Hockey: Die Nationaltorhüterin stammt aus Mönchengladbach

Interview Julia Sonntag : „Mehr Heimspiel kann es für mich nicht geben“

Die Hockey-Nationaltorhüterin spricht über die anstehenden Partien der neuen Pro League in Gladbach, den Spagat zwischen ihrem Beruf als Zahnärztin und ihrer Leistungssport-Karriere, ihren Heimatverein GHTC und ihren Olympiatraum.

Julia Sonntag (geborene Ciupka) ist ein Eigengewächs des Gladbacher HTC. Die 27-Jährige spielt in der Hockey-Bundesliga für Rot-Weiß Köln und hat bislang 39 Länderspiele absolviert. Unser Mitarbeiter Tobias Knüfermann sprach mit der Nationaltorhüterin vor ihrem Heimspiel in der „Pro League“ mit der deutschen Mannschaft gegen Großbritannien am Mittwoch, 24. April (19.30 Uhr) im Gladbacher Hockeypark.

Frau Sonntag, in Hockey-Deutschland kennt Sie jeder als „Ciupi“. Hat sich am Spitznamen nach Ihrer Hochzeit etwas geändert?

Sonntag Ich denke, dass ich für alle die Ciupi bleiben werde. Julia nennt mich auf dem Hockeyplatz eigentlich niemand.

Sie wurden ganz frisch als Kölns Sportlerin des Jahres ausgezeichnet. Sie sind gebürtige Mönchengladbacherin, wohnen und arbeiten auch hier in der Stadt. Passt die Auszeichnung dann überhaupt?

Sonntag Solche Auszeichnungen gibt es in jeder Stadt. Auch in Mönchengladbach habe ich schon mal einen Preis bekommen. Dass ich in Köln bei der Sportlerehrung ausgezeichnet wurde, ist in jedem Fall für mich persönlich eine tolle Sache, über die ich mich sehr gefreut habe.

Es hält sich das Gerücht, dass man als Hockey-Torhüterin auch ein bisschen verrückt sein muss. Schließlich fliegen die Hartgummibälle teilweise mit deutlich mehr als 100 Stundenkilometern auf das Tor. Wie verrückt sind Sie?

Sonntag Das Vorurteil möchte ich ganz klar widerlegen. Es gibt eindeutig genauso viele verrückte Feldspieler. Verrückt an mir finde ich eher, dass ich 40 Stunden Vollzeit arbeite und dazu dennoch vier- oder fünfmal in der Woche auf dem Trainingsplatz stehe. Ganz zu schweigen von den Spielen am Wochenende und den Lehrgängen mit dem Nationalteam.

Sie sprechen die Doppelbelastung an. Sie sind Zahnärztin und erfolgreiche Nationalspielerin. Ist das auf Dauer überhaupt zu vereinen?

Sonntag Das ist eine ganz schwierige Frage. Man rennt als Leistungssportlerin im Berufsleben jedenfalls keine offenen Türen ein, was aber auch zu verstehen ist. Kürzlich waren wir mit der Nationalmannschaft fast fünf Wochen in Australien, Neuseeland und Argentinien unterwegs. In der Zeit fehlst du deinem Arbeitgeber. Deshalb ist es toll, Menschen in der Berufswelt zu finden, die dem Leistungssport positiv gegenüberstehen und den beruflichen Werdegang unterstützen. Klar hat man aufgrund der Lehrgänge und Turniere mehr Fehlzeiten, jedoch ist es mit einer guten Organisation und einem verständnisvollen Chef sehr gut möglich, was ich in den letzten zwei Jahren meines Berufslebens ja auch schon gezeigt und erfahren habe. Zudem bringt ein Leistungssportler die positiven Eigenschaften, wie Teamfähigkeit, Disziplin und Ehrgeiz auch mit zur Arbeit.

Ende April werden im Hockeypark etliche Spiele der neu geschaffenen „Pro League“ durchgeführt. Für die Damen geht es gegen England, die Niederlande, China und die USA. Sie sind neben der Düsseldorferin Nathalie Kubalski als Torhüterin nominiert. Freuen Sie sich auf die Spiele gleich vor der Haustür?

Sonntag Ich glaube mehr Heimspiel kann es für mich nicht geben. Ich bin unmittelbar in der Nähe des Hockeyparks aufgewachsen, und meine Eltern wohnen noch immer hier. Sie werden mit Freunden zu Fuß zu den Partien laufen. Dazu werde ich mit Sicherheit viele bekannte Gesichter sehen. Bei der Weltmeisterschaft 2006 war ich an gleicher Stelle als Ballkind im Einsatz. Damals hätte ich nie im Leben gedacht, dass ich mal selbst bei solch einem Event auf dem Platz stehen darf. Die Vorfreunde ist in jedem Fall da, zumal ich auch davon ausgehe, dass die Zuschauerränge gut gefüllt sein werden.

Sie stammen aus der Jugend des Gladbacher HTC. Verfolgen Sie den Werdegang des Vereins?

Sonntag Ich habe mich sehr über den Hallen-Aufstieg der Herren gefreut. Ich hoffe, dass sich die Jungs in der Liga halten und etablieren können. Auch die Damenmannschaft hat sich wohl neue und sehr ehrgeizige Ziele für die nahe Zukunft gesetzt. Zudem soll es endlich den neuen Kunstrasen geben, der den Verein aufwerten wird. Gerade im Jubiläumsjahr des 100-jährigen Bestehens sind das tolle Nachrichten.

In Mats und Tom Grambusch haben zwei GHTC-Eigengewächse 2016 an den Olympischen Spielen in Rio de Janeiro teilgenommen. Sehen wir Sie 2020 in Tokio?

Sonntag Der Olympia-Zyklus ist in vollem Gange und ich bin auf einem guten Weg, aber bis Tokio ist es noch ein langer Weg. Wir haben vorher noch die Europameisterschaft in Antwerpen, sowie die Olympia-Qualifikation mit Play-off-Spielen, wo noch so viel passieren kann. Erst, wenn ich im Flieger nach Japan sitze, würde ich wohl endgültig daran glauben, dass ich meinen Olympiatraum erreicht hätte.

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