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Fußball: Wie Max Krause in Amerika fast in der MLS gelandet wäre

Das College-Fußball-Abenteuer von Max Krause : Ein Realist im Land der unbegrenzten Möglichkeiten

Mit einem Sportstipendium war Max Krause – ehemaliger Nachwuchskicker vom 1. FC Mönchengladbach – 2017 in die USA gegangen und sorgte dort in der College-Fußballliga für Furore. Seine Trainer sahen ihn bereits in der Major League Soccer, der höchsten Profiliga des Landes. Doch Krause hat eine andere Vorstellung, wie sein „American Dream“ weitergeht.

Zlatan Ibrahimovic, David Beckham, Bastian Schweinsteiger, Thierry Henry: In der amerikanischen Major League Soccer (MLS) sind schon einige große Namen des Weltfußballs aufgelaufen. Und wäre es nach den Fußballtrainern des Holy Cross College in Massachusetts gegangen, dann würde bald auch Max Krause in Amerikas höchster Profiliga spielen. Der 23-jährige gebürtige Korschenbroicher schnürt seit 2017 für das College in der Patriot League seine Schuhe, ist bereits in seinem zweiten Jahr zum Kapitän ernannt worden und hat als Spielmacher in der abgelaufenen Saison den Vorlagenrekord der Uni gebrochen. „Meine Trainer würden schon gerne sehen, dass ich es probiere, in die MLS zu kommen“, erzählt Krause. „Aber mir ist die Aussicht zu unsicher, deshalb habe ich mich für einen anderen Weg entschieden.“

Sein bisheriger Weg in den USA startete im Jahr 2017: Damals spielte der Nachwuchskicker noch in der Jugend des 1. FC Mönchengladbach und konnte dort in der Niederrhein- und auch in der U19-Bundesliga mit Leistungen überzeugen. „Mir haben damals schon viele Leute gesagt, dass ich was aus meinem Talent machen kann“, erinnert sich Krause. Zu diesem Zeitpunkt hatte er schon mehrere Angebote des 1. FC Köln ausgeschlagen, obwohl der Bundesligist sehr an dem talentierten Offensivmann interessiert war. „Ich wollte aber mein Abitur in Ruhe zu Ende machen und bin deshalb beim 1. FC Mönchengladbach geblieben“, so Krause, dessen Vater Klaus ebenfalls für die Westender gespielt hat.

 Max Krause College of the Holy Cross in Massachusetts.
Max Krause College of the Holy Cross in Massachusetts. Foto: Max Krause
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Das Thema Fußballprofi war damit aber keineswegs vom Tisch. Im Gegenteil – es nahm dann erst richtig Fahrt auf. In einem Sichtungsturnier vor amerikanischen College-Trainern stellte der Korschenbroicher sein Können unter Beweis, landete bei mehreren Dutzend Universitäten auf dem Zettel. Am Ende entschied er sich für das College of the Holy Cross in Worcester, Massachusetts, um dort – neben dem Fußball – obendrein Wirtschaft und internationale Beziehungen zu studieren. Finanziert wurde seine Zeit dort durch ein Sportstipendium.

Neben dem fachlich guten Ruf der Uni war auch Chefcoach Marco Koolman ein Faktor, wieso sich Krause für das Holy Cross entschieden hat. Der gebürtige Niederländer nahm sich bei einem Heimatbesuch in Nijmegen die Zeit, Krause bei einigen Jugendspielen zu beobachten – besuchte zudem die Familie zu Hause und hinterließ so einen überzeugenden Eindruck.

 Max Krause spielte in der Jugend des 1. FC Mönchengladbach.
Max Krause spielte in der Jugend des 1. FC Mönchengladbach. Foto: Fupa.net

Und so ging es für den damals 19-Jährigen im Juli 2017 nach Amerika. Von sich selbst sagt Krause auch heute noch, dass ihm in manchen Situationen etwas Selbstvertrauen fehlen würde. Am Abend vor seinem ersten Training am College machte sich das bemerkbar. „Ich saß da alleine in meinem Zimmer und hab mich gefragt, wie ich jemals auf die Idee kommen konnte, alleine – ohne Freunde und Familie – nach Amerika zu gehen“, erzählt er. Doch die anfängliche Panik verflog bereits am nächsten Tag, als er seine neuen Teamkollegen kennenlernte und den großen, hochmodernen Athletikkomplex der Fußballer am Holy Cross sah. „Ich war Freshman und der einzige internationale Spieler im Kader. Es gab zwar noch zwei Kanadier, aber für die war die Umstellung bei Weitem nicht so groß wie für mich. Zum Glück wurde ich im Team super aufgenommen“, sagt Krause.

Umstellen musste sich der gelernte Spielmacher auch – und vor allem – auf dem Fußballfeld. Da es die Position des klassischen Zehners in dem 4-4-2-Spielsystem von Holy Cross nicht gab, agierte Krause stets auf der Achter-Position. Zudem ist der amerikanische Spielstil viel durch Körperlichkeit und Physis geprägt. „In Deutschland hat man mehr Zeit am Ball, alles ist ein wenig technischer und taktischer. In den USA ist der Fußball sehr intensiv – vom Stil vergleichbar mit der zweiten englischen Liga“, sagt er.

Auch das Pensum, das Krause von Beginn an gehen musste, war hart. Drei Spiele in acht Tagen: Sonntag, Mittwoch, Sonntag. Mit teilweise weiten Bus- und Flugreisen. „Und das nebenbei zum Studium, das hat mich im ersten Jahr echt umgehauen.“ Doch der junge Korschenbroicher nahm die Herausforderung in der neuen Umgebung von Anfang an mit Bravour an, avancierte innerhalb kürzester Zeit zum Dreh- und Angelpunkt im System von Chefcoach Marco Koolman und wurde sogar schon in seinem zweiten Jahr zum Kapitän des Teams ernannt.

„In Deutschland war ich auch meistens Kapitän, aber das war schon noch einmal eine andere Hausnummer. Dass mich die Mitspieler und Trainer direkt so respektiert haben, hat mich extrem stolz gemacht“, sagt Krause. Ein knapp sechsminütiges Video auf Youtube zeigt seine teilweise spektakulären Tore und Vorlagen in der College-Liga. 2017 stand er dort mit den „Crusadern“ – wie die Holy-Cross-Teams genannt werden – sogar im Finale, unterlag dort allerdings 0:1. Hochgeladen wurde das Highlight-Video Ende Januar 2020 – kurz danach sollte sich durch die Corona-Pandemie weltweit vieles verändern. So auch für Max Krause und sein Abenteuer in Amerika.

„Im März 2020 hab ich mich gefragt, flieg ich erst einmal zurück nach Deutschland, oder bleibe ich hier“, erinnert sich Krause an den Beginn der Pandemie. Da sein Semester online weiterlief, und er das nicht mit sechs Stunden Zeitverschiebung aus Deutschland angehen wollte, zog der Student für zwei Monate zu seiner Freundin. Erst in den Semesterferien kam Krause im Sommer 2020 nach Deutschland, hielt sich beim Training des 1. FC Mönchengladbach fit und kehrte am 22. Juli für seine letzte College-Fußballsaison zurück in die USA.

„Ich war gerade wieder angekommen, da wurde entschieden, dass die Saison nicht stattfinden wird. Also habe ich mir ein Freisemester genommen, um erst 2021 weiterzumachen mit dem Studium – ich wollte nämlich unbedingt die letzte Saison noch fürs Team spielen.“

Krause kam also erneut nach Deutschland zurück. Im Herbst spielte er dann sogar für den SC Union Nettetal in der Oberliga. „Ich wollte ja trotzdem fit bleiben. Aus dem Nettetaler Kader kannte ich noch einige Spieler aus meiner Zeit beim 1. FC und auch mit Coach Andrea Schwan verstehe ich mich super.“

Parallel arbeitete er als Praktikant von Deutschland aus für eine Firma in Boston. „Das Unternehmen investiert in Start-Ups, die im Bereich der künstlichen Intelligenz für das Gesundheits- und Finanzwesen aktiv sind. Da habe ich schon gemerkt, dass mir das riesigen Spaß macht“, sagt Krause.

Und auch das Unternehmen in Boston fand damals Gefallen am Engagement und den Qualitäten des deutschen Studenten. Zurück in den USA erweiterte Krause deshalb sein Praktikum und konnte vor Ort sein Können unter Beweis stellen. „Ich war dann endlich auch mal in der gleichen Zeitzone wie die Leute im Unternehmen. Und so langsam musste ich mir ja auch Gedanken machen, was ich nach der Uni machen werde“, sagt Krause. Denn obwohl er in seiner letzten College-Saison am Holy Cross den Vorlagenrekord der Universität gebrochen hat und in der ligaweiten Scorerliste den zweiten Platz belegte, kam dem 23-Jährigen eine Erkenntnis: Zum Fußballprofi wird er es wohl nicht bringen.

„Für die zweite Liga hätte es nach dem College sicherlich gereicht. Allerdings ist es auf Dauer schwierig, davon zu leben. Die Liga muss man als Sprungbrett für die MLS nehmen. Meine Trainer wollten auch, dass ich das mache. Sie sind aber auch nicht sauer und verstehen, dass ich mich anders entschieden habe.“ Denn der talentierte Fußballer hat auch außerhalb des Platzes in Amerika seine Spuren hinterlassen und von der Firma in Boston ein Jobangebot erhalten. „Ich bin jetzt 23 Jahre alt und wollte diese Chance ergreifen“, sagt Krause, der im März das nächste große Kapitel in den USA angehen wird, dann in Boston.

Vielleicht hätte sich Krause mit seinem Talent im amerikanischen Fußball durchsetzen können und wäre in einigen Jahren tatsächlich in die Liga der Schweinsteigers und Beckhams gekommen – so wie es sich seine Trainer gewünscht hätten. Vielleicht hätte er aber auch für diese theoretische Chance seine Vorstellung des „American Dreams“ mit dem Traumjob in Boston aufs Spiel gesetzt. Am Ende hat der 23-Jährige eine besonne Entscheidung getroffen: Ein Realist im Land der unbegrenzten Möglichkeiten.