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Hockey Pro League: Wieso bei den Nationalspielen viele Sitze leer blieben

Hockey-Pro-League in Mönchengladbach : Wieso bei den Nationalspielen viele Sitze leer blieben

Im März kamen zu den ersten Pro-League-Partien der Nationalteams im Mönchengladbacher Hockeypark noch 2000 Zuschauer, bei den unglücklichen Anstoßzeiten unter der Woche waren es nun gegen England deutlich weniger. Das lag an einer Verkettung von Umständen. Für einen ehemaligen GHTC-Spieler war es dennoch eine besondere Atmosphäre.

Bei den Farben der Sitzschalen haben die Planer des Mönchengladbacher Hockeyparks Weitsicht bewiesen. Gelbe, hell- und dunkelblaue, weiße und rosafarbene Exemplare gibt es dort, was dazu führt, dass das Stadion auch im Leerzustand nie trist aussieht. Für den Deutschen Hockey-Bund (DHB), der dort auch seinen Sitz hat, war dies am Mittwoch und Donnerstag aber sicherlich nur ein schwacher Trost. Denn bei den Länderspielen der deutschen Frauen- und Herrenteams im Rahmen der Pro League war das Stadion zwar wie immer bunt, aber letztendlich doch recht menschenleer.

 Gerade am Donnerstag blieben bei den unglücklichen Anstoßzeiten viele Sitze im Mönchengladbacher Hockeypark leer.
Gerade am Donnerstag blieben bei den unglücklichen Anstoßzeiten viele Sitze im Mönchengladbacher Hockeypark leer. Foto: Sebastian Kalenberg

Eine Verkettung von Terminverschiebungen war daran schuld – an deren Ende die Spiele in Mönchengladbach die Leidtragenden waren: Zunächst hatte der Weltverband FIH die U21-WM der Juniorinnen coronabedingt vom ursprünglichen Termin im Dezember 2021 auf April 2022 gelegt, was dazu führte, dass die Frauen-Bundesliga den Spieltag zum Rückrundenstart wiederum auf das letzte April-Wochenende verschob. Blöderweise genau auf jenes Wochenende, an dem die Pro League im Hockeypark gastieren sollte. Also mussten die Länderspiele in Mönchengladbach auf unpopuläre Termine unter der Woche ausweichen. So war es ein teilweise verschenktes Event für die Stadt.

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„Das ist schon auffällig, wie wenig Zuschauer hier sind“, sagte auch Herren-Bundestrainer André Henning zur Besucherresonanz am Mittwoch. Lediglich rund 300 Besucher hatten sich im Hockeypark eingefunden. Dass es auch anders geht, zeigten die Pro-League Auftritte der Nationalteams im März, als 1500 bis 2000 Zuschauer in den Hockeypark kamen. Das war jedoch an einem Wochenende.

Anstoßzeiten an einem Mittwoch um 15 und 17.30 Uhr sowie an einem Donnerstag um 13 und 15.30 Uhr sind hingegen keine Zuschauermagneten. „Wir wussten um diese unschöne Situation, als wir die Termine aufgrund der U21-WM verlegt haben“, sagte DHB-Sportdirektor Christoph Menke-Salz. „Doch wir wollten dem Team unbedingt ermöglichen, diese Weltmeisterschaft zu spielen – da mussten wir abwägen. Ende März haben wir ja gesehen, wie viele Menschen wir hier in den Hockeypark bekommen können. Das ist ein gutes Zeichen, auch für die Feld-EM im kommenden Jahr“, so Menke-Salz weiter.

 Am Mittwoch verloren die deutschen Hockey-Damen gegen England mit 3:4.
Am Mittwoch verloren die deutschen Hockey-Damen gegen England mit 3:4. Foto: Susanne Breithaupt

Sportlich gab es insbesondere am Mittwoch aus deutscher Sicht nicht viel Erfreuliches zu sehen. Zunächst unterlagen die Frauen mit 3:4 gegen England, im Anschluss verloren auch die Herren mit 0:1 ihr Spiel gegen die britische Auswahl. „Mit der Leistung bin ich nicht zufrieden. Dabei hatten wir genug Chancen, um das Spiel zu gewinnen. Das ärgert mich am meisten“, sagte Trainer Henning.

Vor allem der fahrlässige Umgang seiner Mannschaft mit zahlreichen Strafecken störte Henning: „Da sind wir heute nicht gut gewesen, vom gesamten Ablauf.“ Die Damen zeigten sich zuvor mit drei Toren und einer Halbzeitführung von 2:1 zwar treffsicherer, kassierten dafür aber auch vier Gegentore. Zum Leidwesen von Coach Valentin Altenburg. „Wir wollten es den Engländerinnen so schwer wie möglich machen, Tore zu erzielen. Dieses Ziel haben wir heute nicht erreicht. Dennoch zeigte aus meiner Sicht die Leistungskurve in der zweiten Halbzeit nach oben.“

 Jubel beim deutschen Nationalteam nach einem Treffer gegen England.
Jubel beim deutschen Nationalteam nach einem Treffer gegen England. Foto: Susanne Breithaupt

Am Donnerstag bestätigte sich diese Leistungssteigerung bei seinem Team, das auf acht Positionen verändert wurde – unter anderem rotierte beispielsweise die gebürtige Mönchengladbacherin Julia Sonntag wieder ins Tor. Bereits nach fünf Minuten lag Deutschland mit 2:0 in Führung, konnte nach dem Anschlusstreffer im letzten Viertel sogar noch zwei weitere Treffer nachlegen. „Das Spiel war deutlich besser und wir haben verdient gewonnen“, erklärte Nationaltrainer Valentin Altenburg, der sich vor allem über die verbesserte Defensivleistung freute. „Die Festung stand.“

Das kam auch Julia Sonntag zugute, die bei ihrem Heimspiel wenig Bälle der Engländerinnen auf den Kasten bekam. „Ich musste ja gar nicht so viel halten, unsere Abwehr war heute sehr gut.“ Über die größtenteils leeren Ränge war auch die Gladbacherin traurig, wusste die Lage aber auch einzuschätzen. „Natürlich ist es schöner, wenn hier viele Zuschauer sind. Aber es musste bei den Terminen eben ein Kompromiss gefunden werden.“

 Der ehemalige GHTC-Jugendspieler Michel Struthoff (r.) sein erste Heimspiel für die deutsche Nationalmannschaft.
Der ehemalige GHTC-Jugendspieler Michel Struthoff (r.) sein erste Heimspiel für die deutsche Nationalmannschaft. Foto: Susanne Breithaupt

Ein besonderes Spiel war es am Donnerstag für Michel Struthoff, der am Vortag noch außen vor war. Der 19-Jährige begann seine Hockey-Karriere beim Gladbacher HTC, spielt mittlerweile bei UHC Hamburg in der ersten Bundesliga. Im zweiten Spiel der Herren gegen England lief er das erste Mal für Deutschland in einem Heimspiel auf, nachdem er auf der Reise nach Indien bereits mit einem Perspektivkader im A-Nationalteam debütiert hatte. „Das Niveau war auf jeden Fall höher, im Spiel aber auch von den Mitspielern. Und dann hier in Mönchengladbach zu spielen, ist natürlich sehr cool“, so Strutthoff.

Bei den Männern lief es ebenfalls einen Tag später sportlich deutlich besser – vor allem bei den Strafecken. Malte Hellwig, Tom Grambusch und Gonzalo Peillat trafen jeweils nach Ecken zum 3:2-Erfolg über die englische Auswahl.

Da die Pro League in der kommenden Saison nicht in Deutschland gastiert, waren es die letzten Pflichtspiele der Nationalteams in Mönchengladbach vor der Europameisterschaft 2023 im eigenen Land. Dann wird man von den bunt gefärbten Sitzen sicherlich weniger sehen.