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Interview: Tim Heinemann über seine Pläne, 2023 DTM zu fahren

Interview Tim Heinemann : „Der Plan ist, nächstes Jahr DTM zu fahren“

Der Wegberger startet am Wochenende in die neue Saison der DTM Trophy – den Wettbewerb, den er 2020 souverän gewann. Im Interview spricht der 24-Jährige darüber, wie Manager Bernd Schneider ihm half, bei Regen zu gewinnen und wie er den Sprung in die DTM im kommenden Jahr schaffen will.

Herr Heinemann, wie kam der erneute Auftritt in der DTM Trophy zustande?

Tim Heinemann Das Gespräch mit Toyota hat sich Ende 2021 ergeben. Das Team kannte mich aus den vergangenen Jahren in der DTM Trophy und war auf der Suche nach einem Fahrer – mit dem Ziel, den Wettbewerb zu gewinnen. Ich war immer nahe dran, in die DTM zu kommen, es hat sich aber rausgestellt, dass das wegen der finanziellen Hürde dieses Jahr noch nicht machbar ist. So kam es dazu, wieder in der DTM Trophy zu starten – im Idealfall als Vorbereitung auf eine DTM-Teilnahme im kommenden Jahr.

Sie konnten den Toyota GR Supra zuletzt auf den Testtagen am Hockenheimring erstmals testen – wie fühlt sich das Auto an?

Heinemann Tatsächlich fühlt es sich relativ unspektakulär an, weil es recht einfach zu fahren ist. Es lief von Anfang an gut, obwohl es etwas anderes ist als der AMG und der Aston Martin, die ich in den vergangenen Jahren gefahren bin. Das Auto ist etwas schmaler und höher. Durch die Balance-of-Performance (eine Regel im Motorsport, um das Leistungsniveau anzupassen, Anm. d. Red.) werden die Autos aber ja sowieso angeglichen, was die Geschwindigkeit angeht.

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Der Gesamtsieg ist also drin?

Heinemann Das will ich hoffen. Es gehört natürlich immer etwas Rennglück dazu. Im letzten Jahr habe ich erfahren, was es bedeutet, wenn das Glück nicht auf deiner Seite ist. Vom Team, vom Auto und hoffentlich auch von meiner persönlichen Performance her sind wir auf jeden Fall Titelanwärter – das ist unser klares Ziel.

Sie arbeiten das erste Mal mit dem Ring Racing Team zusammen – wie läuft die Zusammenarbeit bisher?

Heinemann Ich war mit dem Team erst einmal an der Strecke. Im Hintergrund arbeitet man viel zusammen – das funktioniert einwandfrei, wir verstehen uns sehr gut und die Zusammenarbeit macht Spaß. Der Test vor der Saison lief auch gut, wir haben alle Punkte, die wir uns vorgenommen haben, abgearbeitet. Vor dem ersten Rennen gehen wir noch einmal testen – um uns noch mehr einzuspielen und mehr Performance rauszuholen.

Wie sieht die Vorbereitung auf ein Rennen während der Saison aus?

Heinemann Neben den Absprachen mit dem Team bereite ich mich mit dem Simulator vor. Auch wenn ich die Strecke am Lausitzring beispielsweise schon kenne, kommt man so nochmal mehr rein. Dazu schaue ich mir Bilder und Videos von der Strecke an, um zu schauen, ob es Veränderungen im Vergleich zum Vorjahr gab. Man saugt einfach alle Informationen auf, die man kriegen kann.

Und körperlich?

Heinemann Ehrlich gesagt mache ich, was da angeht, gar nicht so viel. Ich habe das Glück, dass ich eine gewisse Grundfitness habe. Hauptsächlich mache ich Cardio-Training und ein wenig leichtes Krafttraining. Das reine Fahren im Fahrzeug und im Simulator bereiten einen schon gut vor. Im Simulator werden ja beispielsweise auch die Lenkkräfte simuliert. Durch das Cardio-Training kann man im Fahrzeug vielleicht noch mehr einen kühlen Kopf bewahren.

Der fünfmalige DTM-Champion Bernd Schneider ist Ihr Manager. Es kann also kaum einen besseren Mentor geben – wie arbeiten Sie mit ihm zusammen?

Heinemann Zum einen ist er als Mentor sehr hilfreich, weil er mir viele Tipps zum Fahren und zum Verhalten an der Rennstrecke geben kann. Dazu ist er einfach eine Größe im Motorsport – er kennt jeden und jeder kennt ihn. So ist er mein Sprachrohr, um mich bei Teams und Sponsoren ins Gespräch zu bringen.

Gibt es einen konkreten Fall, in dem er Ihnen mit einem Tipp weitergeholfen hat?

Heinemann Das Erste, was mir da einfällt, war mein erstes Regenrennen 2019. Ich war noch nie vorher mit einem GT4-Auto bei Regen gefahren. Vor dem Rennen hat er mir dann schnell die Ideallinie bei Regen beigebracht und mir Tipps gegeben, worauf ich bei Regen achten muss. Am Ende haben wir das Rennen gewonnen.

Aus sportlicher Sicht könnten Sie sicherlich in der DTM mitfahren. Welche Hindernisse haben die Teilnahme bisher verhindert?

Heinemann Die Finanzen. Wer in der DTM Trophy gewinnt, kann mit Sicherheit auch in der DTM mithalten. Wenn wir die finanziellen Mittel hätten, dann würde ich auf jeden Fall in der DTM fahren.

Wie kann man diese finanziellen Mittel denn aufbringen?

Heinemann Eine Möglichkeit ist natürlich von Haus aus gut betucht zu sein – wie etwa Lance Stroll in der Formel 1. Ansonsten natürlich über Sponsoren. Entweder braucht das Team einen riesigen Sponsor oder der Fahrer muss zum Team kommen mit einem Sponsor in der Hinterhand.

Bisher hat es noch kein Teilnehmer der DTM Trophy in die DTM geschafft. Der Serienmanager der DTM Trophy, Martin Tomczyk, wünscht sich einen DTM-Startplatz für den Trophy-Sieger. Wie finden Sie diese Idee?

Heinemann Ich finde das genau richtig. Das ist der Weg, den man von Anfang an hätte einschlagen sollen. Zum Vergleich: Der Anreiz, an der 2. Bundesliga teilzunehmen, ist ja, dass man in die 1. Bundesliga aufsteigen möchte – genau das sollte auch in der DTM Trophy der Anreiz sein. Wenn man gewinnt, sollte man zumindest die Chance bekommen, sich in der DTM zu präsentieren.

Ist das realistisch oder eher ein Wunsch?

Heinemann Es ist wohl eher Optimismus. Mit der Unterstützung von der DTM und einem Hersteller sollte das aber auf jeden Fall möglich sein.

Wäre es für Sie der ideale Weg, von einem Hersteller unterstützt zu werden?

Heinemann Im Endeffekt gibt es für mich zwei Optionen: Zum einen, es selbst zu schaffen, die Partner zu finden. Oder aber von einem Hersteller entdeckt zu werden, der einen unterstützt. Der Plan ist ganz klar, dieses Jahr die DTM Trophy zu gewinnen und nächstes Jahr in der DTM zu fahren.

Gäbe es eine alternative Rennserie, die Sie anvisiert haben– falls es mit der DTM nicht klappt?

Heinemann Was das angeht, bin ich komplett offen. Ich bin im vergangenen Jahr ja schon bei der deutschen GT-Meisterschaft mitgefahren. Es gibt viele schöne Rennserien, was ich aber sehe: Das Thema DTM ist in Deutschland immer noch wichtig und kommt gleich nach der Formel 1. Von daher steht das ganz oben auf meiner Liste.

Die DTM Trophy gibt es seit 2020, Sie waren jedes Mal dabei – wie hat die Serie sich seitdem entwickelt?

Heinemann Man muss dieses Jahr noch abwarten. Ich kann aber sagen, dass sich das Niveau schon sehr verbessert hat, gerade an der Spitze – ich vermute, weil das Ziel DTM die guten Nachwuchsfahrer anzieht. Es ist von Jahr zu Jahr also schwieriger geworden.

Wie sähe Ihr perfektes Motorsportjahr 2022 aus?

Heinemann Davon zu träumen, jedes Rennen in der DTM Trophy und das 24 Stunden-Rennen am Nürburgring zu gewinnen, wäre vielleicht etwas unrealistisch. Perfekt wäre für mich, wenn ich an die Erfolge von 2020 mit sieben Siegen in der DTM Trophy anknüpfen kann. Dazu ein gutes Resultat beim 24-Stunden-Rennen, also ein Top-10-Platz im Gesamtklassement.