GHTC-Coach Klatt über den verpatzten Aufstieg „Es ist immer noch bitter, wenn ich darüber nachdenke“

Interview | Hockey · Im großen Interview spricht Jan Klatt, Hockeytrainer des Gladbacher HTC, über den verpatzten Bundesliga-Aufstieg in der Halle, welche Lehren er daraus zieht und blickt voraus auf die bald wieder startende Feldsaison.

 GHTC-Coach Jan Klatt

GHTC-Coach Jan Klatt

Foto: Dieter Wiechmann

Herr Klatt, mit etwas Abstand: Wie schauen Sie auf das turbulente Saisonfinale zurück, in dem der Aufstieg trotz guter Ausgangslage verpasst wurde? Nach sechs Siegen in Folge gingen schließlich die entscheidenden Rückrundenspiele gegen Köln und Düsseldorf verloren.

Jan Klatt Der Blick zurück fällt noch etwas schwer. Denn es hätte anders laufen können. Wir haben die beiden entscheidenden Spiele gegen Köln und Düsseldorf unglücklich in den letzten Minuten verloren – das ist immer noch bitter, wenn ich darüber nachdenke. Das einzig Positive: Wir beginnen am 1. März mit der Vorbereitung auf die Feldsaison. Wir haben also gar nicht so viel Zeit, uns damit zu beschäftigen. Ich werde das Thema noch einmal ansprechen, aber nur kurz. Es geht eher darum, welche Lehren wir daraus ziehen, um künftig mental besser vorbereitet zu sein.

Was hat in den entscheidenden Spielen gegen die direkten Konkurrenten aus Köln und Düsseldorf gefehlt?

Klatt Vielleicht hat uns ein bisschen die Qualität in der Breite gefehlt – und dem einen oder anderen jungen Spieler etwas die Erfahrung. In beiden Spielen waren letztendlich Nuancen entscheidend. Wir bekommen jeweils in den letzten Minuten eine Karte und sind in Unterzahl. Dazu diskutieren wir mit dem Schiedsrichter. Hätten wir das nicht gemacht, wäre mindestens ein Spiel Unentschieden ausgegangen, da bin ich mir sicher. Im Endeffekt ist es total schade für die Mannschaft und den Verein, dass man sich nicht belohnt hat. Vielleicht muss ich mir aber auch in der Vorbereitung etwas ankreiden lassen. Da habe ich auf die Bremse getreten, weil ich kein Risiko eingehen wollte. Ich habe auf zusätzliche Einheiten und Testspiele verzichtet. Das war die ganz extreme Corona-Phase im Januar, in der wir jeglicher Gefahr aus dem Weg gehen wollten.

Inwiefern war auch der Kopf entscheidend, dass die gute Ausgangsposition nicht ins Ziel gebracht wurde?

Klatt Das kann sicherlich damit zu tun haben. Vielleicht waren wir etwas gehemmt. Gegen Köln lagen wir bereits 4:1 und 5:2 in Führung. Mit dem Sieg hätten wir es dann in der eigenen Hand gehabt. Dann wäre auch das Spiel gegen Essen nicht schiefgegangen, da bin ich mir sicher. Diese Niederlage in Essen (6:8, Anm. d. Red.) hat mich richtig geärgert, weil wir da theoretisch noch Chancen auf den Aufstieg hatten. Das war aber ein ganz schlechter Tag von uns.

Hat es eine Rolle gespielt, dass ihr Rückrundenstart in Essen wegen Baumaßnahmen an der dortigen Halle kurzfristig ausfiel? Dadurch mussten Sie gleich mit den Topspielen zurück in den Ligabetrieb starten.

Klatt Vielleicht hat auch dies eine Rolle gespielt. Wir hätten dadurch schon ein Spiel mit Wettkampf-Niveau gehabt. Das wäre wichtig gewesen. Aber ganz ehrlich: Das sollte keiner als Entschuldigung heranziehen.

Ihr Topspieler, Mustaphaa Cassiem, fehlte in der Rückrunde aufgrund von Einsätzen in der südafrikanischen Nationalmannschaft. War das auch ein Faktor?

Klatt Ich möchte unbedingt betonen, dass er nur in den ersten vier Spielen dabei war. Wir haben die folgenden beiden Partien auch ohne ihn gewonnen – plus das letzte Spiel gegen Oberhausen. Aber Mustaphaa hätte der Mannschaft in diesen Spielen sicherlich mehr Stabilität gegeben. Es ist unfassbar, was er in jungen Jahren bereits an Power und Ausstrahlung besitzt. Über so einen Spieler würde sich jedes Team freuen.

Ist mit einer Rückkehr von Mustaphaa und Dayaan Cassiem zum GHTC für die Feldsaison zu rechnen?

Klatt Die Spieler haben gesagt, dass sie wiederkommen wollen. Corona steht dem hoffentlich nicht mehr im Wege, auch die Visa sollten wir hinbekommen. Das einzige Problem ist die Hockey Pro League: Mustaphaa und Dayaan haben zuletzt acht Spiele in zwölf Tagen für Südafrika bestritten, während der Saison stehen zwei weitere Spiele an, die genau auf ein Spieltagwochenende von uns fallen. Wir sind auf jeden Fall in Kontakt mit den Jungs. Vielleicht rotieren die beiden in der Nationalmannschaft, sodass immer einer für uns spielen könnte. Unsere anderen Südafrikaner, Melrick Maddocks und Tevin Kok, waren zuletzt nicht für Südafrika im Einsatz: Tevin wegen einer Handoperation, Melrick wurde nicht nominiert. Aber klar ist: Sie alle haben gesagt, sie würden gerne weiter für den GHTC spielen.

Woher kommt eigentlich der gute Draht nach Südafrika?

Klatt Der kommt über einen unserer Betreuer. Dayaan hat etwas in Europa gesucht und ist dabei zufällig auf Alexander gestoßen. Dayaan spielte in den Vorjahren ja bereits bei uns. Das hat ihm gut gefallen, nicht nur hockeymäßig, sondern auch wegen des Umfelds. Und er sprach damals schon immer von seinem jüngeren Bruder Mustaphaa, der noch viel besser sei als er. Corona hat dann einiges verschoben, weshalb klar war, dass Dayaan zu uns zurückkommen würde – und dann seinen Bruder mitbringt. Zwischenzeitlich gab es dann etwas Anspannung bei uns, weil beide bei Olympia in Tokio so gut waren und holländische, belgische und deutsche Klubs aus der Bundesliga hinter den beiden her waren. Glücklicherweise sind sie aber doch zu uns gekommen und haben noch Melrick und Tevin mitgebracht. Es wird für uns aber immer schwieriger, Mustaphaa und Dayaan zu halten. Holländische und belgische Vereine stehen parat.

Welche Spieler haben Sie ansonsten in der Hallensaison positiv überrascht?

Klatt Da ist sicherlich Jan Krauß zu nennen. Er hat seine ersten Halleneinsätze bestritten und auch Tore gemacht. Außerdem ist Wei Adams positiv zu erwähnen. In seiner Heimat Schottland spielt man eigentlich kein Hallenhockey. Wei ist aber schon ziemlich lange in Deutschland. Er sagt zwar selbst, er kann das nicht, in dieser Saison hat er seine Feldhockey-Fähigkeiten, das Kämpferische, aber richtig cool in die Halle transportiert.

Welche spielerischen und taktischen Elemente haben Ihnen in der Saison gefallen?

Klatt Gut funktioniert hat eigentlich, was ich gar nicht so gerne spiele: der defensivere Ansatz. Ich lasse als Trainer lieber Pressing spielen, weil das mehr Aktion bringt. Aber das haben wir kaum gespielt, da wir mit dem tieferen Defensivsystem richtig gut waren. Dadurch gab es mehr Stabilität.

Sie haben das defensivere System aber auch ohne Mustaphaa Cassiem größtenteils beibehalten.

Klatt Das System hat gut geklappt und war von der Mannschaft auch so gewünscht. In der Vorbereitung haben wir im Training und in den Testspielen mit Pressing gespielt. Da mussten wir aber feststellen, dass das nicht gut klappt. Das Risiko zu wechseln, ist dann sehr groß. Gegen Köln führten wir ja bereits mit 4:1 und 5:2, verlieren das Spiel in doppelter Unterzahl in den letzten Minuten. Da stellt man nicht mehr auf ein offensiveres System um. Gegen Düsseldorf haben wir dann in der zweiten Halbzeit offensiver gespielt, das hat trotz der Niederlage auch gut geklappt. Gegen Essen haben wir es ebenfalls offensiver gespielt, da ging es aber in die Hose.

Schauen wir nach vorne auf die anstehende Feldsaison. Wird sich der Kader verändern?

Klatt Tobias Braun wird uns verlassen, er macht eine Weltreise. Er wird uns im Mittelfeld mit seiner Power sehr fehlen. Bei den Südafrikanern ist es hingegen noch nicht klar, wie es weitergeht. Ansonsten freue ich mich auf die Rückkehr von Luca Lindner, der nach zwei Hüft-Operationen und eineinhalb Jahre Auszeit wieder dabei ist. Vor seinen Verletzungen war er mit 18 Jahren richtig durchgestartet bei uns. Von ihm darf man am Anfang aber noch nicht zu viel erwarten. Ansonsten sind wir noch an zwei bis drei Spieler dran, die die Breite verstärken. Dazu ist der 2005er-Jahrgang nun spielberechtigt. Da werden wir ein paar Spieler in den Trainingskader einbauen, die möglicherweise auch Spielzeit bekommen. Auf diese Jungs und Eigengewächse freuen wir uns sehr, auch in den nächsten Jahren.

Wie sieht die Vorbereitung aus? Muss bei der Umstellung von der Halle auf das Feld etwas beachtet werden?

Klatt Wir starten mit dem Training am 1. März. Dann haben wir sieben Wochen Zeit bis zum ersten Ligaspiel, was normal ist. Von der Umstellung auf das Feld ist nicht viel zu beachten. Nur hockeytechnisch ist es bisschen was anders.

Wo liegen die Unterschiede zwischen Halle und Feld?

Klatt In der Halle ist die Spielfläche kleiner, wodurch das Spiel dynamischer ist. Hallenhockey ist sehr technisch, mit vielen Richtungswechseln. Es fallen auch deutlich mehr Tore. Auf dem Feld ist hingegen der Effekt von schnelleren Spielern wichtig. Hier kommt es auf die Übersicht an. Hockey ist außerdem in den letzten Jahren viel athletischer geworden. 

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