Co-Trainer arbeitet auch für Österreichs Nationalteam So wichtig ist Nils Helbig für den Gladbacher HTC

Hockey · Nils Helbig hat beim GHTC schon so ziemlich jede Position bekleidet – vom Jugendspieler bis zum Coach der Frauen. Aktuell ist er Sportdirektor und Co-Trainer an der Seite von Jan Klatt in der 2. Hockey-Bundesliga. Sein taktisches Knowhow hat ihm zudem einen Job bei der österreichischen Nationalmannschaft eingebracht.

Nils Helbig (M.) ist beim GHTC für die Taktik des Zweitlgisten verantwortlich.

Nils Helbig (M.) ist beim GHTC für die Taktik des Zweitlgisten verantwortlich.

Foto: Susanne Breithaupt

Die Taktiktafel klemmt Nils Helbig zwar noch unterm Arm, als er Niklas Braun zu sich holt – doch die letzten Instruktionen gibt es auf dem Tablet, das Helbig ebenfalls in der Hand hält. Der Verteidiger des Gladbacher HTC schaut seinem Coach gebannt über die Schulter, nickt kurz und betritt dann das Feld gegen Schwarz-Weiß Neuss.

 GHTC-Verteidiger Niklas Braun und Co-Trainer Nils Helbig.

GHTC-Verteidiger Niklas Braun und Co-Trainer Nils Helbig.

Foto: Susanne Breithaupt

Es ist der letzte Spieltag in der Hinrunde der 2. Hockey-Bundesliga und am Ende wird Nils Helbig von der strukturell und taktisch besten Leistung des GHTC in der bisherigen Saison sprechen – obwohl der Spitzenreiter durch einen Last-Minute-Ausgleich den achten Sieg im neunten Spiel knapp verpasst. „Wir haben uns in dieser Saison von Spiel zu Spiel gesteigert, in Neuss ist taktisch alles aufgegangen, was wir uns vorgenommen haben. Leider hat Neuss mit dem ersten Schuss aufs Tor das 1:1 erzielt. Aber wenn wir weiter darauf aufbauen, dann sind wir ein Kandidat für oben“, erklärt Helbig.

Seit Sommer 2021 coacht der 32-Jährige an der Seite von Jan Klatt die Zweitligamannschaft beim Gladbacher HTC und ist als Videoanalyst und Co-Trainer für die taktische Einstellung und Entwicklung des Teams zuständig. „Jan ist Cheftrainer, aber generell kein Typ, der großen Wert auf Hierarchien legt. In unserer Arbeit sind wir schon sehr gleichwertig und das harmoniert wirklich super“, erklärt Helbig, der in seiner Zeit als Jugendspieler beim GHTC selbst von Jan Klatt trainiert wurde.

Während sich Nils Helbig primär um die Gegneranalyse und Taktik kümmert, übernimmt Klatt als Cheftrainer die technische Arbeit und kümmert sich als exzellenter Motivator um das Feuer in der Mannschaft. Man könne das, so Helbig, durchaus mit der Situation bei der Fußball-Weltmeisterschaft 2006 vergleichen. Wie beim Sommermärchen, als Motivator und Moderator Jürgen Klinsmann mit Taktikfuchs Jogi Löw ein perfektes Doppel bildete, sind auch Klatt und Helbig ein eingeschworenes Duo mit klar aufgeteilten Kompetenzen.

 Nils Helbig coacht mit Jan Klatt (r.) den Hockey-Zweitligisten beim GHTC und ist dort für die Taktik zuständig.

Nils Helbig coacht mit Jan Klatt (r.) den Hockey-Zweitligisten beim GHTC und ist dort für die Taktik zuständig.

Foto: Susanne Breithaupt

Und Helbig bedient sich an noch einem Vergleich aus dem Fußallkosmos. „Jan ist einer der besten Motivatoren auf dieser Welt. Gleich nach Jürgen Klopp – oder vielleicht sogar noch vor ihm“, fügt Helbig lachend an und stellt seinen Trainerkollegen in eine Riege mit dem Coach vom FC Liverpool, der als Menschenfänger bekannt ist. „So hat jeder sein Steckenpferd – ohne, dass wir uns in den Bereich des anderen einmischen. Ich glaube, deshalb harmonieren wir auch so gut als Duo“, sagt Helbig.

Sein taktisches Wissen hat der 32-Jährige über die Jahre auf Lehrgängen und in der praktischen Anwendung verfeinert und verbessert – Hockey lag Nils Helbig aber sein ganzes Leben schon im Blut. Mit gerade einmal vier Jahren hat der Mönchengladbacher beim Rheydter SV das erste Mal einen Schläger in der Hand. Später wechselt er für einen Großteil seiner Jugendzeit in den Nachwuchs des GHTC, kehrt aber mit 17 Jahren zu seinem Heimatverein zurück und spielt mit dem RSV in der Hockey-Bundesliga.

Nach einem kurzen Intermezzo als Spieler und Trainer in Leverkusen kommt Helbig 2014 das zweite Mal in seiner Karriere zum Gladbacher HTC, spielt in der ersten Mannschaft und übernimmt auch beim GHTC Aufgaben an der Seitenlinie. Zunächst coacht er im Jugendbereich, später übernimmt er das Frauenteam. Vor drei Jahren kommt eine weitere Funktion in seinem Portfolio hinzu. Nils Helbig wird Sportdirektor beim Gladbacher HTC und ist seitdem für sehr vielschichtige Bereiche im Verein zuständig: die Koordination der Jugendtrainer und des Spielbetriebes, das Aufstellen eines Konzeptes für den Nachwuchs, Spielergespräche im Seniorenbereich für die Herren- und Damenteams. „Rodrigo Costa, unser portugiesischer Neuzugang, war beispielsweise mein erster eigener Transfer. Er war mir mit seinen 18 Jahren bei der Europameisterschaft sofort aufgefallen und ich freue mich, dass er den Weg zu uns gefunden hat“, erklärt Helbig.

Der 32-Jährige ist ein akribischer Arbeiter, der zur Vorbereitung auf den kommenden Gegner zwei bis vier Spiele in der Videoanalyse haargenau unter die Lupe nimmt. Mit den gewonnenen Erkenntnissen geht Helbig in die Trainingswoche beim GHTC und bereitet die Spieler intensiv auf das Wochenende vor. Auch dank seines Einflusses liegen die Gladbacher aktuell mit 22 Zählern auf dem ersten Tabellenplatz der 2. Bundesliga.

Helbigs Expertise ist auch dem Deutschen Hockey-Bund (DHB) bereits aufgefallen. Neben seinen nationalen und internationalen Trainerscheinen, sowie den Fortbildungen bei der FIH, hat Helbig eine Life-Kinetik-Ausbildung absolviert. So war er im vergangenen Jahr bei der U16 Deutschlands als Athletiktrainer im Einsatz und hat dort auch bei der Videoanalyse mitgeholfen.

Nils Helbig mit der Taktiktafel beim GHTC.

Nils Helbig mit der Taktiktafel beim GHTC.

Foto: Susanne Breithaupt

Seine Dienste konnte sich auf Dauer aber ein anderer Hockeyverband sichern: Vor der U21-Europameisterschaft im Sommer 2021 bekommt der 32-Jährige einen Anruf von Robin Rösch – ehemaliger GHTC-Coach und Trainer in der letzten Meistersaison vor 20 Jahren. „Robin, der ja auch noch in Mönchengladbach wohnt, ist Nationalcoach von Österreich, kümmert sich aber auch um die U21. Er hat mich gefragt, ob ich mir vorstellen könne, als Videoanalyst bei ihm einzusteigen“, so Helbig, der sich über das Angebot sehr freut und direkt zusagt.

Seitdem war er nicht nur bei der U21 Österreichs aktiv, sondern auch schon beim A-Nationalteam während der Qualifikation für die Europameisterschaft, die 2023 in Mönchengladbach stattfinden wird. „Wir konnten uns in Wien als Gruppenerster qualifizieren. Die Arbeit mit Robin hat dabei super viel Spaß gemacht. Jetzt werde ich auch bei der Hallen-Europameisterschaft in Hamburg und der Hallen-Weltmeisterschaft in Südafrika dabei sein“, erklärt Helbig.

In Südafrika wird die österreichische Nationalmannschaft sogar als amtierender Weltmeister an den Start gehen – und für die mögliche Titelverteidigung von Nils Helbig taktisch eingestellt werden. „Das Hockeyspiel in der Halle ist wesentlich schneller und dadurch noch mehr taktisch geprägt als auf dem Feld. Da ist es ein wenig wie Schach: Ein Team ändert seine Grundordnung, worauf der Gegner reagieren muss. Darauf folgt vom ersten Team wieder eine taktische Anpassung“, so Helbig, der auch mit dem Gladbacher HTC im November in die Hallensaison starten wird – dann wieder ausgestattet mit Taktiktafel und Tablet.

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