Gladbacher HTC: Teamchef Schmidt spricht über die Tennis-Bundesliga

Interview Henrik Schmidt : „Das beste Team aller Zeiten aus GHTC-Sicht heißt ja nicht, dass wir die Liga gewinnen“

Der Gladbacher HTC wollte möglichst lange oben mitspielen in der Tennis-Bundesliga, am Ende wurde es nach zwei Siegen, fünf Unentschieden und fünf Niederlage Rang sechs. Der Teamchef spricht über die Saison und die Top-30-Regel der ATP, die mehr Einsätze zum Beispiel von Philipp Kohlschreiber verhindert hat.

Wie fällt Ihr Fazit aus?

Schmidt Wir hatten mit den drei Punkten vom letzten Wochenende einen versöhnlichen Saisonabschluss. Wenn ich mir einen Punkt hätte wünschen können, wäre es der erste Einzelsieg von Tim Sandkaulen gewesen, der ihm in Düsseldorf gelungen ist. Insgesamt gab es für uns in dieser Saison Plus und Minus.

Inwiefern?

Schmidt Positiv war die Stimmung im Team, wir haben einen guten Kader mit einem tollen Teamgeist und einer extrem guten Atmosphäre gehabt. Daran haben wir in den letzten Jahren gearbeitet, dass wir nur Leute verpflichten, die von unseren Spielern empfohlen oder mit ihnen befreundet sind. Die Spieler haben immer gekämpft und waren voll für das Team da – was man auch daran gesehen hat, dass vier Spieler auf Turniere verzichtet haben, als es bei uns noch um die Wurst ging. Das ist in der Tenniswelt nicht unbedingt selbstverständlich. Und die Entwicklung des Nachwuchses war toll. Sandkaulen kann nach seinem Sieg nun mit breiter Brust in die Einzel gehen, das war eine Belohnung für ihn, aber auch für unsere Arbeit. Hervorheben möchte ich noch Max Wiskandt, der zwar leider nicht gespielt hat, aber sich als Jugendspieler sensationell in die Mannschaft eingefügt hat und immer als Trainingspartner zur Verfügung stand oder die Doppelspieler eingespielt hat.

Gladbacher Freude im Rochusclub Düsseldorf: Max Wiskandt (links) bejubelt mit Tim Sandkaulen dessen ersten Einzelsieg in der Bundesliga. Foto: Henrik Schmidt

Und das Minus der Saison?

Schmidt Wir haben unser Saisonziel nicht erreicht, das muss man so sagen. Vielleicht hatten wir uns zu stark eingeschätzt oder wir haben die PS nicht auf den Platz gekriegt, die wir durch das Ranking hätten haben müssen. Das Positive daran ist: Es ist doch toll, dass man vorher nicht weiß, wer gewinnt. Am Sonntag wurde noch bis 19 Uhr gespielt, bis der zweite Absteiger feststand, weil sich Aachen gegen den Vizemeister Halle so sehr gewehrt hat. Das spricht dafür, dass die Liga interessant ist. Sie ist auf jeden Fall deutlich ausgeglichener als die Fußball-Bundesliga. Wir haben es erlebt gegen Neuss: Etat oder Ranking hin oder her – wenn es nicht läuft, verliert man gegen den Tabellenletzten.

Fünf Remis in neun Spielen sind sehr viel – hatte das etwas mit Konzentrationsmängeln zu tun?

Schmidt Mit den fünf Unentschieden sind wir hinter den Erwartungen geblieben, klar. Aber wenn man sich die einzelnen Spiele anschaut, haben die Gegner darin auch alles auf den Platz gebracht. Punkte liegengelassen haben wir in Köln, als wir nach den Einzeln 3:1 geführt haben. Da haben wir versucht, auf zwei Siege in den Doppeln zu spielen. Das ist eine taktische Variante, die man sich nachher vorwerfen lassen kann. In Reutlingen hat sie aber funktioniert. Genauso hätten wir in Halle nach einem 3:1 gewinnen müssen, haben da aber in den Doppeln einfach schlecht gespielt. Das 3:3 gegen Weinheim war leistungsgerecht, das 3:3 gegen Krefeld glücklich für uns.

Trotzdem – war das nicht insgesamt zu wenig für das „beste GHTC-Team aller Zeiten“, wie Sie vor der Saison gesagt haben?

Schmidt Das beste Team aller Zeiten aus GHTC-Sicht heißt ja nicht, dass wir die Liga gewinnen. 2016 hatten zwei andere ihre besten Teams aller Zeiten, aber wir sind Meister geworden.

Philipp Kohlschreiber gewann seine beiden Einzel in dieser Saison für den GHTC, die Bilanz im Doppel lautet 1:1. Foto: Georg Amend

Es hätte besser laufen können, wenn etwa Phillip Kohlschreiber öfter hätte spielen dürfen...

Schmidt Kohlschreiber hat wirklich Lust auf Bundesliga, aber er fiel der Top-30-Regel zum Opfer, dass Spieler, die am 31. Dezember des Vorjahres unter den besten 30 der Welt standen, in der neuen Saison nicht Bundesliga spielen dürfen, wenn parallel ein hochkarätiges ATP-Turnier stattfindet. Wir haben im September eine Sitzung aller Bundesliga-Teamchefs und wollen dann bei der ATP anfragen lassen, ob man diese Regel streichen kann. Wenn ein Spieler schon dienstags aus einem Turnier ausscheidet und dann gerne noch ein Spiel machen würde, um sich auf das nächste Turnier vorzubereiten, ist das Unsinn, dass er das dann nicht darf. Es ist ja auch für die Bundesliga nicht schön, wenn die besten Leute nicht spielen dürfen, wenn es um die Wurst geht. Wir sehen aber gute Chancen, dass die ATP die Regel überdenkt.

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