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Handball: Handball-Boom mit Hindernissen

Handball : Handball-Boom mit Hindernissen

Während die Deutschen noch ihren dritten Weltmeistertitel feiern und der Zweite Vorsitzende der Deutschen Handball-Bundes (DHB), Horst Bredemeier, mehr Handball an den Schulen und bessere Trainer fordert, werden die Handballkreise bereits mit Broschüren und Prospektmaterial überhäuft.

Kreisvorsitzender Rolf Mayer: "Wir haben die Broschüre "Spielerisch Handball lernen auch in kleinen Hallen" soeben von der DHB-Geschäftsstelle erhalten. Sie sollen an alle Grundschulen verteilt werden. Eine fachspezifische Lehrerausbildung ist ebenfalls geplant", wundert sich nicht nur Mayer, wie schnell der DHB auf den neuen Boom reagierte. "Die Unterlagen werden in der Schublade geschlummert und jetzt herausgeholt worden sein."

Die Probleme: Hallen und Lehrer

Wie sehr der WM-Titel den deutschen Jungs und Mädchen nun "Bock auf Handball" macht, bekam Abteilungsleiter Stefan Krebs von Borussia schon zu spüren: "Etliche Trainingsnachfragen und drei neue Anmeldungen gab es schon im Jugendbereich." Dass die Ausbildung der Lehrer in den Grund-und weiterführenden Schulen deutlich verbessert werden muss, dafür steht Krebs ein: "Die meisten kennen die Regeln gar nicht." Lürrips Handballwart Robert Dreßen sieht ebenfalls überforderte Lehrer mit zu vielen Kindern in viel zu kleinen Sporthallen und die Hauptarbeit bei den Vereinen: "Hier ziehe ich den Hut vor unserem Willi Welters, der die Fünf- bis Sechsjährigen in Ballspielgruppen seit Jahren an unseren Sport heranführt und ihre motorische Fähigkeiten verbessert."

Wer bei der Stange bleibt und sich als großes Talent zeigt, ist dann am besten bei einem Bundesligaverein oder dem ranghöchsten Verein des Kreises aufgehoben. "Allerdings ist die Kapazitätsgrenze bereits erreicht. Wir haben 16 Jugendmannschaften, und die Hallenkapazitäten sind ausgereizt. Zudem fehlt es an geschulten Trainern," sagt Dreßen. Hier fordert Rolf Mayer mehr Zusammenarbeit: "Die Vereine reden und arbeiten einfach nicht miteinander, sind zu misstrauisch. Das ist echt schade."

Rühmliche Ausnahme ist die Spielgemeinschaft der Vereine HSV Rheydt und TV Geistenbeck, die seit 2001 im Jugendbereich kooperieren. "Unser Konzept hat sich bewährt. Insgesamt können wir einen deutlichen Zuwachs an Jugendlichen verzeichnen", sagte Geistenbecks Handballwart Wolfgang Hermanns. Er bietet an: "Statt eine Mannschaft vom Spielbetrieb wegen Mangels an Kindern abzumelden, kann man sich zusammentun. Wir sind da immer gesprächsbereit." Hermanns hofft, dass über die Schulen der eingeschränkte Bewegungsdrang der Kinder verbessert wird: "Die Defizite im motorischen Bereich sind eklatant und haben sich seit Jahren durch steigenden Bewegungsmangel erheblich verschlechtert." Handball müsse in den Schulen deutlich mehr angeboten werden.

(RP)