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Handball-Verbandsliga: Nach 42 Jahren geht es für den TSV Kaldenkirchen hoch in die Oberliga​

Saisonfazit TSV Kaldenkirchen : Nach 42 Jahren geht es für den TSV hoch in die Oberliga

Der TSV Kaldenkirchen ist nach einer grandiosen Saison aufgestiegen. Der Verein spielte 42 Jahre lang in der Verbandsliga, nach der Sommerpause geht es dann in der Oberliga weiter. Der Erfolg lag nach Ansicht von Coach Volker Hesse aber nicht nur an den Spielern auf dem Feld.

Der TSV Kaldenkirchen war das dominante Team in der Verbandsliga und ist daher auch der absolut verdiente Aufsteiger in die Oberliga. Die Bilanz ist beeindruckend, denn während des gesamten Saisonverlaufes leistete sich der TSV lediglich drei Niederlagen, gewann aber 23 von 26 Partien. Das Prunkstück war eindeutig die Abwehr mit durchschnittlich nur 22 Gegentore pro Spiel. Keine andere Mannschaft blieb im Saisonverlauf bei unter 600 Gegentreffern. Aber auch der Angriff zählte zu den schlagkräftigsten der Liga.

So lief die Rückrunde
Das war nun wirklich im Stile einer Spitzenmannschaft, denn die Kaldenkirchener kassierten lediglich eine Niederlage und die im Spitzenspiel beim TV Kapellen mit 22:26. In dieser Partie hätte der Aufstieg frühzeitig realisiert werden können, doch die Spieler waren viel zu nervös. Keiner erreichte Normalform, es sah so aus, als hätten sie Angst vor der eigenen Courage. „Die Rückrunde fing mit der Verletzung von Mathis Coenen überhaupt nicht gut an“, erinnert sich der Kaldenkirchener Trainer Volker Hesse. „Es wusste auch niemand, wie es mit Corona weitergeht und ob die ausgefallenen Spiele alle nachgeholt werden können. Aus sportlicher Sicht war es mit dem Aufstieg natürlich überragend, gerade nach 42-jähriger Zugehörigkeit zur Verbandsliga. Die Ausfälle wurden gut kompensiert und so etwas wie einen Tiefpunkt hatten wir nicht zu verzeichnen.“

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Das war gut in der Saison
„Es wird immer nur die sportliche Leistung hervorgehoben“, so Hesse. „Aber der Erfolg ruht auf viel mehr Schultern. Seien es Zeitnehmer, Kassierer oder die Familien, die uns bei den Feiern unterstützt haben. Nicht zu vergessen die Zuschauer, die uns immer wieder gepusht haben. Das Team hinter dem Team ist mindestens genau so wichtig.“ Im sportlichen Bereich lobt der Trainer, dass die Mannschaft seine vorgegebene Philosophie in die Tat umgesetzt hat. Dabei hat die Mannschaft seine Defensivarbeit extrem verbessert. „Das war auch letztlich der Schlüssel zum Erfolg“, sagt Hesse, der die Defensive gerne auf viele Schultern verteilt. „Das Arbeiten im Verbund stand im Vordergrund. Jeder Spieler musste einsehen, dass er mit seiner Arbeit in der Defensive der gesamten Mannschaften nutzt oder schadet, und das haben sie auch positiv umgesetzt. Aber auch im Angriff sind wir mittlerweile breiter aufgestellt. Torgefahr geht eigentlich von jeder Position aus, wobei die größte Durchschlagskraft aus unserem Rückraum kommt“, so Hesse.

Das war nicht so gut in der Saison
In der nahezu perfekten Spielzeit bleibt wohl lediglich der Aufstieg auf der Couch als negativer Aspekt hängen. Weil Adler Königshof II Anfang Mai nicht angetreten ist, wurden dem TSV kampflos die Punkte überlassen. Das sicherte zwar den frühzeitigen Aufstieg, verhinderte aber einen Erfolg auf sportlichem Wege. Volker Hesse sagte damals: „Ich finde das hochgradig unsportlich. Meine Jungs haben auf das Spiel gebrannt, und den Aufstieg auf schriftlichem Weg mitgeteilt zu bekommen, wünscht man sich wirklich nicht“.

Spieler der Saison
Es mag vielleicht etwas ungewöhnlich klingen, doch für Coach Volker Hesse sind mit Nils König und Guus Killars gleich zwei Akteure seine Spieler der Saison, die beide wegen eines Kreuzbandrisses fast die gesamte Saison ausfielen. „Nils und Guus haben mich und die Mannschaft immer unterstützt“, begründet der Kaldenkirchener Trainer seine Entscheidung. „Sie waren bei fast jedem Training anwesend, gaben Tipps und auch moralische Unterstützung. Bei den Spielen standen sie mir beratend zur Seite. Beide halfen auch bei organisatorischen Aufgaben, sei es in der Cafeteria oder bei der Be- und Erstellung unserer Aufstiegsshirts oder auch bei Einladungen. Natürlich haben wir sie auch auf dem Feld vermisst, wie sie sich allerdings über die gesamte Saison mit eingebracht haben, zeigt den Zusammenhalt der Mannschaft. Wir fordern und leben die familiären Strukturen“.

So geht es weiter
Bis Anfang Juli wird einmal wöchentlich trainiert, um im Tritt zu bleiben. Allerdings sind die Einheiten locker und ohne größere Intensität geplant. Danach geht es ohne Pause mit der Vorbereitung weiter, in der vier bis fünf Einheiten in der Woche auf dem Programm stehen. „Wir wollen uns intensiv auf das Abenteuer Oberliga vorbereiten“, betont Hesse. „Unser einziges Ziel ist der Klassenerhalt, mehr wäre in meinen Augen auch vermessen.“ Um dieses Ziel zu erreichen, kann er auf seinen kompletten Aufstiegskader zählen, denn kein Spieler verlässt den Verein. Einzig Clim Smits wird kürzertreten, weil er beruflich deutlich mehr eingespannt ist. Für Notfälle steht er allerdings zur Verfügung.

Verstärkt haben sich die Kaldenkirchener mit Kreisläufer Jens Dauben vom Landesligisten ATV Biesel. Der Zwei-Meter-Hüne ist sehr deckungsstark, stellt eine Alternative für den Mittelblock dar und wird in den gegnerischen Abwehrreihen für einige Unruhen sorgen. Vom Verbandsligisten SV Neukirchen kommt der Linkshänder Jens Niehoff, der zusammen mit Lukas Schürmanns das Gespann auf Rechtsaußen bilden soll. Niehoff konnte beim VfB Homberg bereits Erfahrungen in der Regionalliga sammeln und mit dem MTV Dinslaken und Adler Königshof war er in der Oberliga aktiv. Unterstützend kommt zudem noch Cedric Brüster vom Landesligisten Turnerschaft Grefrath. „Ich glaube schon, dass wir uns vernünftig verstärkt haben und gerade mit Jens, gegen den ich noch selber gespielt habe, haben wir sehr viel Erfahrung dazu gewonnen. Damit sind unsere Kaderplanungen abgeschlossen, denn wir haben auch in der Breite einen großen Kader.“