marton Fucsovics hat gratulieren müssen, verwandelt auch Thomas Fabbiano seinen zweiten Matchball zum Sieg über Albert Ramos-Viñolas. Nach zwei Spielen liegt der GHTC 0:2 zurück, die erste Saisonniederlage droht.

Um 12.17 Uhr bahnt sich Kohlschreiber seinen Weg durch die Zuschauer. Der Publikumsliebling bekommt es mit dem Australier John Millman zu tun. „Das ist ein Spiel der Nummer 27 gegen die Nummer 56 der Welt. Da kann jeder gewinnen“, sagt Schmidt ein wenig bang. Die Sorge erweist sich als unbegründet, Kohlschreiber lässt früh seine ganze Klasse aufblitzen, nimmt Millman bereits dessen zweiten Aufschlag ab und geht 2:1 in Führung.

Gladbachs Ungar Marton Fucsovics hatte gegen den TC Weinheim oft Mühe, an die knallharten Aufschläge seines Gegenübers Luca Vanni zu kommen. Foto: Dieter Wiechmann

Der Augsburger steht bei den Aufschlägen seines Kontrahenten weit hinter der Grundlinie, schießt dann aber jedes Mal nach vorne, wenn der Ball auf dem Boden auftrifft und bringt ihn aggressiv und druckvoll zurück. Sein eigenes zweites Aufschlagspiel bringt Kohlschreiber problemlos zum 3:1 durch, im nächsten Spiel liegt er zwar 15:40 hinten, zeigt da aber wieder sein ganzes Können: Seinen tollen Stop kann Millman nicht zurück über das Netz bringen, und der Australier scheint danach aus dem Rhythmus – zwei einfache Fehler und ein Doppelfehler bringen das nächste Break, das 4:1 ist für Kohlschreiber die Basis für den klaren 6:1-Satzgewinn. Im zweiten Durchgang geht es enger zu, aber der deutsche Spitzenspieler behält die Nerven und gewinnt 7:5. Auch auf dem Platz nebenan ist es eine Nervenschlacht geworden: Nachdem Aleksandr Nedovyesov den ersten Satz noch klar gegen Moritz Baumann gewonnen hatte, gleicht der Weinheimer im zweiten Durchgang aus – im Match-Tie-Break gewinnt Nedovyesov und hält so die Hoffnung der Gladbacher auf einen Heimsieg am Leben.

So muss die Entscheidung in den Doppeln fallen, Schmidt verzichtet bei der Aufstellung auf die beiden Spieler, die ihr Einzel verloren hatten, bringt dafür Roman Jebavy und Adrian Menendez auf die Plätze. Letzterer muss sich mit Nedovyesov gegen das ungleiche italienische Duo der Gäste behaupten: Der Aufschlagriese Vanni (1,98 Meter), der Fucsovics kaum ins Spiel hatte kommen lassen, bildet mit dem 25 Zentimeter kleineren Kraftpaket Fabbiano, der Ramos-Vinolas auch mit seinem Tempo beeindruckt hatte, das Weinheimer Doppel. Und das zeigt dem der Hausherren auch recht schnell die Grenzen auf, beim 2:6, 3:6 gibt es für die Gladbacher nicht viel zu holen. Damit ist klar: Es liegt nun an Kohlschreiber/Jebavy wenigstens einen Punkt bei der Heimpremiere zu behalten. Und das gelingt dem Duo nach großem Kampf im Match-Tie-Break. „Wir waren heute näher an einem 2:4 als an einem 3:3. Daher feiern wir das Remis wie einen Sieg“, sagt Schmidt, und ergänzt über seine Nummer eins: „Nachdem Kohlschreiber den ganzen Tag Autogramme geschrieben und Fotos mit Kindern gemacht hat, hat er noch so unfassbar gespielt. Er ist echt eine Granate.“