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Fußball: Immer weniger Schiedsrichter - Kreise schlagen Alarm

„Wir können nicht mehr alle Spiele besetzen“ : Die Schiedsrichter-Not in den Fußballkreisen

Die Fußballkreise schlagen Alarm, denn die Zahlen der aktiven Schiedsrichter sind stark rückläufig. In den Fußballkreisen Mönchengladbach-Viersen und Heinsberg können bereits einige Spiele im Jugend- und Senioren-Bereich nicht mehr besetzt werden. Woran liegt das?

Als Jan Michiels am Dienstagabend in seine Schiedsrichterkabine in Mennrath kommt – kurz zuvor hat er das C-Junioren-Spiel zwischen dem SC Victoria und Borussia Mönchengladbach geleitet – sieht er eine Nachricht auf seinem Handy. Ob er am Mittwochabend bei einem anderen Spiel erneut als Schiedsrichter einspringen könne? „Ich habe natürlich sofort zugesagt,“ so der 20-jährige Unparteiische. „Ich liebe es Schiedsrichter zu sein.“ Schon die Tage zuvor stand er mit der Pfeife auf dem Fußballplatz: am Samstag, am Sonntag bei zwei Partien, am Montag, am Dienstag und eben am Mittwoch. Jan Michiels pfeift aus Spaß und Leidenschaft. Dass er seit Beginn der Vorbereitungsspiele im Juni knapp 40 Partien geleitet hat, liegt aber auch an den Zahlen der aktiven Schiedsrichter im Fußballkreis Mönchengladbach-Viersen. Die sind seit Beginn der Corona-Pandemie nämlich rückläufig.

 Jan Michiels ist 20 Jahre alt und seit zwei Spielzeiten leidenschaftlicher Schiedsrichter in Mönchengladbach.
Jan Michiels ist 20 Jahre alt und seit zwei Spielzeiten leidenschaftlicher Schiedsrichter in Mönchengladbach. Foto: Sebastian Kalenberg

Noch vor zwei Jahren gab es im Kreis rund 150 aktive Schiedsrichter. Dazu zählen die pfeifenden Unparteiischen auf den Plätzen, aber auch die Schiedsrichter-Beobachter am Rand. In dieser Saison sind es nur noch 131, wie Kreis-Schiedsrichter-Obmann Rene Donné sagt. „Wir waren in den vergangenen Jahren im Bereich der Schiedsrichter eigentlich sehr gut aufgestellt, nun haben wir aber einen erheblichen Rückgang erleben müssen“, erklärt er. Mit der momentanen Anzahl an Unparteiischen würde es immer schwerer werden, alle Spiele im Kreis zu besetzen. Erste Auswirkungen sind in der Kreisliga C der Senioren und im Jugend- und Alt-Herren-Bereich bereits zu spüren. „Da wird es knapp mit Schiedsrichtern, die Partien können aber auch nicht verlegt werden. Also müssen Betreuer die Aufgabe übernehmen. Das ist sicherlich nicht optimal“, sagt Donné.

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Im Fußballkreis Heinsberg haben sich die Zahlen ähnlich verschlechtert. 2018 gab es 152 aktive Schiedsrichter, nun sind es noch 139. Dennis Schmitz, Kommissarischer Vorsitzender des Kreisschiedsrichterausschusses, erklärt: „Bei uns sind die Zahlen leider schon länger rückläufig. Das zeigt eine Übersicht aus den vergangenen 20 Jahren. Ein Problem, das wir aber auch generell in Deutschland beobachten. Es gibt immer weniger Menschen, die Schiedsrichter sind oder werden wollen.“ Noch vor zehn Jahren waren laut DFB-Statistik 78.000 Schiedsrichter bundesweit auf den Plätzen mit mindestens einem Einsatz aktiv, in der Saison 18/19 waren es nur noch 56.000. Für die Saison 19/20, der ersten coronabedingt abgebrochen Spielzeit, waren es lediglich 51.000.

Wie in Mönchengladbach-Viersen, werde es auch im Kreis Heinsberg zunehmend schwieriger, alle Begegnungen flächendeckend mit Schiedsrichtern zu besetzen. So müssen bei Jugendspielen der D-Junioren oder bei Partien der Kreisliga D im Herrenbereich oft Betreuer das Spiel leiten.

In beiden Fußballkreisen hat man sich auf die Ursachenforschung für die rückläufigen Schiedsrichter-Zahlen begeben: Corona und die lange Zeit, in der überhaupt kein Fußball stattfinden konnte, spielen natürlich eine Rolle. „Vielleicht haben die Leute in dieser langen Pause andere Hobbies gefunden, denen sie jetzt lieber nachgehen wollen“, sagt Mönchengladbachs Schiedsrichter-Obmann Donné. „Es gab auch einige alters- und verletzungsbedingte Abmeldungen. Die hat man natürlich in jedem Jahr, allerdings kam zuletzt auch weniger Nachwuchs hinzu, da wir aufgrund der Pandemie keine oder kaum Lehrgänge anbieten konnten.“

Immerhin haben jetzt elf neue Schiedsrichter zur neuen Saison angefangen, die ihre Lehrgänge zur Pandemie ausschließlich online abhalten konnten. „Die müssen wir jetzt erst einmal langsam heranführen, wir haben ja noch gar nicht diesen direkten Draht zu ihnen, weil die Lehrgänge nur online möglich waren“, so Donné.

Im Kreis Heinsberg wurden die Schiedsrichter in den vergangenen Jahren nach den Gründen gefragt, wieso sie nicht weiter als Schiedsrichter tätig sein möchten oder können. Bei vielen spielten berufliche, schulische oder ähnliche Aspekte eine Rolle – allerdings nicht nur: „Es gab auch einige Schiedsrichter, die aufgrund schlechter Erfahrungen bei Spielen aufgehört haben.“ Und der Nachwuchs im Kreis Heinsberg? Auch dort zeichnet sich ein ähnliches Bild wie in Mönchengladbach-Viersen ab. Die Anwärter-Lehrgänge konnten pandemiebedingt erst gar nicht und dann nur online stattfinden. „Das hat auch dazu beigetragen, dass wir nun weniger Schiedsrichter zur Verfügung haben“, sagt Schmitz, der sich freut, dass die Lehrgänge bald wieder starten – und das sogar teilweise in Präsenz. In Mönchengladbach-Viersen beginnen ebenfalls die nächsten Neulingsjahrgänge, außerdem möchte man wieder verstärkt Werbung an Schulen für das Schiedsrichter-Wesen machen.

„Ich bin seit über 33 Jahren Schiedsrichter“, sagt Obmann Donné. „Es haben sich dadurch so viele Freundschaften gebildet, das ist einfach eine tolle Sache.“ Auch der 20-jährige Micheils, der vor zwei Jahren sein erstes Spiel gepfiffen hat, schwärmt. „Ich bin auf so vielen Sportplätzen und komme oft noch mit den Leuten dort nach dem Spiel ins Gespräch.“