Lokalsport: Deutschland peilt bei der Billard-WM das Halbfinale an

Lokalsport : Deutschland peilt bei der Billard-WM das Halbfinale an

Dreiband-Profi Martin Horn geht zuversichtlich in die Mannschafts-Weltmeisterschaft von morgen bis Sonntag in Viersen.

Eigentlich müsste Martin Horn (47) das sogenannte Scotch-Double-System meiden wie der Teufel das Weihwasser. Seit nämlich bei der Billard-Weltmeisterschaft für Dreiband-Nationalmannschaften in Viersen dieses System eine Rolle spielt, ist Deutschlands bester Dreiband-Billardspieler dreimal in Folge leer ausgegangen - egal, welchen Partner er an seiner Seite hatte. Hinzu kam die Pleite im vergangenen Jahr bei der Europameisterschaft in Brandenburg, als Deutschland schon in der Vorrunde die Segel streichen musste. Doch vor der nächsten WM-Auflage in Viersen von morgen bis Sonntag äußert sich Horn pragmatisch. "Einmal im Jahr Scotch Double zu spielen, ist okay. Wir haben voriges Jahr eine gute WM gespielt, mit unsere Emotionen die Leute mitgerissen. Ich freue mich auf Viersen", sagt er.

Scotch Double bedeutet, dass die beiden Spieler einer Mannschaft in einer Art Doppel abwechselnd stoßen, bis ein Fehler passiert, dann ist das gegnerische Team dran. Wurde diese Spielart 2015 und 2016 nur eingesetzt, um bei Gleichstand nach den beiden Einzelpartien in einem Doppel bis 15 Punkte eine Entscheidung herbeizuführen, so gab es im Vorjahr erstmals nur noch ein Scotch-Double-Spiel bis 40 Punkte. Dadurch sollte der Teamcharakter stärker betont werden. Die Reaktionen fielen im Vorfeld - einige Spieler blieben gleich zu Hause - und hinterher sehr gemischt aus. Martin Horn selbst hatte voriges Jahr nach dem WM-Aus im Viertelfinale noch erklärt, dem Weltverband einige Änderungstipps mit auf den Weg gegeben zu haben.

Dass der Essener sich nun so milde gibt, obwohl unverändert Scotch Double gespielt wird, mag auch damit zusammenhängen, dass es wegen der Reduzierung von 24 auf 16 WM-Teilnehmer einen neuen Turnierablauf geben wird. Dass es dadurch drei Vorrundenpartien gibt, gefällt ihm richtig gut. "Dann lohnt sich auch für Mannschaften eine weite Anreise eher, auch wenn sie schon in der Vorrunde ausscheiden sollten", erklärt Horn. Ein frühes Ausscheiden ist für ihn allerdings keine Option. Im Gegenteil. An der Seite von Ronny Lindemann, mit dem er schon voriges Jahr das deutsche A-Team bildete, will er definitiv mal wieder eine Medaille holen. Letztmals gab es für Deutschland in Viersen Edelmetall, als Horn zusammen mit Stefan Galla 2014 den dritten Platz belegte und Bronze holte. "Wir sind definitiv mal wieder dran. Ins Halbfinale möchte ich schon", betont Horn.

Selbstbewusste Töne, die nicht von ungefähr kommen. Die Tode von Mutter und Vater waren voriges Jahr zwar heftige Schicksalsschläge, doch nach einer langen Leidenszeit der Eltern mit entsprechenden Sorgen beim Sohn hatten sie nach der Trauer aus leistungssportlicher Sicht auch befreienden Wirkung. In der Folge spielte Horn groß auf, holte sich unter anderem die Deutsche Meisterschaft. Inzwischen ist die Motivation des Profis so groß, dass er nach längerer Abstinenz auch wieder international angreifen möchte. "In den nächste beiden Jahren will ich unter die besten 14 der Welt kommen", sagt Horn. Da wäre eine Medaille bei der WM in Viersen ganz sicher ein passendes Signal an die Konkurrenz.

(RP)