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Billard: Gladbachs Poolbillard: in der Spitze stark, in der Breite schwach

Billard : Gladbachs Poolbillard: in der Spitze stark, in der Breite schwach

Bei den Stadtmeisterschaften kommen nur noch zwei Konkurrenzen mit 13 Teilnehmern zustande. Der Nachwuchs fehlt komplett.

Thomas Stappen hat ein paar Minuten Pause. Sein Spiel gegen Kevin Silva hat der 45-Jährige klar verloren, jetzt wartet er auf seinen nächsten Gegner. Stappen hat ein ordentliches Programm, er ist bei den Stadtmeisterschaften sowohl in der Herren- als auch in der Seniorenkonkurrenz angetreten, beim Modus "Jeder gegen jeden" kommt er damit auf elf Partien. Dass es trotzdem gut zu schaffen ist, liegt an der überschaubaren Anzahl der Teilnehmer. Fünf Spieler bei den Senioren, acht bei den Herren: Das Interesse an den Titelkämpfen im Poolbillard lässt zu wünschen übrig.

"Da hat leider auch der neue Termin zwischen den Feiertagen nichts geändert", sagt Claudia Martens-Halfpapp. Die Vorsitzende der Billard Union Mönchengladbach-Kempen hat mit ihrem Klub wieder die Ausrichtung der Stadtmeisterschaften übernommen, sie selbst ist aber im Billard-Café Nirvana zum Zuschauen verurteilt. Da sich sowohl bei den Ladys (ab 40 Jahre) als auch bei den Damen keine Gegnerinnen finden konnten, gewinnt sie beide Titel, ohne den Queue in die Hand genommen zu haben.

"Ich hätte es gerne anders gehabt und hoffe, dass sich in Zukunft auch wieder einige Frauen trauen, an den Meisterschaften teilzunehmen", sagt Martens-Halfpapp. Die Wettbewerbe der Schüler und Jugendlichen bis 21 Jahre konnte sie ganz aus dem Programm streichen. "Wir haben schon Kontakt zu Schulen aufgenommen und Billard-AG's angeboten. Aber letztlich kommen keine Jugendlichen bei uns im Verein an", sagt Martens-Halfpapp. Die Stadtmeisterschaften sind generell ein Spiegelbild der allgemeinen Lage ihres Sports in der Stadt.

Gab es in der 1980er Jahren noch Dutzende Billard-Klubs, die über Monate die Stadtmeister ermittelten, sind es mittlerweile nur noch zwei Vereine, die Billard Union und der 1. PBC Neuwerk. Eine Breite ist demnach kaum noch vorhanden, dabei sind Gladbachs Billardspieler in der Spitze sehr erfolgreich. Beide Klubs haben Deutsche Meister in ihren Reihen, und Neuwerk ist aktuell Tabellenführer der Zweiten Bundesliga Süd. Einen positiven Einfluss auf die Stadtmeisterschaften haben die jüngsten Erfolge aber nicht. Vom Lokalrivalen aus Neuwerk ist nur ein einziger Spieler nach Rheydt in das Billard-Café Nirvana gekommen: Thomas Stappen.

"Wieso sollte ich nicht an den Meisterschaften teilnehmen? Ich bekunde damit meine Sympathie für den Wettbewerb und den Ausrichter", sagt der 45-Jährige. Die Klubs seien gefragt, rauszugehen und sich um neue Mitglieder zu bemühen, sie würden aber auch mehr Unterstützung benötigen, fügt er hinzu, dann bereitet Stappen sich auf seine nächste Partie vor. In den Titelkampf kann er aber letztlich weder bei den Herren noch bei den Senioren eingreifen. Kevin Silva sichert sich bei den Herren den Titel vor Dennis Lamprecht (beide Billard Union) und dem derzeit vereinslosen Heiko Greis, der dafür bei den Senioren vor Jürgen Kels und Georg Langen (beide ebenfalls vereinslos) triumphiert. Stappen wird jeweils Letzter - bereut hat er seine Teilnahme aber keineswegs.

(togr)