1. NRW
  2. Städte
  3. Mönchengladbach
  4. Regionalsport

Fußball-Oberliga: Wieso höherklassige Erfahrung nicht gleich Erfolg bedeutet​

Ex-Regionalligaspieler in der Oberliga : Wieso höherklassige Erfahrung nicht gleich Erfolg bedeutet

In der Oberliga-Abstiegsrunde treffen ganz unterschiedliche Kaderstrukturen aufeinander. Denn einige Teams sind gespickt mit Ex-Regionalligaspielern – mit gemischten Erfolgen. Umso bemerkenswerter ist der nun feststehende Klassenerhalt von Union Nettetal.

Bei den direkten Vergleichen und den ganzen direkten Duellen in einer Abstiegsrunde kann man in Sachen Klassenerhalt schon mal den Überblick verlieren. Also befasste sich der Co-Trainer von Union Nettetal zu Wochenbeginn noch einmal intensiv mit der Tabelle – und stellte fest: Nettetal hat den Klassenerhalt bereits sicher.

  Maciej Zieba (SC West) spielte 3. Liga.
Maciej Zieba (SC West) spielte 3. Liga. Foto: rp/Benefoto

Zwar kann Sterkrade-Nord mit einem Sieg im Nachholspiel den Vorsprung des SCU auf den ersten Abstiegsplatz wieder auf elf Zählern verringern – bei noch maximal zwölf zu vergebenen Punkten für jedes Team. Allerdings spielt Strekrade im Anschluss noch gegen den FC Kray, der kurz vor den Abstiegsplätzen liegt. Da nehmen sich beide Mannschaften also gegenseitig die Punkte weg. Falls Stekrade dort verliert, ist Nettetal ohnehin nicht mehr einholbar. Verliert Kray, kann die Mannschaft zwar rechnerisch mit Union bei neun Punkten Rückstand noch gleichziehen, doch der direkte Vergleich spricht dann wiederum für den SCU. Klingt alles kompliziert. Aber die entscheidende Erkenntnis: Nettetal spielt sicher in der kommenden Saison seine fünfte Oberliga-Spielzeit.

  • Chris Hermann (l.) und die Leichlinger
    Basketball in der Region : Leichlinger TV kann den Abstieg nicht verhindern
  • Teutonias Trainer Justin Müller, hier am
    Amateur-Fußball : Teutonia kann Klassenerhalt sichern
  • Xantens Landesliga-Handballer, hier Dominik Sernetz (l.),
    Handball-Landesliga : TuS Xanten verhindert direkten Abstieg

Für Union Nettetal ist das ein großer Erfolg, vor allem, da der Verein bevorzugt auf junge Spieler setzt, die keine Erfahrung aus höheren Spielklassen mitbringen. „In der Oberliga befinden wir uns mit unseren finanziellen Möglichkeiten sicherlich im unteren Drittel. Bei uns wird durch den Etat in der Seniorenabteilung nicht nur die erste Mannschaft, sondern auch bewusst die U23 und die A-Jugend mitfinanziert, um unseren Unterbau zu fördern und nachhaltig zu arbeiten“, sagt Nettetals Trainer Andreas Schwan.

  Drilon Istrefi spielte einst Regionalliga.
Drilon Istrefi spielte einst Regionalliga. Foto: Heiko van der Velden

Das Gefälle in diesem Bereich ist unter den Vereinen der Oberliga-Abstiegsrunde allerdings groß: Denn während sich bei einigen Mannschaften wie Nettetal kaum Spieler im Kader befinden, die mal höherklassig gespielt haben, scheinen andere Vereine geradezu solche Spieler zu suchen. Dass das nicht unbedingt mehr Erfolg bedeutet, dazu reicht alleine der Blick auf die Tabelle. Denn der SC West mit sechs Spielern, die mal höherklassig gespielt haben (zusammen 1013 Einsätze), und der FSV Duisburg mit gar zehn Spielern (575 Einsätze) stecken tief drin im Abstiegskampf: West rangiert derzeit auf einem Abstiegsplatz, Duisburg liegt nur einen Platz über dem Strich.

 Martin Wagner (SC West) war Drittligaprofi.
Martin Wagner (SC West) war Drittligaprofi. Foto: RP/HORSTMUELLER GmbH

„Die jetzige Saison hat meiner Ansicht nach gezeigt, dass man sich mit Ex-Regionalligaspielern nicht automatisch Erfolg reinholt. Ein Spieler, der schon mal Regionalliga gespielt hat, für den ist die Oberliga nichts Besonderes mehr. Irgendwo fehlt da vielleicht auch die letzte Motivation, was bei unserer jungen Mannschaft gepaart mit den erfahrenen Führungsspielern völlig anders ist“, sagt Schwan und fügt an: „Ich finde allerdings den anderen Weg nicht verwerflich und genauso legitim, jedoch ist er mit einem deutlich höheren Etat verbunden.“

Die Gründe, warum Spieler mit höherklassiger Erfahrung in die Oberliga kommen, sind vielfältig: Zum einen lässt sich kurz vor dem Karriereende selbst in dieser Spielklasse bei manchen Vereinen noch gutes Geld verdienen, zum anderen ist es vermeintlich die letzte Möglichkeit, sich doch noch einmal für höhere Aufgaben zu empfehlen. Es gibt aber noch weitere Modelle, wie das von Teutonia St. Tönis, bei dem der Unternehmer Holger Krebs rund ein Drittel des Saisonbudgets der Fußballabteilung stemmt – und den Spielern zusätzlich berufliche Perspektiven in seinem Unternehmen, der Kick Group, bietet. Das lockt auch renommierte Ex-Profis: Samed Yesil stand einst beim FC Liverpool unter Vertrag, Verteidiger Giannis Alexiou bringt Erfahrung aus der 1. Liga in Griechenland mit. Dennoch spielt auch St. Tönis trotz der namhaften Spieler noch gegen den Abstieg.

Ganz ohne Erfahrung aus höheren Ligen scheint es in der Oberliga aber auch nicht zu funktionieren: Niedwenigern, Sterkrade-Nord, der SC Velbert oder der 1. FC Mönchengladbach haben kaum Spieler mit Vergangenheit in höherklassigen Ligen im Kader – und steigen vermutlich allesamt in die Landesliga ab.

Nettetal, mit drei Ex-Regionalligaspielern, als aktueller Tabellenführer der Abstiegsrunde und Jahn Hiesfeld, das mit nur einem Ex-Regionalliga-Spieler auf Platz drei liegt, stechen da positiv heraus. Wobei Jahn Hiesfeld sich trotz des fast sicheren Klassenerhalts wohl freiwillig aus der Oberliga zurückziehen wird.