Handball : Furcht vor Massen-Abstieg

Handball André Hermkens kann es kaum glauben. 20 Jahre habe die SG Dülken daran gearbeitet, in die Oberliga zurückzukehren. Doch dieser Aufenthalt droht – abgesehen von der sportlichen Situation – nur von kurzer Dauer zu sein. Denn in der Spielzeit 2009/10 könnte noch nicht einmal der achte Platz reichen, den die SG im Moment innehat, um in der Oberliga zu bleiben. In der kommenden Saison droht deutschlandweit ein Massenabstieg im Handball.

Hintergrund ist ein Beschluss der Deutschen Handball Liga (DHL), die Zweite Bundesliga nicht mehr in Nord und Süd aufzuteilen. Der Deutsche Handball-Bund zog nach und streicht zur Saison 2010/11 eine Regionalliga (die dann wohl Dritte Liga heißen wird). Dazu sollen die Oberligen Niederrhein (die Spielklasse der SG Dülken und Borussia Mönchengladbachs) mit der Mittelrheinliga zur Oberliga Nordrhein verschmelzen. Dadurch sollen die Spitzenklassen professionalisiert und eine größere Leistungsdichte erreicht werden.

Doch die drohenden Auswirkungen auf die Amateurklassen am Niederrhein und in den einzelnen Handballkreisen sind gewaltig. Denn aus der Zweiten Liga und aus der Regionalliga werden 32 Mannschaften gestrichen. Hinzu kommen 14 Teams aus der Zusammenlegung der beiden Oberligen. Und die alle müssen irgendwohin. So zieht sich der erhöhte Abstieg abhängig von der neuen Regionalaufteilung bis in Verbands- und Landesligen herunter. "Daraus ergeben sich gewaltige Verschiebungen und Abstiege", ahnt Günter Blank, Zweiter Vorsitzender des Handballkreises Krefeld-Grenzland und Trainer des Landesligisten Borussia Mönchengladbach II. Und zwar bereits in der kommenden Spielzeit.

Der Niederrhein würde von der neuen Struktur besonders massiv betroffen sein. "Denn wir haben viele Leistungsmannschaften", sagt Blank. "Es werden kleinere Vereine auf der Strecke bleiben."

Die meisten Vereine ahnen noch nicht viel von ihrem Glück. Bisher gab es keine Durchführungsbestimmungen der Landesverbände für die nächste Saison. Eines jedoch ist klar: Wer in zwei Jahren noch der gleichen Liga spielen will wie in dieser Saison, muss tiefer in die Tasche greifen. Experten rechnen mit bis zu 20 Prozent Mehrkosten für weitere Fahrten und stärkere Kader. "Wir sind mit Geld nicht übersäht, deshalb ist das schon hart", sagt André Hermkens. Sein Kollege Bodo Grewe vom Oberligisten Borussia ahnt: "Das ist ein Wahnsinns-Vorhaben. Es werden Vereine kaputtgehen oder sich zumindest zurückziehen." Hermkens erwartet, dass nun mehr Spielgemeinschaften gegründet werden, um den neuen Aufwand zu stemmen.

Ein anderer Vereinsvertreter flüchtet sich in Galgenhumor: "Immerhin bleibt der Ball rund."

(RP)