1. NRW
  2. Städte
  3. Mönchengladbach
  4. Regionalsport

Handball: Wie Vereine und Verband mit den vielen Spielausfällen umgehen

Verband verlängert die Saison : Wie der Handball mit den vielen Spielausfällen umgeht

Nach der Absage der Heimpartie gegen Rheinbach am Samstag ist der TV Korschenbroich bereits fünf Partien im Rückstand. Auch bei anderen Teams der Region stapeln sich die Nachholspiele unter der Woche. Der Verband reagiert nun mit einer Verlängerung der Saison.

Eine Sache steht jetzt schon fest: Für den TV Korschenbroich, momentan Tabellenzweiter der Regionalliga, wird es ein stressiger und kräftezehrender Saisonendspurt. Nach der Absage des TV Rheinbach, der am Wochenende fünf positive Corona-Fälle gemeldet hatte, stehen bereits fünf Nachholspiele im Kalender des TVK. Am Samstag reist der ambitionierte Regionalligist zunächst für das Spitzenspiel zum Tabellenführer interaktiv nach Ratingen. Danach stehen aufgrund der vielen ausgefallenen Begegnungen drei englische Wochen in Folge auf dem Programm. Das machen zwischen dem 19. März und dem 9. April satte sieben Spiele innerhalb von 21 Tagen für die Korschenbroicher.

„Dieses Pensum ist für das Team natürlich heftig“, sagt Klaus Weyerbrock, Sportlicher Leiter des TV Korschenbroich. „Bei den Wochenspielen besteht zudem das große Problem, dass berufstätige Spieler häufig nicht zu den weiter entfernten Auswärtsspielen mitfahren können. Das ist für alle Teams eine große sportliche Herausforderung.“ Und auch TVK-Coach Dirk Wolf vermutet Nachteile im Aufstiegskampf durch die vielen englischen Wochen. „Die sind für uns nicht ganz so einfach, denn letztlich sind wir Amateure. Es gibt dann die verschiedensten Gründe, wieso ein Spieler mitten in der Woche nicht auflaufen kann.“

 Klaus Weyerbrock, Sportlicher Leiter des TV Korschenbroich.
Klaus Weyerbrock, Sportlicher Leiter des TV Korschenbroich. Foto: Ja/TVK
  • Eine Szene aus dem Hinspiel: Damals
    TSV Kaldenkirchen gewinnt knapp mit 25:23 : Turnerschaft Lürrip kann den Rivalen im Derby lange ärgern
  • Symbolisch für den Auftritt von „interaktiv
    Handball, Regionalliga : „interaktiv“ rutscht in Langenfeld aus
  • Ungläubig, stolz, zufrieden – die SG
    Handball, Regionalliga : SG Langenfeld schafft die Sensation

Bei der Regelmäßigkeit, mit der die Spiele auch aktuell noch coronabedingt ausfallen, können sich die Verantwortlichen zudem nicht vorstellen, dass die eng getakteten Partien bis Ostern alle stattfinden können. Noch am Freitag hatte Wolf gefordert, dass der Verband eine Entscheidung trifft, wie mit den vielen Spielabsagen und dem geplanten Saisonende Mitte Mai umgegangen wird.

Immerhin für die eigentlich am 15. Mai endende Saison gab der Handballverband Nordrhein am Sonntag eine Verlängerung bekannt. „Da mittlerweile enorm viele Spiele nachgeholt werden müssen, haben wir uns dazu entschieden, die Saison 2021/2022 im weiblichen und männlichen Seniorenbereich um zwei Wochen – bis zum 29. Mai – zu verlängern“, heißt es in einer Mitteilung an die Vereine. Die Verlängerung der Saison um diese zwei Wochen soll dafür genutzt werden, um coronabedingt abgesagte Partien nachzuholen. „Reguläre Spiele können nicht in diesen Zeitraum gelegt werden“, so der Verband weiter.

Korschenbroichs Sportlicher Leiter Weyerbrock begrüßt den Plan, dass die Saison bis Ende Mai abgeschlossen sein soll und nicht in den Juni verlegt wird. „Spieler und Trainer werden ab Anfang Juni in ihren lange geplanten Urlaub gehen. Im Juli fängt ja dann bereits die Vorbereitung auf die kommende Saison an. Zudem müssen die Verbände Mitte Juni auch die Meister für die 3. Bundesliga melden. Wir hoffen, dass durch die zwei weiteren Wochen die Saison zu Ende gespielt werden kann.“ Immerhin träumt der TV Korschenbroich, der mit drei Spielen weniger akutell vier Punkte hinter Spitzenreiter interaktiv liegt, in dieser Saison noch vom Aufstieg in die 3. Bundesliga.

Ebenfalls im Aufstiegsrennen befindet sich Verbandsligist TSV Kaldenkirchen. Der Tabellenzweite musste zuletzt schmerzlich erleben, wie sehr die vielen Spielausfälle den Rhythmus einer Mannschaft beeinträchtigen können. Am Wochenende konnte beim knappen 25:23-Derbysieg gegen die Turnerschaft Lürrip endlich mal wieder eine Begegnung stattfinden, davor konnte der TSV zuletzt am 6. Februar in Wesel in der Liga antreten.

 Volker Hesse ist Coach beim TSV Kaldenkirchen.
Volker Hesse ist Coach beim TSV Kaldenkirchen. Foto: Tom Ostermann

„Dazwischen lag lediglich ein Pokalspiel, ansonsten konnten wir nur trainieren“, sagt Kaldenkirchens Trainer Volker Hesse. Und selbst der Trainingsbetrieb sei in der aktuellen Zeit nur eingeschränkt möglich, da immer wieder Spieler in Quarantäne müssten. „Gegen Lürrip war deutlich zu sehen, dass uns der Rhythmus fehlte. Die stetigen Pausen wegen der Spielausfälle machen uns zu schaffen“, so Hesse, der sich zuletzt zwar um Testspiele bemüht habe – aber auch das sei momentan kaum möglich. „Alle Mannschaften müssen ja Spiele nachholen, da findet man leider niemanden für ein Testspiel.“

Auch beim TSV Kaldenkirchen stehen bislang drei Nachholspiele im Kalender, zwei davon werden unter der Woche ausgetragen. Hesse sieht dieses Pensum kritisch: „Mir wird bei diesen Ansetzungen zu wenig auf die Belange der Sportler geguckt. Die Jungs gehen alle noch arbeiten und sollen jetzt Samstag, Mittwoch, Samstag, Mittwoch, Samstag spielen. Da bleibt die Gesundheit doch auf der Strecke.“ Dass der Verband die Saison nun um zwei Wochen verlängert hat, findet auch Hesse richtig. „Ich hätte mir aber gewünscht, dass man schon früher eine klare Regelung getroffen hätte“, so der Coach des TSV.