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Fusion im Sommer: Wieso sich der FC Lobberich dem TV Lobberich anschließt

Fusion für Sommer 2022 beschlossen : Wieso sich der FC Lobberich dem TV Lobberich anschließt

Auf einer außerordentlichen Mitgliederversammlung hat der Fußballverein FC Lobberich/Dyck einstimmig entschieden, sich im Sommer dem größeren Verein TV Lobberich anzuschließen und dort eine Fußballabteilung zu gründen. Was sich beide Seiten davon versprechen.

Am Dienstagabend, kurz nach 19 Uhr, stand die Entscheidung fest: Der FC Lobberich/Dyck 1966 e.V. wird zum 30. Juni 2022 aufgelöst. Alle anwesenden Mitglieder stimmten auf der außerordentlichen Mitgliederversammlung für diesen Schritt, um sich ab dem 1. Juli 2022 dem TV Lobberich anschließen zu können. Der Fußballverein aus Lobberich wird die neue Fußballabteilung beim TVL bilden. Eine Anschlussfusion, die für beide Seiten viele Vorteile mitbringen soll. Ein Blick auf die Zusammenführung der beiden Lobbericher Sportvereine.

Wer kam auf die Idee einer Anschlussfusion? Der FC Lobberich/Dyck ist mit zwei Senioren- und sieben Jugendmannschaften – mit insgesamt 180 Mitgliedern – ein kleiner Dorfverein. „Bei uns kam immer mal wieder das Thema auf, wie wir den Verein für die Zukunft neu aufstellen können, um für unsere Mitglieder zumindest den aktuellen Standard zu halten“, sagt Geschäftsführer Jonas Pleuß. Vor vier Jahren habe es schon mal Überlegungen im Vorstand gegeben, ob man sich nicht dem TV Lobberich als Fußballabteilung anschließen könnte. „Das hat damals aber keine Mehrheit gefunden“, sagt Pleuß weiter.

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Vor einiger Zeit wurde diese Idee erneut beim FCL diskutiert und fand mehr Anklang. Also gingen die Verantwortlichen Anfang 2021 auf den TV Lobberich zu, unterbreiteten ihre Idee und stellten zudem das Konzept für eine Anschlussfusion vor. Der TVL, der eigentlich keine Fußballabteilung haben wollte, war von diesem Konzept schnell überzeugt. „Der FCL ist sehr familiär und lebt den Breitensport. Das passt super zu uns“, sagt Brigitte Houben, Zweite Vorsitzende beim TVL.

Was verspricht sich der FC Lobberich/Dyck davon? Durch die Angliederung als neue Abteilung beim weitaus größeren TV Lobbberich – mit seinen knapp 1500 Mitgliedern – versprechen sich die Verantwortlichen vom FC eine größere Sichtbarkeit in und bei der Stadt. „Wir haben so die Chance unseren Mitgliedern mehr anzubieten, weil wir auch viel besser wahrgenommen werden können. Der TV Lobberich hat viele Sportarten im Angebot. Wir erweitern das durch den Fußball und werden so hoffentlich attraktiver für neue Mitglieder – und somit auch größer“, sagt Marco Esser, Vorsitzender des FCL. Außerdem hoffen die Verantwortlichen die Rahmenbedingungen für die Fußballer so langfristig verbessern zu können. So hat die Platzanlage im Hoverbruch kein Flutlicht und keine direkten Umkleidekabinen, sodass die Teams im Winter stets nach Lötsch ausweichen mussten. Aktuell trägt der Verein seine Spiele zwar im Stadion „Schulzenburg“ aus, auch dort gibt es auf dem Rasenplatz aber keine Flutlichtanlage – sondern nur auf dem Ascheplatz. „Wir hoffen, dass wir mit dem TV Lobberich mehr bei der Stadt erreichen können. Als kleiner Dorfverein fehlt uns die Manpower, und der TVL hat da ganz andere Möglichkeiten“, sagt Pleuß.

Wie haben die Mitglieder auf diese Idee reagiert? Sehr positiv, wie die Verantwortlichen des FCL berichten. Vor vier Wochen gab es auf einer außerordentlichen Mitgliederversammlung bereits eine erste Abstimmung zu diesem Thema. Da aber nicht Zweidrittel aller Mitglieder vor Ort waren und die Versammlung daher nicht beschlussfähig war, diente diese Abstimmung nur als Stimmungsbild. „Da wurde bereits einstimmig für eine Fusion gestimmt“, sagt Pleuß. Auch Vorsitzender Marco Esser, der selbst seit 2006 im Verein ist, erzählt von hauptsächlich positiven Reaktionen der Mitglieder: „Wir haben ja auch viele Alteingesessene und sogar noch ein paar Gründungsmitglieder im Verein. Natürlich waren die erst einmal traurig, dass der Vereinsname verschwinden wird. Aber wir konnten alle mit dem tollen Projekt, das wir beim TV Lobberich angehen wollen, begeistern. Der FC Lobberich/Dyck ist nicht tot, er lebt in einem anderen Verein weiter.“

Welche Vorteile sieht der TV Lobberich durch die Fusion? Brigitte Houben vom TVL spricht von einer Win-Win-Situation: „Einige Mitglieder vom FC waren eh schon in anderen Abteilungen bei uns aktiv. Zudem gibt es in unserem Verein immer mal wieder Kinder, die auch gerne oder lieber Fußball spielen würden. So haben wir jetzt alles unter einem Dach. Außerdem können die jungen Leute vom FC bei uns für frischen Wind sorgen und eigene Ideen einbringen.“

Wie läuft die Anschlussfusion ab? Der FC Lobbberich/Dyck schließt sich dem TV Lobberich an und bildet dort die neue Fußballabteilung. Bis Juli 2022 müssen sich alle Mitglieder fristgerecht beim FCL ab- und beim TVL neu anmelden. Dabei werden die Jahre der Vereinszugehörigkeit übertragen. „Wer zum Beispiel seit 55 Jahren bei uns Mitglied ist, wird auch in fünf Jahren zum nächsten Jubiläum beim TV geehrt werden“, so Pleuß. Sollte eine Senioren-Mannschaft im Sommer den Aufstieg in die Kreisliga B schaffen, darf der neue Verein beim TV Lobberich das Startrecht übernehmen. Während die Mitglieder erst im Juli 2022 in den TVL eintreten, starten schon jetzt die Vorbereitungen der Verantwortlichen. „Wir gründen jetzt schon die Fußballabteilung beim TVL, damit wir alle organisatorischen Dinge abwickeln können: Passwesen aufbauen, beim Verband anmelden und so weiter“, erklärt Jonas Pleuß.

Wieso hat sich der FCL keinen Fußballverein für eine Fusion gesucht? Nettetal hat acht Fußballvereine: eine Fusion mit einem bestehenden Club wäre also durchaus ebenfalls eine Möglichkeit gewesen: „Da spielt aber der Lokalpatriotismus eine Rolle“, so Jonas Pleuß, der vermutet, dass der Verein so auseinandergebrochen wäre, weil sich nicht alle Mitglieder auf einen anderen, bestehenden Fußballverein hätten einigen können. „So bleiben alle Freunde, Familien und Mannschaftskollegen des FC Lobberich/Dyck zusammen – nur unter einem anderen Namen.“