Lokalsport: Golfen mit einem Analysegerät

Lokalsport: Golfen mit einem Analysegerät

Der Golfclub Wanlo bietet zusammen mit dem Stadtsportbund und dem Bildungswerk eine in NRW einmalige Kursreihe an.

Die Augen ruhen auf dem Ball, beiden Hände halten den Schläger eng umschlossen. Dann der Übergang in die Schlaghaltung: Leicht in die Knie gehen und den Oberkörper nach vorne verlagern - ganz nach Anweisung der Trainer. Noch kurz die Böe abwarten, die über das Green weht, dann ausholen und ein Luftloch schlagen. Jeder, der sich einmal an das Eisen und den kleinen weißen Ball gewagt hat, wird wissen, wie schwer es ist, diesen überhaupt zu treffen - außer man heißt Tiger Woods oder Rory McIlroy. Nach ein paar Versuchen segelt der Ball dann doch einige Meter weit. "Alles eine Frage der Übung und der Technik", sagen die Trainer Colin J. Tomlinson und Andrew C. Greig unisono.

Um Anfängern, aber auch fortgeschrittenen Golfern den Sport näher zu bringen und die eigenen Fähigkeiten zu verbessern, bietet der Golfclub in Wanlo in Kooperation mit dem Stadtsportbund und dem Sportbildungswerk in diesem Frühjahr eine in NRW einmalige Kursreihe an: mit dem Analysegerät "Golf SmartBalance Pro".

"Jeder Spieler hat seinen eigenen Körper und damit seine ganz eigene Weise den Ball zu schlagen", erklärt Colin Tomlinson, professioneller Golftrainer und Mitglied des Golfclubs. "Manche schlagen den Ball mehr aus der Hüfte heraus, manche nehmen die Kraft mehr aus dem Boden. Das ist zum Beispiel mein Stil", sagt Tomlinson, der neben den Abschlag-Übungsplätzen der Driving-Range auf dem Rittergut Wildenrath steht.

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Das SmartBalance Pro der Schweizer Firma Smart2Move besteht aus zwei mit Drucksensoren ausgestatteten Platten, die auf den Boden gelegt werden, und einer Software für das Tablet. Der Spieler stellt sich auf die beiden Platten und führt einen Schlag aus. Der Trainer filmt den Schlag - das sogenannte Screening. Mit dem Gerät wird die "Golfer-DNA" ermittelt, um den individuellen Schlagstil zu verstehen. "Früher gab es nur den einen richtigen Schwung, egal wie der Spieler gebaut war oder sich bewegte", sagt Tomlinson.

Die neuesten Erkenntnisse zeigen: Der Hüftschwung ist bei jedem Spieler unterschiedlich, so wie auch jede DNA unterschiedlich ist. "Viele der größten Golfspieler leiden heutzutage unter massiven Verletzung, vor allem im Becken- und Hüftbereich", sagt Wolfgang Rombey, Präsident des Stadtsportbunds und langjähriger, leidenschaftlicher Golfer. Die versammelten Experten sind sich einig, dass das aus einer aufgezwungenen Schlaghaltung herrührt. "Mit dem SmartBalance Pro können wir Trainer präzise erkennen, welchen Spielertyp wir vor uns haben. Ob dieser Spieler sein Gewicht anders oder stärker ausbalancieren muss, die Hüfte mehr oder weniger schwingen muss, oder sie doch parallel zum Ball und den Oberkörper arbeiten lassen sollte. Mit den Daten der Software können wir auf jeden interessierten Anfänger individuell eingehen", betont Greig, während er den Schlagstil seines Kollegen durch die Tablet-Kamera analysiert. Parallelen zu Trainingsmethoden anderer Sportarten, bei denen viel Präzision gefragt ist, wie Darts, werden bei der Demonstration deutlich.

Mit dem neuen Kursangebot will man weiter auf die Sportart aufmerksam machen und sie etablieren. Denn Golf hat in Wanlo nichts mit dem Klischee des Sports für Reiche und Elitäre zu tun. "Unsere Anlage ist öffentlich. Das heißt, dass hier im Grunde jeder hinkommen kann und den Golf-Sport einmal selbst entdecken kann", sagt Geschäftsführer Hans-Ludwig Hoffmann.

(dola)