Preis von Markus Merk Erkelenzer als „Nachwuchsschiedsrichter des Jahres“ ausgezeichnet

Fußball · Hohe Ehre für Lutz Meyersieck: Der 21-Jährige vom SC 09 Erkelenz wurde bei einer Gala der Merk-Stiftung auf dem DFB-Campus in Frankfurt als „Nachwuchsschiedsrichter des Jahres in Bronze“ ausgezeichnet.

 Bereits 18 Spiele hat Lutz Meyersieck in der laufenden Saison geleitet – die bislang letzte Partie war am Sonntag auf Fohlenplatz 10 am Borussia-Park das A-Jugend-Bundesligaspiel der Gladbacher gegen den SC Verl.

Bereits 18 Spiele hat Lutz Meyersieck in der laufenden Saison geleitet – die bislang letzte Partie war am Sonntag auf Fohlenplatz 10 am Borussia-Park das A-Jugend-Bundesligaspiel der Gladbacher gegen den SC Verl.

Foto: Tom Ostermann

Lutz Meyersieck staunte nicht schlecht, als er eine Mail von Markus Merk erhielt. Darin teilte der dreifache Weltschiedsrichter ihm mit, dass er „Nachwuchsschiedsrichter des Jahres in Bronze“ sei – gekürt von der Markus-und-Sabine-Merk-Stiftung. Die hatte den jährlichen Preis im vergangenen Jahr ins Leben gerufen – als Äquivalent zur Fritz-Walter-Medaille für die besten Nachwuchsspieler, die schon seit 17 Jahren vergeben wird. „Wir wollten eben einen vergleichbaren Preis für Nachwuchsschiedsrichter ins Leben rufen“, erläuterte Merk.

„Ich habe die Mail zweimal gelesen und zur Sicherheit dann erst mal meinen Schiedsrichter-Obmann Peter Oprei vom Fußball-Verband Mittelrhein angerufen. Der hat mir bestätigt, dass diese Mail kein Fake, sondern echt ist, ich wirklich diesen Preis bekommen werde“, erzählt Meyersieck. Dafür vorgeschlagen hatte den 21-Jährigen der DFB-Schiedsrichter-Ausschuss – der schickte Merk eine Namensliste der infrage kommenden Kandidaten.

Vergangene Woche war es dann so weit. In einer feierlichen und rund zwei Stunden dauernden Zeremonie auf dem DFB-Campus in Frankfurt wurde auch Meyersieck für sein herausragendes Engagement geehrt – nicht nur von Merk selbst, sondern unter anderem auch von DFB-Präsident Bernd Neuendorf, selbst ein Mittelrheiner und bis zu seiner Wahl zum DFB-Präsidenten auch Präsident des Mittelrhein-Verbands.

„Wichtig sind für die Ehrung nicht nur die Leistungen auf dem Platz, sondern auch ehrenamtliches Engagement“, erläutert Meyersieck. Auch damit kann der Erkelenzer mächtig punkten. So ist er der Chefansetzer für sämtliche Jugendspiele im Kreis Heinsberg, gehört so auch dem Schiedsrichterausschuss seines Kreises an. Dazu ist er Sprecher des FVM-Schiedsrichters-Perspektivkaders.

Selbst pfeift der Noch-21-Jährige (am Elften im Elften wird er 22) in dieser Saison in der Mittelrheinliga sowie in der A- und B-Junioren-Bundesliga. Und als Assistent kommt er in der Regionalliga West zum Einsatz. „Wenn man die Vita von Lutz hört oder liest, dann muss seine Woche aus mindestens acht Tagen bestehen. Er hat es mehr als verdient, diesen Preis zu erhalten“, bekräftigte in seiner Laudatio DFB-Vizepräsident Ronny Zimmermann.

In der laufenden Saison kommt Meyersieck bereits auf 18 Spielleitungen. So war er auch noch am vergangenen Wochenende gleich doppelt aktiv: Freitagabend pfiff er das Mittelrheinliga-Topspiel zwischen dem SV Bergisch Gladbach und dem SV Hohkeppel (1:1), am Sonntagmittag die A-Junioren-Bundesligapartie zwischen Borussia Mönchengladbach und dem SC Verl (5:1). Dazu war er auch schon acht Mal als Assistent im Einsatz – und vier Mal als offizieller Spielbeobachter. Das macht er bis rauf zur Bezirksliga ebenfalls schon.

„Schiedsrichter zu sein, ist mein Leben. Das nimmt ehrlich gesagt auch noch mehr Zeit als mein Studium ein“, erklärt Meyersieck, der in Wuppertal Deutsch und Sport auf Lehramt studiert. Unter der Woche wohnt er auch dort – und beschäftigt sich freilich auch dann intensiv mit der Schiedsrichterei. „Da schaue ich mir meine Spiele stets noch mal komplett an. Nach einer Partie gibt es ja immer ein ausführliches Feedback vom Beobachter, und das fließt in meine Analyse dann mit ein.“

Was ihn an der Schiedsrichterei so sehr reize? „Das sind vor allem drei Dinge: Erstens ist es für mich ungeheuer reizvoll, auf dem Platz mit ganz unterschiedlichen Persönlichkeiten klarzukommen. Zweitens ist es eine sehr komplexe Tätigkeit, die sowohl körperliche als auch mentale Fitness voraussetzt, und drittens ist es für mich eine Schule fürs Leben; da kann man so viel lernen und fürs Leben mitnehmen.“

Als seine große Stärke sieht er zum einen seine Kommunikationsfähigkeit. „Ich rede viel mit den Spielern – aber nicht von oben herab, sondern auf Augenhöhe. Das kommt allgemein gut an.“ Und zweitens seine körperliche Fitness. „Ich bin sehr laufstark, daher immer auf Ballhöhe. Auch damit gewinnt man enorm viel Akzeptanz.“

Um körperlich auf der Höhe zu sein, trainiert er zweimal in der Woche beim von Ex-Profi Peter Radojewski trainierten Bezirksligisten Germania Wuppertal mit. „Ich wollte nicht einfach nur Runden drehen. Im Fußball kommt es ja eh in erster Linie auf die Sprintfähigkeit an. Also habe ich da einfach mal angefragt – und bin mit offenen Armen empfangen worden. Peter Radojewski schätzt es sehr, wenn er mich beim Abschlussspiel immer auf die Position setzen kann, wo gerade eine Lücke ist“, erzählt Meyersieck – und schiebt schmunzelnd hinterher: „Mit meinem Namen redet mich da aber kein Spieler an – die sagen alle nur ,Schiri‘ zu mir.“

Bei seinem Heimatverein SC 09 Erkelenz hat er bis vor zwei Jahren hin und wieder auch noch gespielt. „Aber bereits seit 2016 steht für mich die Schiedsrichterei an erster Stelle“, bekräftigt Meyersieck, der 2014 damit angefangen hatte. Sein großes Vorbild ist Bundesliga-Schiedsrichter Florian Bad­stübner. „Der ist vielleicht nicht einer der bekanntesten Bundesligaschiris, aber dafür pfeift er ähnlich wie ich.“

Einer, der ihn seit vielen Jahren mit am besten kennt, ist sein Schiedsrichter-Kollege Jonas Windeln, ebenfalls aus dem Kreis Heinsberg stammend, zwei Jahre lang sein offizieller Mentor und mit ihm aktuell auch schon mal zusammen in einem Regionalliga-Gespann unterwegs. „Lutz ist ja noch sehr jung. Es ist daher wirklich bemerkenswert, wie reflektiert er schon ist. Dazu ist er sehr zielstrebig, motiviert und wissbegierig, hat das große Verlangen, immer dazuzulernen – und das fordert er aktiv auch ein. Er saugt alles auf. Mit diesen Eigenschaften sticht er unter vielen seiner jungen Kollegen klar heraus“, sagt Windeln – und fügt hinzu: „Es ist Wahnsinn, was er bereits für eine Entwicklung durchlaufen hat. Dennoch ist er so bodenständig – und das macht ihn zu einem besonderen Charakter.“

Das Ende der Fahnenstange scheint da noch lange nicht erreicht. „Mein großer Wunsch ist es, nächsten Sommer erst einmal in die Regionalliga aufzusteigen. Dafür gebe ich alles“, bekräftigt Meyersieck.