Handball : Die schwarze Saison

Mönchengladbachs Handball steigt ab: Korschenbroich zieht sich mangels Finanzkraft in die Dritte Liga zurück, die Frauen steigen aus der Oberliga ab und Borussia schafft es nicht in die Dritte Liga – eine Sportart ist in der Krise.

Handball Es war eine kurze Zeit, in der Mönchengladbach auf der deutschen Handball-Landkarte auftauchte. Von 2007 bis 2012 spielte der TV Korschenbroich, mit einem Jahr Unterbrechung, in der Zweiten Bundesliga. Im Sommer, mit dem Rückzug des TVK in die Dritte Liga, ist das Geschichte. Und angesichts der verzweifelten und bisher glücklosen Sponsorensuche steht in Frage, ob und wann der TVK noch einmal in die Bundesliga zurückkehren wird. Es kommt noch heftiger: Die Frauenmannschaften Rheydter TV und Turnerschaft Lürrip steigen beide aus der Oberliga ab. Hinzu kommt der nächste erfolglose Versuch Borussias, endlich in die Dritte Liga zurückzukehren. Die Gründe dafür sind sicher andere, aber sie runden eine schwarze Saison ab. Irgendwie steigt der gesamte Handballkreis 2012 somit ab. Und das hat seine Gründe.

Der Sport lebt vielerorts über seine Verhältnisse. Nicht nur in Düsseldorf und Dormagen wurden Gehälter gezahlt, die der Sport durch Sponsoren nicht finanzieren kann. Auch in Korschenbroich mussten Mäzene und Gönner entstandene Lücken auffangen. Man hoffte, das würde sich legen. Das Konzept "Hand-Ball-Herz am Niederrhein" würde endlich bei Geldgebern die Kasse öffnen. Doch die Wirtschaft hat derzeit kaum ein Interesse am Handball. "Wir haben sehr viele Gespräche hinter uns", sagte TVK-Geschäftsführer Dr. Peter Irmen. "Keiner wollte bei uns einsteigen. Die Insolvenzen in Dormagen und Düsseldorf haben viel verbrannte Erde hinterlassen", sagte Irmen der Rheinischen Post.

Spitzenhandball, der über Sponsoren fianziert wird – das funktioniert in Gladbach nicht. Der Oberligist Borussia bekommt seine Mittel – dem Vernehmen nach jährlich rund 100 000 Euro – aus der Kasse des Hauptvereins. Der Verbandsligist Turnerschaft Lürrip verzichtet ganz auf eine Honorierung seiner Spieler. Und darunter gibt es höchstens Spritgeld. Die Sponsorenlandschaft ist in einer Fußball-Bundesligastadt derart abgegrast, dass für die anderen Sportarten nur noch Krümel übrig bleiben. Wer Handball spielt, tut das für die Freude. Nicht schlecht für den Breitensport, bei dem sich Aktive in hohem Maße mit ihrem Verein identifizieren. Aber tödlich für den Spitzensport. So gehen dem Handball die Zugpferde aus.

Die Folge: Junge Mönchengladbacher Topspieler wandern ab. Ein Bennet Johnen, Kreisläufer bei Borussia, muss bis nach Ferndorf im Siegerland fahren, um seinen Bundesliga-Ambitionen nachgehen zu können. In vielen Vereinen wird sicherlich beispielhafte Nachwuchsarbeit betrieben. Aber die Jugend hat es somit schwer. Ihnen fehlt die Perspektive vor der Haustür. Talente haben höchstens die Aussicht auf die Landesliga, einige wenige auf die Oberliga – mehr geht hier nicht.

(angr)