Inklusion im Sport - Wie Vereine in Mönchengladbach das Thema angehen

Inklusion im Sport: Der TC Neuwerk prüft den Weg der Inklusion

Beim Charity-Cup am Gatherskamp war in jedem Team ein Rollitennis-Spieler dabei. Der Klub denkt darüber nach, künftig ein inklusives Team zu installieren. Das Thema ist im Gladbacher Sport klein, nur bei Blau-Weiß Wickrathhahn gibt es eine solche Mannschaft.

Es war nicht offiziell, aber auf gewisse Weise ein Pilotprojekt, denn war ein wenig da, um zu testen, wie es denn funktioniert mit der Inklusion auf dem Tennisplatz. „Es ging sehr gut“, sagt Frank Pöhler, der zum Herren30-Team des TC Neuwerk gehört. Gespielt wurde der Athlon&Friends-Charity-Cup auf der Anlage seines Klubs am Gatherskamp zum zweiten Mal nach 2017. Zum ersten Mal gehörte zu jedem Team ein Spieler im Rollstuhl, schließlich hatte der in Windhagen ansässige Rollitennis-Verein acht Akteure aus ganz Deutschland entsandt, um für den Sport zu werben.

Es gab viele Aha-Momente an diesem heißen Sommertag in Neuwerk, „für viele war es ganz neu“, stellte Pöhler fest. Er und sein Team waren schon mal zu Besuch in Windhagen und hatten ausprobiert, wie es ist, im Rollstuhl Tennis zu spielen. Auch am Samstag konnten Besucher die Probe aufs Exempel machen. „Der Tag war unter anderem da, um Berührungsängste abzubauen“, sagt Pöhler. Er bezeichnet den Probelauf als gelungen. Bernd Gast, der Vorsitzende des TC Neuwerk kann sich durchaus vorstellen, künftig ein inklusives Tennisteam mit „Rollis“ im Klub zu installieren.

„Wir werden uns mit dem Thema beschäftigen“, gab Gast bekannt. „Die Tatsache, dass sich der TC auf das Charity-Turnier in dieser Art eingelassen hat, ist ein erster Schritt, ein Test, der zeigt, dass es für unseren Klub eine Option ist, ein Inklusions-Team einzurichten“, findet Pöhler, der früher in der Dritten Mannschaft des 1. FC Mönchengladbach kickte und sie dann auch trainierte, bevor er 2015 zum Tennis wechselte. Es ist aber in Projekt, das einiger Planung bedarf.

Tatsächlich würde der Neuwerker Klub ein Terrain betreten, auf dem sich in Mönchengladbach nicht sonderlich viele Klubs tummeln. Bei Blau-Weiß Wickrathhahn gibt es seit 2015 ein inklusives Fußball-Team, in dem Kinder mit und ohne Handicap (von denen viele das Down-Syndrom haben) zusammenspielen. Das Team nimmt nicht am Spielbetrieb teil, unter anderen weil die Fahrten zu den Spielen mangels Gegner in der Nähe zu weit wären.

„Für unseren Verein ist das Inklusions-Team sehr wichtig. Wir haben uns im Vorfeld natürlich viele Gedanken gemacht und geprüft, welche Rahmenbedingungen erfüllt sein müssen. Zu Anfang gab es auch Hemmschwellen. Aber die waren schnell beseitigt.  Im Team herrscht eine ganz besondere Atmosphäre“, sagt Hanne-Kathrin Bertrams. Sie ist Geschäftsführerin und Sozialwartin des Vereins, der rund 600 Mitglieder hat und neben Fußball (vier Senioren- und zehn Jugendteams)  auch Turnen und Gardetanz im Angebot hat.

  • Tennis : Rollstuhltennis beim TC Neuwerk

Die Blau-Weißen holten sich Tipps bei einem Inklusions-Team in Krefeld. Die Borussia-Stiftung unterstützte das Projekt 2015 mit 500 Euro, davon wurde ein Satz Trikots angeschafft. Auch der Verein „Kleeblätter 21“ hilft, im Dezember 2016 kam Ex-Profi Marcell Jansen, Unterstützer der „Kleeblätter“ nach Wickrathhahn.

Rolf und Uschi Tietenberg  betreuen das Inklusions-Team. Einer ihrer Söhne, Jonathan, hat Trisomie 21. „Die Familie Tietenberg ist ein Glückfall für uns“, sagt Hanne-Kathrin Bertrams. Die Eltern wollten dem Sohn ermöglichen Fußball zu spielen, so kam die Idee auf, das Inklusionsteam zu gründen. Bis 16 Jahre dürfen die Kinder mitmachen, die nächste Altersstufe ist dann bis 18 Jahre. „Die Kinder, die im Inklusionsteam spielen, kommen aus ganz Mönchengladbach und aus der Umgebung. Die Nachfrage ist groß, wir könnten zwei Teams bilden“, sagt Bertrams. Dafür jedoch fehlt es an geeigneten Übungsleitern.

Was das angeht, kann der Stadtsportbund (SSB) helfen. „Es ist sicherlich schwierig, Fachpersonal zu finden, es gibt ja grundsätzlich immer weniger Ehrenamtler. Doch es gibt spezielle Übungsleiter-Ausbildungen beim Landessportbund. Wir stehen Klubs, die sich dafür interessieren, gern als Vermittler zur Seite“, sagt SSB-Geschäftsführer Johannes Gathen. Insgesamt sei das Thema Inklusion im Gladbacher Sport ein „kleines Thema, an das sich viele Vereine nicht richtig herantrauen, weil sie nicht wissen, wie man damit umgehen soll“, sagt Gathen. Es gibt beim LSB Fördertöpfe, die Inklusions-Projekte anschieben können.

Beim TC Neuwerk hat das Turnier für den guten Zweck zunächst mal gezeigt, wie Inklusion aussehen kann. Und es hat fast 2400 Euro eingebracht, die an „Zornröschen“ und das St. Raphaelhaus in Düsseldorf gehen. „Es war eine gute Erfahrung für unseren Klub und nebenbei ein gutes Ergebnis für unser Spenden-Projekt, also eine rundum gelungene Aktion“, sagt Frank Pöhler. Das Turnier wird es 2019 wieder geben. Vielleicht auch mehr. „Junger Klub geht neue Wege“, steht auf der Internetseite des TC Neuwerk. Inklusion kann einer davon sein.

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