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Handball-Trainer Thomas Laßeur hält "Return-to-Play"-Plan des DHB für einen guten Leitfaden

Interview Thomas Laßeur : „So haben wir als Klubs einen guten Leitfaden“

Geistenbecks Meister-Trainer Thomas Laßeur spricht über einen Aufstieg ohne Feier, nennt das Ziel für die Handball.Oberliga und spricht über den Acht-Punkte-Plan des Deutschen-Handball-Bundes.

Zweimal in Folge war der TV Geistenbeck Zweiter in der Verbandsliga, nun ist er in die Oberliga aufgestiegen – per Quotientenregelung nach dem Saisonabbruch. Über den Aufstieg, die Ziele in der neuen Spielklasse und einen konkreten Plan des Handball-Bundes, möglichst schnell wieder zur Normalität zurückzukehren, spricht Trainer Thomas Laßeur im Interview.

Herr Laßeur, der Aufstieg am Grünen Tisch ist ein paar Tage her. Wie fühlt es sich mit ein bisschen Abstand an?

Laßeur Wir haben die Welle der Aufstiegs-Glückwünsche in den sozialen Medien mitgenommen und uns darüber gefreut. Als Mannschaft haben wir uns seit Mitte März nicht mehr gesehen, auf eine Online-Party im Chatroom haben wir verzichtet. Feiern geht nur real. Wer uns kennt, weiß, dass wir gern und gut feiern können. Deswegen hat natürlich etwas gefehlt. Vor allem die richtige Emotionalität, die so ein Aufstieg normalerweise mit sich bringt, hätten wir gern ausgekostet. Wir sind ja ein Team, das sehr über die Emotion kommt, das fördere ich auch. Aber wir werden das nachholen, das haben wir mit dem Vorstand schon klar besprochen. Als nächstes werden wir ein Video aufnehmen, in dem wir uns bei unseren Fans und Sponsoren bedanken.

Das Team bleibt in der Oberliga zusammen?

Laßeur Ja, das ist so. Wir hatten schon frühzeitig mit den Jungs gesprochen und sofort nur positive Rückmeldungen erhalten. Es gab keinen Wackelkandidaten – auch das spricht für unser Team. So waren wir mit den Planungen schon durch, bevor die Krise kam. Ob wir noch jemanden dazu nehmen, werden wir sehen. Man weiß ja auch nicht, wie sich die berufliche Situation durch Corona bei dem einen oder anderen ändert und er vielleicht doch anders planen muss.

Ist das Aufstiegsteam gut genug für die Oberliga?

Laßeur Wir sind grundsätzlich auf allen Positionen doppelt und gut besetzt, darum sage ich: Ja. Der Klassenverbleib ist das primäre Ziel, wir müssen ja erst mal in der Liga ankommen. Generell bin ich eher ein Freund des Understatements. Es bringt nichts, große Töne rauszuposaunen und damit Druck zu erzeugen. Man muss ja auch sehen, wie es nach dieser langen Pause weitergeht: Wie geht das Team damit um, wie die anderen Mannschaften? Darum wollen wir, wenn es weiter geht, in der Oberliga ankommen und dann unsere Punkte sammeln, um drin zu bleiben.

Was macht das Team stark?

Laßeur Wir hatten in der Meister-Saison mit Abstand die beste Defensive. Das ist die Basis. Bei Ballgewinnen geht es schnell nach vorn – aber jeder Angriff wird nach einem klaren Plan gespielt. Das haben wir uns erarbeitet und sind eingespielt. Klare Strukturen im Spiel werden uns auch in der Oberliga helfen.

Ist der Ehrgeiz da, vor dem Stadtrivalen Borussia zu landen?

Laßeur Das wird schwer. Wenn man die Klubs vergleicht, sieht man, wohin die Reise gehen wird. Fakt ist: Wir freuen uns auf die Spiele gegen Borussia, und Borussia freut sich auf uns. Wir haben ein gutes Verhältnis. Es werden ganz sicher spannende Spiele. Und die wollen wir so lange wie möglich haben, sprich: Wir wollen uns in der Liga etablieren. Die Aufsteiger der vergangenen Jahre haben das geschafft, sie sind im Mittelfeld gelandet. Das zeigt, dass die Verbandsliga-Gruppe 1, aus der wir kommen, gut genug ist, Oberligisten zu produzieren.

Wie sind die Planungen mit Blick auf die neue Saison im Kontext von Corona?

Laßeur Der Deutsche Handball-Bund hat einen Acht-Punkte-Plan ,Return to Play‘ herausgegeben. Es ist zunächst ein Entwurf, der noch mit den Verbänden, Kreisen und Vereinen diskutiert wird. Da wird stufenweise auf die Normalität hingearbeitet. Der Plan ist ambitioniert und natürlich abhängig von den Entscheidungen der Politik. Es geht über autonomes Training, Kleingruppentraining draußen, dann drinnen, Teamtraining ohne Zuschauer ab 1. Juni, und dann ab 1. Juli mit Zweikämpfen, Spiele ohne Zuschauer ab dem 1. August und bis hin zu Spielen mit Zuschauern. Das soll ab dem 1. September der Fall sein. Das klare Ziel ist, möglichst schnell wieder den Wettkampfbetrieb zu haben. Wie gesagt: Was die Zeitschiene angeht, halte ich das für sehr ambitioniert. Aber es gibt klare und sehr detaillierte Handlungsanweisungen für jeden Schritt und so haben wir als Klubs einen guten Leitfaden. Der DHB zeigt, dass er die Vereine begleitet, auch wenn sicher einige Sache skurril klingen.

Zum Beispiel?

Laßeur Ich halte es für schwierig, beim Handball einen Nasen- und Mundschutz und Handschuhe zu tragen, wie es empfohlen wird. Na ja, und grundsätzlich geht es eben nicht ohne Kontakt in unserem Sport, sonst ist es ein anderes Spiel, wie Basketball auf Tore vielleicht. Aber das Konzept ist ein Strohhalm dafür, wie es laufen kann.

Was bedeutet das für Sie als Trainer?

Laßeur Es ist eine Herausforderung, ganz sicher. Man arbeitet vor allem mit Kleingruppen und soll dann ein Team auf den Platz bringen. Aber ich habe schon eine Idee, wie ich das koordiniere. Geht es nach dem Plan, wären wir tatsächlich fast im normalen Rhythmus, die neue Saison sollte Mitte September losgehen. In der Zeit der Spiele ohne Zuschauer kann man Testspiele absolvieren, da gibt es auch schon lockere Absprachen mit einigen Kollegen. Ein bisschen ist es wie ein Vorbereitungspuzzle, das sich noch zusammenfügen muss. Klar ist auf jeden Fall, dass wir alle Bock darauf haben, möglichst bald wieder anzufangen. Die Aufstiegseuphorie lassen wir uns trotz Corona nicht nehmen.