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Handball-Regionalliga: TVK leistet Nachbarschaftshilfe vor dem Derby

Neusser HV darf in Korschenbroicher Halle trainieren : TVK leistet Nachbarschaftshilfe vor dem Derby

Weil die Halle des Neusser HV momentan als Impfzentrum genutzt wird, hat der TV Korschenbroich dem Lokalrivalen seine Halle fürs Training zur Verfügung gestellt. Im Spiel am Sonntag werden sich die beiden Regionalligisten aber sicherlich nichts schenken.

Das Derby zwischen dem TV Korschenbroich und dem Neusser HV ist nicht nur ein Derby, sondern auch ein Spitzenspiel, denn es empfängt der Tabellendritte den -sechsten. Es ist aber auch eine Begegnung der Gegensätze: Auf der einen Seite steht der TV Korschenbroich, seit Jahren eine der Top-Mannschaften in der Regionalliga, der stets zu den Aspiranten zählt, wenn es um den Aufstiegskampf geht. Auf der anderen Seite der Neusser HV, die jüngste Mannschaft der Liga, die durch einen Umbruch vor zwei Jahren neu aufgestellt wurde. Während es niemanden weiter verwundert, den TVK in der Spitzengruppe wiederzufinden, ist der NHV doch so etwas wie die bisherige Überraschung der Saison.

„Wir freuen uns auf jedes Heimspiel vor unseren tollen Fans“, betont der Korschenbroicher Trainer Dirk Wolf. „Und ein Derby ist dann noch einmal etwas Besonderes. Neuss hat sich bisher mit Bravour in der Liga geschlagen. Alleine letzte Woche der Sieg beim Spitzenreiter in Aachen, wobei sie noch auf den einen oder anderen Leistungsträger verzichten mussten. Die Mannschaft gibt zu keinem Zeitpunkt auf und man darf sich niemals zu sicher sein. Es ist ein Team, in dem jeder für jeden kämpft. Natürlich analysieren wir den Gegner, versuchen Stärken und Schwächen zu erkennen, werden aber versuchen, dem Spiel unseren Stempel aufzudrücken. Ein Heimspiel zu haben, ist sicherlich ein Vorteil für uns.“

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Die Voraussetzungen für das Derby sind bei den Gästen alles andere als rosig. Nicht nur, dass der Rückraum wegen zahlreicher Verletzungen nur noch spärlich besetzt ist, auch die Trainingssituation ist absolut unbefriedigend. Die Sporthalle Am Hammfeld steht dem NHV nicht zur Verfügung, weil sie erneut als Impfzentrum genutzt wird. Allerdings kann die Stadt Neuss auch keine Alternativen anbieten. So war guter Rat teuer. Mittwoch stellte Korschenbroich den Neussern die eigene Sporthalle zur Verfügung und am Donnerstag trainierten sie gemeinsam mit der ersten Mannschaft des TV Angermund. „Für uns war es selbstverständlich zu helfen, wir wären auch froh Hallenzeiten zu bekommen, wären wir in der gleichen Lage“, so Wolf. Wie auch der TVK-Trainer freut sich der Neusser Verantwortliche Gilbert Lansen auf die Partie. „Auch wenn bei uns momentan nicht alles rund läuft, steht die Vorfreude auf das Derby absolut im Vordergrund“, so Lansen.

 In der Hammfeld-Halle spielt und trainiert normalerweise der Neusser HV: Nun wird dort aber erneut das Impfzentrum der Stadt eröffnet.
In der Hammfeld-Halle spielt und trainiert normalerweise der Neusser HV: Nun wird dort aber erneut das Impfzentrum der Stadt eröffnet. Foto: Melanie Zanin (MZ)

„Korschenbroich zählt für mich wie interaktiv und Aldekerk zu den drei stärksten Mannschaften der Liga. Wir gehen die Aufgabe mit Respekt an, werden aber keinesfalls vor Ehrfurcht erstarren. Selber haben wir uns im Lauf der Saison den Respekt der anderen Mannschaften erspielt. Zuletzt haben wir vier Spiele in Folge gewonnen und uns dabei das nötige Selbstvertrauen geholt.“

Interessant ist auch ein Vergleich der einzelnen Mannschaftsteile und der taktischen Ausrichtung. Mit Max Jäger stellen die Hausherren einen der besten Torhüter der Liga, der seit Jahren Bestleistung auf höchstem Niveau abliefert und auch schon Erfahrungen in höheren Ligen gesammelt hat. Allerdings braucht sich der Neusser Schlussmann Paul Dreyer dahinter nicht zu verstecken. Mit gerade einmal 20 Jahren ist er eine absolute Stütze seiner Mannschaft und erreichte in den letzten Spielen eine tolle Quote von über 40 Prozent gehaltener Bälle. Wegen der größeren Erfahrung hat der TVK hier die Nase knapp vorne.

Zu den Torhütern gehören jedoch auch immer die jeweiligen Abwehrreihen und die zählen zu den besten der Liga. Beide Teams kassierten bislang 235 Gegentreffer und bevorzugen die eher defensive 6:0-Deckungsvariante.

Müssen die gegnerischen Angreifer jedoch offensiver angegangen werden, vertrauen die Neusser auf eine etwas offensivere 5:1-Variante, während Korschenbroich mit einem 3:2:1-System dem Gegner kaum noch Raum lässt. In der Defensive können also beide Mannschaften variabel agieren und sich somit auf jeweilige Spielsituationen neu einstellen.

Im Angriff präsentierte sich der TVK bisher als durchschlagkräftiger und erzielte im Schnitt fast drei Tore mehr pro Spiel als Neuss. In diesem Bereich ist ein deutliches Plus für die Korschenbroicher zu verzeichnen. Sie können zu jedem Zeitpunkt wechseln, ohne an Niveau zu verlieren. Die taktische Ausrichtung ist identisch, denn sowohl der TVK als auch der NHV versuchen aus einer starken Deckung heraus, den Gegner mit enormen Tempo unter Druck zu setzen. Insgesamt ein leichtes Plus für die Wolf-Schützlinge. Der Heimvorteil, die Erfahrung und ein Kader, der auf jeder Position doppelt gut besetzt ist, sprechen für Korschenbroich. Daraus jedoch Rückschlüsse zu ziehen, kann kräftig in die Hose gehen, denn Neuss hat schon andere Teams böse überrascht und bekanntlich haben auch Derbys eigene Gesetze.