Fußball: Der 1. FC Mönchengladbach kommt nicht zur Ruhe

Fußball : Der 1. FC kommt einfach nicht zur Ruhe

Nach ziemlich genau einem Jahr im Amt wollte Vorsitzender Christian Oh bei der Jahreshauptversammlung des 1. FC Mönchengladbach eine Beitragsanpassung und eine Satzungsänderung durchbringen. Beides wurde abgeschmettert.

Als sich die Zeiger ganz stark der 23-Uhr-Marke näherten, war die Geduld von Christian Oh offenbar aufgebraucht. „Die Sitzung ist jetzt wirklich beendet“, meinte der Vorsitzende des 1. FC Mönchengladbach, als es noch Mitglieder gab, die trotz intensiver Diskussionen und vorgerückter Stunde doch noch mal das Wort ergreifen wollten. Dass Oh keine große Lust mehr verspürte, sich nach über zweieinhalb Stunden noch weiter mit den zahlreich im Vereinsheim erschienenen Mitgliedern auseinanderzusetzen, war menschlich gut nachvollziehbar. Schließlich hatte er kurz zuvor bei den wichtigsten Tagesordnungspunkten heftige Abfuhren bekommen. Sowohl eine Neufassung der Vereinssatzung als auch eine Beitragsordnung fanden keine Mehrheiten – beides Punkte, die ihm und Kassenwartin Yvonne Feldberg als letzte verbliebene Mitstreiterin im Vorstand sehr am Herzen lagen.

„Ich hatte im Vorfeld keine Signale, dass es solche Probleme geben könnte. Wir sind davon ausgegangen, dass das nur noch reine Formsache ist“, meinte Oh im Anschluss an die Jahreshauptversammlung. Doch schon die Anzahl der anwesenden stimmberechtigen Mitglieder ließ erahnen, dass mehr Brisanz im Spiel war, als Oh vermutete. Es waren zwar nicht die 177 aus dem Vorjahr, als die Zukunft des Vereins auf der Kippe gestanden hatte und Oh letztlich zum neuen Vorsitzenden gewählt worden war, doch auch 78 sind eine stattliche Zahl. Sind es doch über zehn Prozent des gesamten Vereins, wobei die größte Anzahl an Mitgliedern Kinder und Jugendliche sind.

„Wir sind kein Verein. Bei uns wird immer mehr auf Einzelne abgewälzt, anstatt auf Hilfsangebote aus dem Verein einzugehen“, meinte ein Mitglied, ein anderes fügte im Verlauf der Versammlung hinzu: „Ohne Vertrauen gehen die Leute nicht mit, und ihr schafft kein Vertrauen.“ Dabei hatten sich Oh und seine Mitstreiter Yvonne und Björn Feldberg, seit kurzem vom Jugend-Cheftrainer zum Sportlichen Leiter Senioren befördert, bei ihren Jahresberichten redlich bemüht, genau das zu tun. Oh stellte heraus, wie er als völliger Neuling in die Vereinsführung eingestiegen sei, sich aber allmählich eingearbeitet habe und unterschiedliche Maßnahmen zur Überwindung der kritischen Lage beigetragen hätte. Das untermauerte Yvonne Feldberg im Finanzbericht mit ordentlichen Zahlen. Zwar wurden die Jahre 2017 und 2018, wovon sie 2018 nur zu einem kleinen Teil zu verantworten hatte, mit kleinen Defiziten abgeschlossen, dafür wird das laufende Jahr wohl mit einer schwarzen Null abgeschlossen.

Um die positive finanzielle Entwicklung so fortzuschreiben, sah sich der Vorstand wegen wegfallender Sponsorengelder gezwungen, die Beiträge, die schon im Jahr zuvor als Notmaßnahme massiv erhöht worden waren, erneut anzupassen. Zwar nur für neue Mitglieder, aber für die meisten nach oben. Denn während passive Mitglieder zukünftig deutlich und Mitglieder der anderen Abteilungen etwas gespart hätten, sollten die Fußballer, unabhängig vom Alter, 240 Euro pro Jahr zahlen. Bisher zahlen Kinder bis zwölf 150 und Jugendliche bis 17 Jahre 180 Euro.

Hauptbedenken der Mitglieder: Die Wahrnehmung des besonderen Angebots des leistungsorientierten FC mit seinen gut ausgebildeten Trainern tritt hinter hohen Beiträgen zurück, so dass es zu wenig neue Mitglieder gibt und wieder ein Loch im Etat entsteht. „Wir haben vieles bedacht und versuchen, den Verein noch attraktiver zu machen. Gebt uns doch bitte eine Chance, das so zu versuchen“, sagte Oh. Letztlich gab es 42 Gegen- und 36 Ja-Stimmen.

Deutlicher fiel die Ablehnung der neuen Satzung aus, von der Oh meinte, sie sei schon 2016 vom Finanzamt angemahnt worden, um die Gemeinnützigkeit nicht zu gefährden. Auf den Vorschlag, nur über die dafür relevanten Punkte abzustimmen, wollte Oh nicht eingehen, weil er sie nicht kannte. „Sie meinen es ja vielleicht nicht böse. Aber wieso setzen Sie sich nicht mit einer Gruppe von Mitgliedern zusammen, um die Satzung auszuarbeiten, anstatt sie uns mit der Einladung zur Jahreshauptversammlung zuzuschicken und zu erwarten, dass wir hier darüber entscheiden“, meinte ein Mitglied. Der Hauptkritikpunkt: Oh sichere sich mit der neuen Satzung zu viel Macht und die Jugend habe zu wenig Einfluss. Mit 61 Gegen-, 9 Ja-Stimmen und acht Enthaltungen gab es für die Neufassung keine Mehrheit.

Oh nahm die Abstimmungsniederlagen äußerlich gelassen, doch in ihm brodelte es offenbar: „Wir müssen uns jetzt zusammensetzen und gucken, wie es weitergeht.“

In einer vorherigen Version wurden die Ergebnisse der Abstimmungen über die Beitragsanpassungen und die Neufassung der Vereinssatzung vertauscht. Das haben wir korrigiert.