Lokalsport: Die Rollbrett Union ist jetzt obdachlos

Lokalsport: Die Rollbrett Union ist jetzt obdachlos

Gestern war der letzte Tag, an dem die Skater den Rollmarkt in Rheydt nutzen konnten. Wie es weitergeht, ist offen.

Einfach mal Skateboarden ausprobieren, bei freiem Eintritt auf den Rampen Sprünge und Tricks testen, dabei neue Leute kennenlernen - all das ist seit gestern Geschichte in Rheydt. Die Rollbrett Union (RBU) musste - nach zweimaliger Verlängerung - die Skate-Halle verlassen. Wie es für den jungen Verein weitergeht, der in knapp anderthalb Jahren fast 250 Mitglieder gesammelt hat, ist Stand heute noch offen. "Alle sind immer davon ausgegangen, dass wir übergangslos in eine neue Halle gehen", sagt der zweite Vorsitzende Christian Brass. "Aber wir haben immer gesagt: Wir brauchen Unterstützung. Uns fehlt noch die Hälfte der nötigen Kohle."

Als neuen Standort hatte die SMS Meer GmbH Lagerflächen in ihrem Businesspark angeboten, Brass und sein Vorsitzender David Suhari hatten sich das Gelände bereits angeschaut. "Das ist ein interessantes Angebot, aber die Kosten sind ähnlich hoch wie im Rollmarkt", sagt Brass. An der Rheydter Hauptstraße waren allein 2500 Euro Nebenkosten fällig. "Die SMS Group will verständlicherweise wie jeder andere Vermieter auch wissen, ob wir die Nebenkosten stemmen können. Dafür ist unser Verein aber noch nicht aufgestellt", sagt Suhari,

Und das liegt mitnichten daran, dass sich die zwei Skater nicht bemühen würden. Die beiden Selbstständigen stecken viel Zeit in den Verein und die Lösungen der aktuellen Probleme, die Stadt hat Hilfe zugesagt, doch reicht das für die Finanzierung nicht - und so manche bürokratische Hürde stellt ein Hindernis dar. "Das sind Erfahrungswerte, die wir einfach nicht haben", sagt Suhari. Brass ergänzt: "Wir sind ein sehr junger Verein. Im ersten halben Jahr, als uns die Stadt den Rollmarkt finanziert hat, mussten wir erst einmal herausfinden, wie man eine Skate-Halle überhaupt betreibt. Und gleichzeitig haben uns die Leute die Bude eingerannt."

Das Angebot des Vereins - eine Mitgliedschaft kostet Erwachsene fünf Euro im Monat, Kinder zahlen drei, der Eintritt in den Rollmarkt ist ohnehin kostenlos - traf anscheinend genau den richtigen Nerv. Vier bis sechs Neuanmeldungen gab es im Schnitt in der Woche. "Wir sind ja eigentlich ein Sportverein, aber wir machen auch viel Jugendarbeit", sagt Suhari. Der 41-Jährige ergänzt: "Wir haben hier so viele Menschen kennengelernt und wirklich etwas Integratives aufgebaut. Wir hatten hier Kinder, die kein Wort Deutsch sprachen und für die wir am Anfang Übersetzer suchen mussten. Inzwischen sind die fast jeden Tag da und sprechen Deutsch." Suharis Stimme wird eindringlich: "Wir haben Kinder von der Straße geholt, und jetzt, wo wir nicht wissen, wie es weitergeht, habe ich Angst, die wieder zu verlieren. Ich bin selber Vater von zwei Töchtern. Ich würde mir Sorgen machen, wenn ich nicht wüsste, wo sie sind, wenn ihnen ein solches Angebot plötzlich nicht mehr zur Verfügung steht." Brass ergänzt: "Wir brauchen eine feste Halle, in der wir uns zwölf Monate im Jahr treffen und austauschen können. Wir haben Workshops und Schulen wollen mit uns zusammenarbeiten, aber wir haben noch keine Planungssicherheit. Im Moment ist bei mir viel Wehmut da, das letzte Jahr war eine echte Lebenserfahrung."

Dass Skateboarden 2020 eine Olympische Sportart wird und die Rollbrett Union aktuell vier Fahrer im festen und erweiterten Olympia-Kader hat, ist derweil nur noch ein Randaspekt. "Das ist ,nice to have', aber im Moment fokussieren wir uns voll auf die Stadt und unsere Situation", betont Brass. Und die sieht derzeit so aus, dass die Rollbrett Union nun obdachlos ist.

www.rollbrettunion.de

(ame)