Frank Mitschkowski spricht über die Rückkehr zum 1. FC Mönchengladbach

Interview Frank Mitschkowski : „Der Charakter des Teams imponiert mir“

Der neue Trainer des Landesligisten 1. FC Mönchengladbach, Frank Mitschowski, spricht über seine Ziele, das Spiel gegen Borussia am Mittwoch und eine Gedenkminute, die es da geben wird.

Schon Anfang Mai hatte der 1. FC Mönchengladbach einen neuen Trainer gefunden. Mit Benedict Weeks hatte der Klub gut einen Monat vorzeitig Schluss gemacht, im Sommer hätte es beim Landesligisten ohnehin einen Wechsel an der Linie gegeben. „Wir haben uns vor circa 14 Tagen mit einem erfahrenen B-Lizenz-Trainer auf die finalen Modalitäten der Saison 2019/20 verständigt. Er ist Mitte 40, gut vernetzt, identifiziert sich mit der Vereinsphilosophie und war unter anderem Coach einer Oberliga-Mannschaft“, sagte Christian Oh, der Vorsitzende des Traditionsvereins, damals. Dass er über Frank Mitschkowski sprach, war ein offenes Geheimnis. Nun machte es der Trainer im Interview mit unserer Redaktion offiziell: „Ja, ich werde Trainer des FC“, sagte er.

Herr Mitschkowski, warum hat es fast acht Wochen gedauert, bis Sie sich offiziell äußern zur Rückkehr zum FC?

Mitschkowski Das hatte berufliche Gründe. Ich musste zunächst klären, ob ich die Trainertätigkeit mit meinem Job als Polizist vereinbaren kann. Das ist nun passiert. Wenn ich verhindert bin, ist ja mein Co-Trainer Leo Lekaj da. Ich habe ja auch schon beim Testspiel gegen den KFC Uerdingen an der Linie gestanden.

Von 2006 bis 2009 haben Sie schon einmal den FC trainiert, haben damals den Klub von der Bezirks- in die Landesliga geführt und sind da zweimal Dritter geworden. Nach zehn Jahren sind Sie wieder im Westend. Wie kam es dazu?

Mitschkowski Über Lothar Rhönisch und Herbert Scheulen, die ich gut kenne, kam der Kontakt zustande. Als dann die Anfrage kam, habe ich nach Bedenkzeit zugesagt: Was mir besonders imponiert hat, ist der Charakter des Teams. Der ist außergewöhnlich. Aussagekräftig ist für mich dabei auch das Verhalten der Spieler 12 bis 18. Beim Spiel gegen Velbert zum Beispiel habe ich gesehen, dass beim 3:2-Siegtor alle, aber wirklich alle, miteinander gejubelt haben. Solche Dinge haben den Ausschlag gegeben, dass ich sage: Da kann sich etwas mit dieser jungen Mannschaft entwickeln.

Das Team hat sich in der Schlussphase der abgelaufenen Saison selbst trainiert, nachdem es zur Trennung von Benedict Weeks gekommen war. Was sagt das über die Mannschaft aus?

Mitschkowski Das bestätigt vor allem, was ich gesagt habe: Sie hat einen tollen Charakter. Die Jungs habe da viel Eigenverantwortung unter der Leitung Lekaj und Schellhammer gezeigt.

Der FC hat bis zuletzt um den Aufstieg mitgespielt, ist letztlich Dritter geworden. Welche Ziele haben Sie?

Mitschkowski Nach einer Saison, in der die Mannschaft gezeigt hat, dass sie oben mitspielen kann, macht es keinen Sinn, künstlich tiefzustapeln. Wir haben das Gros des Kaders zusammengehalten und bekommen einige richtig gute junge Spieler dazu. Klubs wie Kapellen oder St. Tönis sind stark, aber wenn wir unser Potenzial wieder abrufen, ist es möglich, dass wir wieder um den Aufstieg mitspielen.

Welche Art Fußball wird Ihr FC spielen?

Mitschkowski Es war vieles richtig gut in der abgelaufenen Saison, da werde ich sicher das Rad nicht neu erfinden. Wir haben die wenigsten Gegentore bekommen. Das ist die Basis, die weiter wichtig sein wird. Aber die Mannschaft und die Typen, die wir haben, sind offensiv ausgerichtet. Wir haben in Oguz Ayan und anderen tolle Spieler, die im vordersten Drittel immer gefährlich werden können.

Der zweite Gladbacher Klub in der Landesliga ist die DJK/VfL Giesenkirchen – der Verein, dessen Trainer Sie vor dem ersten Engagement beim FC waren.

Mitschkowski Es freut mich sehr, dass Giesenkirchen den Aufstieg geschafft hat. Ich habe immer noch ab und an Kontakt dorthin, zum Beispiel zum Sportlichen Leiter Holger Drewer. Trainer Volker Hansen kenne ich noch aus unserer gemeinsamen Zeit beim 1. FC Viersen. Ich freue mich auf das Derby und hoffe, dass wir beide eine gute Saison spielen werden.

Ihr offizielles Debüt feiern Sie im Testspiel gegen Borussia. Das hat was.

Mitschkowski Natürlich, das ist toll. Zumal wir beim FC in diesem Jahr 125 Jahre alt werden, passt das richtig gut. Die Vorfreude ist riesig, bei der Mannschaft wie bei mir und dem FC-Umfeld Es gab einige Leute, die im Hintergrund viel Arbeit geleistet haben, wir sind als FC ja Veranstalter. Großen Dank gilt zudem Christian Cichon. Durch ihn haben wir überhaupt erst die Möglichkeit, gegen Borussia zu spielen, erhalten. Borussia unterstützt uns super. Unser Vorsitzender Christian Oh und sein Team haben viel auf die Beine gestellt, es wird unter anderem ein kleines VIP-Zelt geben.

Und auch eine Gedenkminute geben für den früheren Borussia-Masseur Charly Stock und Ex-Spieler Guido Kopp, die beide kürzlich gestorben sind.

Mitschkowski Das stimmt. Und es ist mir sehr wichtig, gerade auch was Guido angeht. Er war mein bester Freund. Sein plötzlicher Tod war ein brutaler Schlag ins Kontor für mich. Solche Dinge relativieren immer alles andere, was einem sonst wichtig erscheint.

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