Lokalsport: Kanzlerin Merkel ehrt Karateverein für sein Engagement

Lokalsport : Kanzlerin Merkel ehrt Karateverein für sein Engagement

Der Sportverein JuDjuSu Jitsu Karate setzt trotz einiger Widerstände auf die ehrenamtliche Arbeit mit Flüchtlingen.

Birgit Reimers wusste direkt, dass dieser Brief ein besonderer war - dabei hatte die Vorsitzende des Sportvereins JuDjuSu Jitsu Karate ihre Lesebrille gar nicht auf, als sie die Post aus dem Briefkasten holte. Sie fühlte anhand des dickeren Papieres, dass es keine Werbung war, doch sie las den Absender nicht und riss den Umschlag wenig behutsam auf. "Da stand dann ,Bundesrepublik Deutschland - die Bundeskanzlerin' in großen Buchstaben. Das konnte ich sogar ohne Brille sehen", sagt Reimers lachend. Sie holte sofort ihre Sehhilfe und war "baff": Angela Merkel hat den Verein ins Bundeskanzleramt nach Berlin eingeladen, um seine Arbeit mit Kindern, Jugendlichen und Flüchtlingskindern zu würdigen. Am Freitag, 17. März ist es so weit.

Was sie der Kanzlerin sagen wird, hat sich Reimers noch nicht überlegt. "Das ist bei mir situationsabhängig. Ich bin spontan - reden ist für mich kein Problem", sagt sie und lacht wieder. Wie der Verein zu der Ehre kam, weiß die Vorsitzende nicht. "Es hat sich keiner geoutet. Es gibt eine Institution, die alles managt, aber die hat auch gesagt, sie weiß es nicht, das wird im Kanzleramt gemacht. Ich denke, bei der Bundeskanzlerin kann man sich nicht einfach so bewerben."

Die Auszeichnung gibt es für den Verein, der auch mit Senioren, Schulen, Grundschulen sowie vielen drei- bis fünfjährigen Kindern arbeitet, für sein Engagement bei Flüchtlingen. "Wir haben auch einen afghanischen Trainer, der bald 26 wird, dem wir viel ermöglichen", schildert Reimers. Im Zentrum stehen aber Flüchtlingskinder. "Wir fahren zu den Unterkünften und holen die ab. Je nach Gruppe sind es acht bis zwölf Kinder, mit denen wir dann zum Training fahren. Da geht es vor allem um Spiel, Spaß und Sport. Auch das klassische Karatetraining ist längst nicht mehr klassisch. Wir beziehen alles ein, was wir in der Turnhalle haben."

Dieses Engagement stieß indes nicht überall auf Verständnis. " Die Arbeit mit den Flüchtlingen hat uns im letzten Jahr 100 von 500 Mitgliedern gekostet", sagt Reimers. Angst vor Krankheiten oder Neid seien dafür Ursachen gewesen. "Wir geben aber trotz aller Widerstände nicht auf", betont Reimers. "Auf der anderen Seite haben wir ganz viele Eltern, die mitmachen. Egal wie ich dazu stehe - ich mache ja nicht die Politik -, ich meine: Je mehr Kinder stundenweise von der Straße kommen, desto besser. Die Menschen sind nun einmal hier, also muss man etwas machen." Diese Einstellung hat sich augenscheinlich bis Berlin herumgesprochen.

(ame)
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