Eskalationen auf dem Platz Spielabbrüche im Fußball: Sind Pausen ein Heilmittel?

Fußball · Gewalt, Beleidigungen und Drohungen haben im Amateurfußball zugenommen. Wöchentlich werden deutschlandweit viele Spiele abgebrochen. Der Württembergische Fußballverband hat dagegen ein Mittel erprobt, was auch anderswo jetzt Anwendung finden könnte.

 Bevor ein Schiedsrichter zum letzten Mittel Spielabbruch greift, kann er alternativ auch vorher Deeskalations-Pausen anordnen (Symbolbild).

Bevor ein Schiedsrichter zum letzten Mittel Spielabbruch greift, kann er alternativ auch vorher Deeskalations-Pausen anordnen (Symbolbild).

Foto: imago sportfotodienst

Auf deutschen Sportplätzen gibt es regelmäßig Spielabbrüche nach Gewalttaten, Beleidigungen und Drohungen. Deshalb spricht der Deutsche Fußball-Bund (DFB) in seinem Lagebild des Amateurfußballs von einer enttäuschenden Entwicklung. Der Württembergische Fußballverband (WFV) hat deshalb ein deeskalierendes Modell erfolgreich erprobt und im Spielbetrieb implementiert, nachdem mehrere Spielpausen in heißen Situationen für Ruhe sorgen sollen. Könnte es als Vorbild für ganz Deutschland dienen?

„Weil die Erkenntnisse aus den Pilotbezirken positiv waren, sprach sich der Verbandsspielausschuss für eine verbandsweite Umsetzung in der Spielzeit 2023/24 aus“, erklärt der WFV auf seiner Homepage. Das Modell könnte auch als „Fünf-Minuten-Pause“ bezeichnet werden, denn genau hierum geht es: Zeigen einzelne oder mehrere Personen wiederholt aggressives Verhalten, dürfen Schiedsrichter die Partie für fünf Minuten unterbrechen. Bleibt die Stimmung auch nach dieser Unterbrechung erhitzt, dürfen Schiedsrichter erneut die Partie für fünf Minuten unterbrechen. Sollte selbst nach der zweiten Fünf-Minuten-Pause keine Besserung eintreten, soll der Schiedsrichter die Partie abbrechen. Der WFV ergänzt: „Es handelt sich nicht um eine Regeländerung, sondern eine konkrete Handlungsanweisung für unsere Schiedsrichter, die vom bestehenden Regelwerk gedeckt ist.“

Durch diesen Ansatz erhalten die Schiedsrichter noch mehr Kontrolle über die Partie, weil schon nach der ersten Fünf-Minuten-Pause allen Beteiligten klar sein sollte, dass die Begegnung im Begriff ist, abgebrochen zu werden. Die Pilotphase hat offenbar gezeigt, dass sich Zuschauer und Teams nach der Unterbrechung beruhigt haben. Die Pausen sind bei schlimmen Vergehen wie Rudelbildungen mit körperlicher Gewalt natürlich nicht erforderlich: Hier kann eine Partie immer noch unmittelbar abgebrochen werden.

(anü)
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