Florian Kunz schreibt über die Bedeutung von Olympia für den Hockey-Sport

Gastbeitrag : Die Sportförderung ist ergebnisorientiert ausgerichtet

Florian Kunz wurde Welthockeyspieler des Jahres und Weltmeister. Vor den entscheidenden Qualifikationsspielen der deutschen Mannschaft in Mönchengladbach schreibt der GHTC-Vorsitzende über die Bedeutung von Olympia für den Hockey-Sport.

Ich bin wirklich froh, dass ich nie ein Entscheidungsspiel um die Teilnahme an Olympischen Spielen bestreiten musste. Wir sind zu meiner aktiven Zeit – Gottseidank – stets Europameister geworden und waren somit immer direkt qualifiziert. In solchen K.o.-Duellen, wie sie die deutschen Damen und Herren am kommenden Wochenende in Mönchengladbach zu bestreiten haben, geht es indes um sehr viel.

Unser Gast-Autor: Florian Kunz (Gladbacher HTC). Foto: Ilgner Detlef (ilg)

Für die Spieler ist es zunächst einmal das Größte überhaupt, an Olympia teilzunehmen. Es war für mich immer etwas ganz besonderes, im olympischen Dorf auf so viele Sportler zu treffen, die man selbst nur aus dem Fernsehen kennt. Es herrschte immer eine besondere Atmosphäre im olympischen Dorf. Zudem erfahren die Hockeyspieler bei Olympia ein ganz anderes öffentliches Interesse. Doch auch für den Deutschen Hockey-Bund ist das Olympia-Ticket wichtig, denn ohne Teilnahme könnte die finanzielle Förderung durch den Bund deutlich eingeschränkt werden. Das wäre für unseren Sport eine Katastrophe, zumal Nationen wie Belgien und England, die in den vergangenen Jahren in die Weltspitze aufgerückt sind, schon jetzt ganz andere finanzielle Möglichkeiten haben.

Erschwerend kommt hinzu, dass die Sportförderrichtlinien mittlerweile noch stärker ergebnisorientiert ausgerichtet sind. Wenn die Medaillenchancen sinken, werden finanzielle Abstriche möglich. Das war zu meiner Zeit noch nicht so extrem, da wurde mehr darauf geschaut, wie gut die Arbeit grundsätzlich im Verband ist.

Unbestritten hoch ist die Erwartungshaltung an das deutsche Team. Wir sind Deutschlands erfolgreichste Mannschaftssportart, entsprechend sind wir bei Olympia auch immer ein potentieller Medaillenkandidat, wenn nicht sogar Goldfavorit. Wir Spieler haben diesen Erwartungsdruck jedoch nie verspürt, denn wir haben uns ja immer selbst das Ziel gesetzt, eine Medaille gewinnen zu wollen. Auch die jetzige Nationalmannschaft wird, wenn es am Wochenende ernst wird, nicht in erster Linie an die Folgen für den Verband bei einem möglichen Scheitern denken, sondern ihr sportliches Ziel im Auge haben: 2020 in Tokio dabei zu sein.

Sowohl die Damen als auch die Herren müssen dieses Ziel nun über K.o.-Duelle erreichen. Damit erhofft sich der Weltverband wohl, die Spiele noch etwas besser vermarkten zu können. Wenn ich auf unsere Gegner schaue – Italien bei den Damen und Österreich bei den Herren – muss ich sagen, dass wir sicherlich kein Lospech hatten. Und wenn es darauf ankam, waren die deutschen Teams immer zur Stelle.

Trotzdem bin ich froh, dass die Olympia-Fahrer jeweils über zwei Spiele ermittelt werden. Denn in einer einzelnen Partie kann viel passieren. Und auch wenn wir der Favorit sind, wird die Qualifikation kein Selbstläufer. Deswegen hoffe ich auch, dass wir im Hockeypark eine tolle Kulisse und viel Unterstützung haben werden und wir somit den Heimvorteil für uns nutzen können. Für unsere Sportart ist das ein ganz wichtiges Wochenende.

Florian Kunz (47) ist Vorsitzender des Gladbacher HTC. Als Kapitän wurde der 247-fache Nationalspieler 2001 Welthockeyspieler des Jahres, 2002 Weltmeister sowie insgesamt fünfmal Europameister. Zudem nahm er von 2000 bis 2004 an zwei Olympischen Spielen teil, gewann einmal Bronze. Mit dem GHTC wurde er Deutscher Meister, Pokalsieger und Europapokalsieger.