Freiheiten nicht ausgenutzt

Der Mönchengladbacher Radprofi Markus Eichler zu seiner ersten Saison im neuen Team, seiner Zukunft und der aktuellen Doping-Problematik

Seit drei Wochen ist Ihre erste Saison im Team Milram beendet. Wie lautet Ihr Fazit?

Markus Eichler Die von mir erwartete Teamarbeit habe ich voll erfüllt, aber mit meinen Resultaten bin ich nicht ganz zufrieden. Ich hatte häufiger das Gefühl, nicht die richtige Power zu haben. Wahrscheinlich habe ich zu viel trainiert und bin zu viele Rennen gefahren.

Gab es trotzdem Höhepunkte in dieser Straßensaison für Sie?

Eichler Natürlich. Erstmals den Klassiker Paris – Roubaix zu fahren oder bei meiner ersten dreiwöchigen Rundfahrt die Ziellinie zu überqueren, das waren schon ganz besondere Ereignisse. Und dass ich beim Giro d‘Italia Letzter im Gesamtklassement war, hat die Aufmerksamkeit eher noch gesteigert. So wurde ich ständig wegen der schwarzen Nummer fotografiert und durfte beim Abschluss-Zeitfahren als Erster starten.

Generell muss sich doch für Sie mit dem Wechsel zu einem der großen Teams im Profi-Radsport einiges verändert haben.

Eichler Ich bin auch mit meinem früheren Team Unibet.com ProTour-Rennen gefahren und hatte um die 100 Renntage im Jahr. Doch jetzt sind 70 Prozent meiner Rennen top besetzt, die Qualität ist deutlich höher. Zudem ist das Interesse an einem deutschen Team natürlich größer als an einem belgischen.

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Durch den Ausstieg von Gerolsteiner wird Milram in der nächsten Saison auch das einzige deutsche Team sein und hat entsprechend aufgerüstet. Wie verfolgen Sie die Entwicklung?

Eichler Sicher schaue ich, wer da alles kommt, und spreche mit Kollegen darüber. Aber das Team wird nicht größer sein als in diesem Jahr, nur noch einen Tick stärker. Ich sehe es so: Konkurrenz belebt das Geschäft.

Und trotz des verschärften Konkurrenzkampfes haben Sie Ihren Vertrag um zwei Jahre bis Ende 2010 verlängert.

Eichler Milram war für mich erste Wahl, weil es in diesem Jahr einfach gepasst hat. Ich habe das nicht von der Entwicklung im Team abhängig gemacht. Außerdem ist es doch schön, für das einzige deutsche Team zu fahren.

Allerdings steht der Radsport in Deutschland durch die neuen Dopingfälle bei Gerolsteiner vor dem Abgrund. Wie gehen Sie damit um?

Eichler Ich kann dort eigentlich nur tatenlos zusehen, abwarten und hoffen. Gelassen verfolge ich die Entwicklung nicht, schließlich geht es um unsere Arbeitsplätze. Und ich glaube auch nicht, dass der Ausstieg der Fernsehsender das richtige Signal für den Radsport ist. Erst durch die kritische Berichterstattung und den Druck der Medien hat die Anzahl der Kontrollen zugenommen. Nur dadurch sind letztlich die Kontrolleure auf einige Präparate gekommen und Fahrer erwischt worden. Es wäre mehr als schade, wenn man diesen Weg jetzt ganz verlassen würde. Grundsätzlich bin ich aber ein optimistischer Typ und denke, dass es im deutschen Radsport wieder aufwärts geht.

Würden Sie die zweite Saison bei Milram auch noch als Lehrjahr bezeichnen?

Eichler Man lernt nie aus. Aber ich hatte auch in diesem Jahr schon meine Freiheiten. Nur habe ich sie nicht ausnutzen können. Ich habe den Drang mich zu verbessern und möchte nicht noch mal so eine Saison erleben.

Wie lauten denn Ihre Ziele für 2009?

Eichler Es sind im Grunde die selben wie 2008. Nur sollen dann bessere Ergebnisse raus springen. Es wäre natürlich toll, bei der Tour de France dabei zu sein. Doch wir haben 25 Fahrer im Kader, die dazu das Potenzial haben. Mein Hauptaugenmerk liegt auf den Frühjahrs-Klassikern. Aber jetzt muss ich zunächst noch operiert werden, weil ich an der Schulter verletzt bin.

Thomas Grulke sprach mit M. Eichler.

(RP)